Es ist schon seltsam: Seit einigen Jahren haben die Privatsender kein Glück mehr mit ihren Serien. Richtig gut haben eigentlich nur die beiden „Klassiker“ funktioniert, „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“. Alles andere wurde entweder vorzeitig eingestellt oder zumindest nicht fortgesetzt. Nun probiert es Sat 1 noch mal mit einer täglichen Serie; „Verliebt in Berlin“ (2005 -2007) hat dem Sender vor zehn Jahren einen echten Quotenknüller beschert. Die Telenovela war konsequent auf Alexandra Neldel zugeschnitten, und auch „Mila“ steht und fällt im Unterschied zu Ensembleproduktionen wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (RTL) mit der Hauptdarstellerin. Ab Folge 2 bekommen die Nebenrollen zwar etwas mehr Raum, aber zunächst ist die Titelheldin die uneingeschränkte Hauptfigur dieser auf ein Sendejahr angelegten Produktion. Das ist durchaus riskant: „Mila“ ist Susan Sideropoulos, und das gilt nicht nur für die Rolle. Wer ein Problem mit dem früheren „GZSZ“-Star hat, für den ist die Serie gestorben. Leicht boshaft könnte man anmerken, dass ihre Filmografie nicht ohne Grund nur aus ihren zehn Soap-Jahren und einigen eher belanglosen Gastrollen besteht.
In den Rahmen der Serie passt die hier gern hyperventiliert agierende blonde Schauspielerin mit den griechisch-israelischen Wurzeln allerdings gut, denn „Mila“ ist in erster Linie knallbunte Oberfläche. Szenen- und Kostümbild lassen die Bilder deutlich aufwändiger wirken als typische Soaps, weil Wände, Kleidung und Ausstattung betont farbig gestaltet sind. Der Handlungskern ist dagegen von bedauernswerter Übersichtlichkeit und entspricht perfekt den Motiven Dutzender anderer Vorabendserien: Mila sucht die Liebe. Dank der Umsetzung fällt wenigstens nicht auf, wie unglaubwürdig der Einstieg ist: Angeblich ist Mila, Anfang dreißig und freiberufliche App-Testerin für ein Online-Magazin, glücklicher Single, aber als ihre fast zehn Jahre jüngere Schwester (Jenny Bach) ihre Verlobung bekannt gibt, stellt die Heldin fest, dass ihr Dasein ohne Kerl öde und leer ist. Unbeobachtet hört sie mit, wie ihre Mutter (Claudia Lietz) befürchtet, Mila könne als alte Jungfer enden. Also nimmt sie sich vor, bis zur Hochzeit ihrer Schwester in 287 Tagen den Mann fürs Leben zu finden.
Foto: Sat 1 / Claudius Pflug
Es mutet immer etwas seltsam an, wenn sich Filme oder Serien einen modernen Anstrich geben und dann doch bloß von Frauen handeln, die auf der Suche nach „Mr. Right“ sind. Ansonsten hat die Hauptfigur nicht viel zu bieten. Mila plant ein Buch, ist aber über den ersten Satz nicht hinausgekommen; und wie sie es schafft, bei einem Zeilenhonorar von 18 Cent zu überleben, ist ebenfalls ein Rätsel. Was sie sonst so getrieben hat, bevor die Liebesleere alles andere dominierte, bleibt offen; ihre Freizeit scheint im Wesentlichen daraus zu bestehen, sich mit Mitbewohnerin Sally (Laura Osswald) über ihre Erlebnisse auszutauschen. Aber diese Eindimensionalität gilt für den gesamten Serienentwurf. Auch die weiteren Personen sind typisch überspitzte Soap-Figuren. Milas Chefredakteurin (Simone Hanselmann) zum Beispiel ist das typische Abziehbild der TV-Karrierefrau: ein herber, unsympathischer Typ, extrem schlank, ehrgeizig und ohne jede soziale Kompetenz. Die luftig modernen Redaktionsräume würden allerdings eher zu einem erfolgreichen Hochglanzmagazin passen.
Als Zeitvertreib am Vorabend ist „Mila“ trotzdem recht kurzweilig, zumal Chefautor Jan Friedhoff, der auch an „Türkisch für Anfänger“ mitgeschrieben hat, das überschaubare Handlungsmuster immer wieder durch hübsche Umwege anreichert. Mal besucht Mila das Seminar eines Motivations-Coachs (Sven Martinek), der ihr die Augen öffnet, mal befreit sie den attraktiven, an ihr selbst aber völlig desinteressierten Kollegen (Florian Odendahl) aus den Fängen einer Stalkerin („Topmodel“ Larissa Marolt). Auch die Inszenierung (zunächst Patrick Caputo) setzt immer wieder amüsante Akzente. Als Milas Mutter sie mit einer verschrobenen Nachbarin vergleicht, sieht sich Mila zum bekannten schrillen Geigenmotiv aus „Psycho“ vor ihrem geistigen Auge in dieser Rolle und schreit dazu wie einst Janet Leigh in der berühmten Duschszene. Ansonsten ist die Umsetzung auch dank der permanent nur kurz angespielten Popsongs ähnlich atemlos wie die Hauptdarstellerin. (Text-Stand: 20.8.2015)