Der Wunsch nach Gerechtigkeit endete für Kim Hansen (Katharina Wackernagel) und ihre Schwestern Lesley (Julia Becker) und Olivia (Sara Fazilat) vor fünf Jahren im Knast. Jetzt sind sie wieder draußen – und Kim will die Sache nicht auf sich beruhen lassen: Die Virologin wurde von ihrem Ex-Kollegen Christian Heisinger (Christoph Bach) betrogen; er hat ihren HIV-Impfstoff gestohlen und sie entlassen. Mittlerweile hat er die Firma von seinem Vater, Kims Mentor, übernommen und lässt sich als der große Heilsbringer feiern. Der bahnbrechende Impfstoff steht kurz vor der Markteinführung. Die entscheidenden Beweise, die vor fünf Jahren in einem Bankschließfach lagen, vermutet Kim nun im Safe in Heisingers Firmenzentrale. Einen Verbündeten hat sie schon, den Überwachungsanlagen-Experten Sammy (Jan Kampmann), fehlt ihr nur noch die ausführende, menschliche Software. Ihre Schwestern wollen sich nicht noch einmal von ihr überreden lassen. Doch da es nicht nur um Gerechtigkeit und Moral geht, sondern auch um einige Millionen; und da Lesleys Imbiss die Zwangsvollstreckung droht, knickt sie als erste ein. Olivia ist nicht zuletzt wegen ihrer Partnerin Paula (Franziska Hartmann) widerspenstiger. Der Plan jedenfalls scheint diesmal durchdachter zu sein. Allerdings herrscht am Tag X, dem pompösen Investoren-Event, die höchste Sicherheitsstufe. Heisinger hat Wind davon bekommen, dass Kim und ihre Schwestern etwas vorhaben.
Foto: ZDF / Gordon Timpen
„Gar kein Geld macht auch nicht glücklich“ erzählt in amüsantester „Heist“-Movie-Manier von der Planung und Durchführung eines großen Coups. Zunächst muss sich das Team (wieder) finden, dann werden die Voraussetzungen für die von Kim ausgetüftelte Aktion geschaffen. Irgendwie müssen die Schwestern reingeschmuggelt werden in das Hochsicherheitsgebäude. Imbiss-Profi Lesley vielleicht als Kellnerin; dumm nur, dass sie über 40 ist und nicht mehr ins Beschäftigungsprofil der Event-Agentur fällt. Ihr Lebens- und Geschäftspartner, Koch Tommy (Jacob Matschenz), gehört auf jeden Fall schon mal zur Catering-Abteilung des Events. Und Olivia? Die tanzt für ihr Leben gern … Im Gegensatz zu anderen „Heist“-Movies, bei denen der Zuschauer genauestens in Strategie und Ablauf des „großen Dings“ eingeweiht werden, um so die Spannung zu erhöhen, hat sich Autor-Regisseur Jonas Grosch für eine Mischung aus Suspense und Verblüffung entschieden, was dem Komödien-Genre entgegenkommt. Die lustvolle Gespanntheit, die aus dem Mehrwissen durch die Handlung der ersten Filmstunde resultiert, wird mit launigen Überraschungseffekten garniert. Irgendwann erkennt man, dass Olivia nicht zufällig Tänzerin ist und dass es einen guten Grund für Kims Besuch beim Optiker gab, oder man versteht, weshalb ihr Nachbar Niels (Alexander Khuon) zwar Polizist, aber für den Coup kein Problem ist. Und manchmal sorgt auch das wiederkehrende „Du sollst nicht diskriminieren“-Gebot für das Gelingen einer Schleuser-Aktion. An Ideen jedenfalls mangelt es nicht in dieser bestens funktionierenden Komödie. Nicht zuletzt, weil die Schwestern alle Sympathien genießen, ist die Spannung – gemessen am Genre – außergewöhnlich hoch. Hinzu kommen die Energie eines Top-Ensembles und die Dynamik der Inszenierung: Phasen höchster Dringlichkeit, forciert durch einen formidablen Soundtrack voller Drive (von Goldfrapp bis Noga Erez) folgen ruhige, getragene Passagen.
Soundtrack: Tropcal F**k Storm („Stayin‘ Alive“), Goldfrapp („Ooh La La“), Billie Eilish („Bad Guy“), Clairy Browne & The Bangin‘ Rachettes („Good Problems“), The Pussycat Dolls („Sway“), Noga Erez feat. Ravid Plotnik („A+“), Mr. Big („To Be With You“), Mashed Up Funk („Black Heat“), Noga Erez („DUMB“), Lee Moses („Bad Girl Pt. 1“), The Interrupters feat. Alex Désert & Greg Lee („Burdens“)
Foto: ZDF / Gordon Timpen
Also auch filmästhetisch ist „Gar kein Geld macht auch nicht glücklich“ nichts, was man im Fernsehen alle Tage zu sehen bekommt. Das geht gleich aufregend im Schließfachraum einer Bank los: blonde Perücke, falscher Schnauzer, grelle Farben, erst atmosphärischer Einstieg, dann hohes Tempo, zackiger Schnitt, schräge Einstellungen – bis das Wachpersonal die Waffe zückt. Man hätte es sich denken können: Der Zugang zu den Schließfächern sah schon verdächtig nach Gefängnisgitter aus. Jetzt übernimmt die Farbe Gelb die Bild-Regie – und „5 Jahre später“ geht’s unter den Klängen des Bee-Gees-Covers „Stayin‘ Alive“ nicht minder rhythmisch gen Freiheit. Sechs knackige Minuten, die zumindest die Zuschauer:innen, die keinen Mord vermissen, sofort hineinziehen in den Film. Und da sind natürlich auch noch die drei Protagonistinnen: Groschs Schwester Katharina Wackernagel, die hier bereits andeutet, dass sie immer dann am besten ist, wenn sie strahlen darf und ihr Blick offen ist statt angestrengt wie im Krimi, Sara Fazilat, für die Ähnliches gilt und die nicht immer nur der bunte Sidekick sein muss, und Julia Becker, die auch als Autorin und Regisseurin ihr Faible für Komödien bewies und die auch ohne Schnauzer als Langfinger komisch überzeugt. In diesem Film machen die Frauen die Ansagen. Die Männer können da nicht mithalten. Bestenfalls sind sie lieb, nett, weltfremd und wuschig wie Tommy oder Polizist Niels, der schon mal für seine Kim bei einem erhofften Schäferstündchen nicht nur zur Freude der Zuschauer:innen komplett blankzieht. Schlimmstenfalls sind sie kriminell wie der vermeintlich weltgewandte Pharmachef, dem ausgerechnet am Tag seines größten Triumphs der Durchblick fehlt. Das Geschlecht wird komplettiert von zwei Männern in geheimer Mission. Sie überwachen die drei Frauen, wissen mehr über sie (womit auf launige Weise die Biographie der Heldinnen ergänzt wird), sind aber beide weniger gut zu Fuß, was sie für ihren Job ungeeignet macht: Umso perfekter, mit dem ihnen typischen trockenen Nörgel-Humor sind Marc Hosemann und Milan Peschel.
Für wen diese beiden die Handlanger spielen, bleibt bis zum Showdown ungeklärt. Dann geben sie der Handlung eine Wendung, die man nicht erwartet hätte, die aber dem Ganzen eine sympathische Note verleiht. Doch wie in jeder guten Komödie gilt: Wenn das Ende nicht (wenigstens ein bisschen) gut ist, dann ist es noch nicht das Ende … Und auch der hanseatischen High Society wird final noch einer eingeschenkt. Und so ist „Gar kein Geld macht auch nicht glücklich“ einer der unterhaltsamsten Fernsehfilme der letzten Monate, ein Film, der rundum gute Laune macht und der länger im Gedächtnis bleiben wird als die Vielzahl der Ermittlerkrimi- und Unterhaltungsfilm-Reihen. Apropos: Weshalb nicht ein solches Trio als Rächerinnen der Opfer und Benachteiligten noch ein oder zwei Mal in den Einsatz schicken? Der Hinweis darauf, dass der Peiniger der Schwestern Kindheit, der Pflegeheimleiter, aus dem Gefängnis entlassen wurde, bietet die perfekte Steilvorlage. Ist das Kalkül? Oder nur ein Seitenhieb gegen das Serienritual, sich für eine zweite Staffel alle Möglichkeiten offenzuhalten?

