Nacht ohne Morgen
    • Fernsehfilm „Nacht ohne Morgen“

      "Mein Vater, seine Freunde & das ganz schnelle Geld" (Mediathek) Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen noch mal zur Primetime auf 1Festival: "Mobbing" (18.5., 20.15 Uhr) Auf einen Blick: die Top-Fernsehfilm-Premieren im Mai 2013 WEISSENSEE - Staffel 2
      Foto: ZDF / Hartmann

      "Mein Vater, seine Freunde & das ganz schnelle Geld" (Mediathek)

      collina Filmproduktion präsentiert einen Film von Max Färberböck & Ulrich Limmer

      Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen

      Foto: BR / Fischkoesen

      noch mal zur Primetime auf 1Festival: "Mobbing" (18.5., 20.15 Uhr)

      Foto: SWR / ORF / Domenigg

      Auf einen Blick: die Top-Fernsehfilm-Premieren im Mai 2013

      Foto: Zieglerfilm

      WEISSENSEE - Staffel 2

      Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD

      ARD, 19.01.2013, 21:45 Uhr - Wiederholung

      George, Haberlandt, Sukowa, Kleinert, Käfer. Lebenslüge, Schuld und Verzweiflung

      Rainer Tittelbach
      Ein todkranker Staatsanwalt verbeißt sich in einen unaufgeklärten, fast 20 Jahre alten Fall: den Mord an einem 16-jährigen Jungen. Er bittet eine auch persönlich in den Fall involvierte Polizistin um Mithilfe. Der wortlos in seinem großbürgerlichen Ehekäfig dahinvegetierende Mann will seinen letzten Tagen offenbar noch etwas Sinn geben. Der Plot trägt Züge eines Kriminalfilms, der sich zu einem psychologischen Drama auswächst. „Man muss als Zuschauer die Möglichkeit haben, sich einem Film zu nähern wie einem fremden Menschen. Bei einer ersten Begegnung erzählt der mir ja auch nicht sein ganzes Leben.“ An Andreas Kleinerts ästhetisches Credo hat sich auch Götz George gehalten. So zurückgenommen sah man ihn selten. Und Sukowa und vor allem Fritzi Haberlandt stehen ihm in nichts nach.

      George
      Foto: WDR / Erik Lee Steingroever

      Ein Blick zurück im Schmerz: Götz George als todkranker Ex-Staatsanwalt Dänert

      „Wenn man nicht mehr lange zu leben hat – dann gibt es doch Wichtigeres“, findet die Dorfpolizistin Larissa Brandow. Der Berliner Staatsanwalt a.D. Jasper Dänert ist zu ihr nach Brandenburg gekommen. Es schmerzt den todkranken Mann, dass ein Fall von 1992 niemals aufgeklärt wurde. Ein 16-jähriger Junge wurde damals tot in einem Waldstück gefunden. Seine Identität blieb ungeklärt, ebenso die des Täters. Dänert bittet die junge Frau um Mithilfe. Da das Ermittlungsverfahren noch nicht wieder eröffnet wurde, der mit dem Krebs kämpfende Mann aber nicht warten kann, appelliert er an den Menschen in der Polizistin. Auch Brandow verbindet etwas mit dem Fall. Sie fand die Leiche des Jungen. Die Ermittlungen sind für sie ein Stück weit Therapie. Doch die Frage bleibt: Was treibt diesen Staatsanwalt am Ende seines Lebens an? Will er nur seine Bilanz in Ordnung bringen?

      Haberlandt & George
      Foto: WDR / Erik Lee Steingroever

      Die Wiederkehr des Traumas? Am Leichen-Fundort 1992. George und Haberlandt

      Vielleicht will jener Dänert seinen letzten Tagen noch etwas Sinn geben. Das Leben mit seiner Frau, die etliche Jahre jünger ist als er und noch als Anwältin arbeitet, ist nicht von allzu großer Herzlichkeit geprägt. Sie leben in repräsentativer Bürgerlichkeit nebeneinander her. Seine Frau betrügt ihn mit dem gemeinsamen Freund. Ihre Gespräche werden auf ein Minimum reduziert. Der alte Mann flüchtet immer wieder aus seinem Fassaden-Dasein. Seine Streifzüge im Auto durchs nächtliche Berlin bringen ihn auf andere Gedanken. Dazu immer wieder eine beruhigende Zigarette im Mundwinkel. Die letzten Freiheiten eines "Gefangenen".

      „Wir nehmen keine moralische Bewertung und schon gar keine Verurteilung vor, wir teilen nicht in Gut und Böse, sondern stellen alle Protagonisten in ihrer Zerrissenheit dar.“ (Andreas Kleinert)

      Soundtrack: u.a. Bronski Beat ("Smalltown Boy")

      „Ich mag keine Filme, bei denen man nach zehn Minuten ahnt oder sogar weiß, wie er laufen wird“, betont Regisseur Andreas Kleinert. „Knackige Expositionen“, die schnell eine Filmgeschichte durchstarten lassen, interessieren ihn nicht. „Man muss als Zuschauer die Möglichkeit haben, sich einem Film zu nähern wie einem fremden Menschen. Bei einer ersten Begegnung erzählt der mir ja auch nicht sein ganzes Leben.“ Dieses Statement bringt die Ästhetik von „Nacht ohne Morgen“ auf den Punkt. Kleinert ERZÄHLT nach dem Drehbuch von Karl-Heinz Käfer ("Mein Vater") eine Geschichte – in Bildern, ausschnitthaft und atmosphärisch montiert, trotz der Finalität, die die Ermittlungstätigkeit mit sich bringt. Der Plot trägt Züge eines Kriminalfilms, der sich im Laufe der Handlung zunehmend zu einem psychologischen Drama auswächst. Dabei spielt die Lebenslüge die zweite Hauptrolle. In weiteren Nebenrollen: die Schuld, das Geständnis, die Beichte. Die fast unmerklichen Gesten, die Pausen, das nicht Gezeigte, das nicht Gesagte, all das machen dieses kleine Kammerspiel in herbstlicher Landschaft zu einem Fernsehfilm von großer cineastischer Qualität.

      Sukowa & George
      Foto: WDR / Erik Lee Steingroever

      Auslöschen der Vergangenheit. Dänert (George) & seine Ehefrau (Barbara Sukowa)

      Götz George ist mit den Jahren leiser geworden, besonders bei Kleinert, mit dem er "Mein Vater", "Als der Fremde kam" und zwei "Schimanskis" drehte, bekommt diese Zurückhaltung nicht ihrerseits wieder etwas von einer (unterspielten) Pose. In „Nacht ohne Morgen“ sehen wir einmal nicht in erster Linie Götz George spielen, sondern wir sehen einen Mann in stiller Verzweiflung, der in Demut seinem Lebensende entgegengeht, wir ahnen einen Zerrissenen hinter Jasper Dänert, diesem Mann, der – man kann es als Zuschauer vergessen – von Götz George gespielt wird. Andere Filme, insbesondere die neuen „Schimanskis“ arbeiten mit dem Mythos George, Andreas Kleinert dagegen arbeitet mit dem großartigen Schauspieler Götz George, den er in seinen von Düsternis geprägten Kosmos kongenial einzupassen weiß.

      George
      Foto: WDR / Erik Lee Steingroever

      Sein Leben, seine Liebe, seine Krankheit haben Dänert (Götz George) erschöpft.

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      Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr


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      „Nacht ohne Morgen“
      WDR / Fernsehfilm / Drama
      EA: 30.11.2011, 20.15 Uhr (ARD)
      Mit Götz George, Fritzi Haberlandt, Barbara Sukowa und Jeroen Willems
      Drehbuch: Karl-Heinz Käfer
      Regie: Andreas Kleinert
      Kamera: Johann Feindt
      Soundtrack: Bronski Beat
      Produktionsfirma: Colonia Media
      Quote: 5,82 Mio. Zuschauer (18,7% MA)


      Bewertung: 5,5 von 6



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