Von wegen, auf dem Land ist die Welt noch in Ordnung. Ein Feuerteufel verbreitet unter Apfelbrennern in der Oststeiermark Angst und Schrecken. Erst fällt ein Bauer auf seinem Feld einem Brandanschlag zum Opfer, später werden zwei Jäger von einer Drohne angegriffen. Einer stirbt, der andere wird schwer verletzt. Alle gehör(t)en einem Männer-Bund von zehn „Apfelbrennern“ an, die nach einem geheimen mittelalterlichen Rezept einen teuren Edelbrand herstellen. Die schlüpfen in Kutten wie beim Ku-Klux-Klan, sperren sich tagelang in einem Keller ein, um dort den Schnaps zu brennen, der das Dorf bekannt gemacht hat. Die Grazer Ermittler Sascha Bergmann (Hary Prinz) und Anni Sulmtaler (Anna Unterberger) stehen vor einem Rätsel. Hilfe von dem verschworenen Bund um seinen Wortführer Reinhard Posch (Harald Krassnitzer) ist kaum zu erwarten, man gibt sich verschlossen. Das liegt auch daran, dass es ein Jahr zuvor einen unglücklichen Todesfall unter ihnen gab, der immer noch Fragen aufwirft. Gibt es einen Mörder in den Reihen der „Apfelbrenner“? Oder will da jemand von außerhalb Rache üben?
Foto: ORF / Degeto / Stefan Robitsch
Fall Nr. 13 für Sascha Bergmann und Fall Nr. 9 für Anni Sulmthaler, ihr vorletzter. Denn Anna Unterberger steigt aus der Landkrimi-Reihe aus. In „Steirerwahn“ darf sie als Anni ihr frisch erworbenes kriminalpsychologisches Wissen anwenden und – erst spürbar, dann sichtbar – zarte Bande zu einem Experten dieses Fachs (gespielt von Stephan Luca) knüpften. Ja, ja, so ein Abschied will gut vorbereitet sein. Kollege Bergmann darf hingegen weiter den unverbesserlichen Macho geben, abgebrüht und leicht ironisch die Wahrheit herausdestillieren und sich an Männern abarbeiten, die so gar nicht seine Welt sind.
Die Steirer-Krimis bieten verlässliche Krimiunterhaltung, keine Ausreißer nach unten, aber auch keine nach oben in dieser recht konventionell erzählten Reihe, die auf den Romanen von Claudia Rossacher basiert, und die Maria und Wolfgang Murnberger TV-gerecht umsetzen. Regisseur Wolfgang Murnberger baut bei der Inszenierung auf reichlich Lokalkolorit, dazu dienen die spätsommerliche Landschaft der Oststeiermark, das stattliche Anwesen der Apfelbrenner und die wie geschnitzt wirkenden Figuren dieses Männerbundes. Das ist stimmig, das ist kurzweilig. Mit Harald Krassnitzer, selbst demnächst scheidender TV-Krimi-Kommissar im „Tatort“, hat man die ideale Besetzung für den starken Gegenspieler der beiden Ermittler gefunden. Dem macht es sichtlich Spaß, mal auf die dunkle Seite zu wechseln. Als despotisch auftretender, undurchsichtig agierender Brenner Reinhard Posch steht er für die verschlossene Welt der unguten Männerbünde und Traditionalisten, die sich in Kellern treffen, alte Rituale zelebrieren und – wie in diesem Fall – toxische Altlasten mit sich herumtragen. Zusammenhalt geht hier über alles, Schweigen nach außen ist Pflicht, wer nicht mitmacht, der …
Foto: ORF / Degeto / Stefan Robitsch
Doch so einfach macht es der Landkrimi seinen Zuschauern nicht, der Fall ist undurchsichtig und komplex, Murnberger gelingt es, zahlreiche Fährten zu legen, die für Spannung sorgen. Auch ein wenig Action gibt es, wenn Drohnen fliegen und Feuer speien. Und schließlich lernt man hier auch etwas, nämlich den nicht geringen Unterschied zwischen Methanol und Ethanol. „Steirerwahn“ ist solide Krimikost, durch die Macho-Figur Sascha Bergmann zwar ein wenig aus der Zeit gefallen, aber das wird durch seine selbstbewusste und schlagfertig-spitzzüngige Kollegin gesellschaftlich gut eingeordnet. Es wird interessant zu beobachten wie es ohne die Anni weiter geht. Zuvor folgt 2026 noch Unterbergers zehnte und letzte Episode, „Steirerstich“.

