Läuft in Filmen oder Serien ein Fernseher, schauen sich die Leute erstaunlich oft Tierdokumentationen an. Das hat bestimmt lizenzrechtliche Gründe, und vermutlich würde es auch zu sehr von der jeweiligen Handlung ablenken, wenn im Krimi ein Krimi läuft. Dabei wäre das gar nicht verkehrt, denn wenn sich hiesige Produktionen auf einen Nenner bringen ließen, dann auf diesen: Verbrechen zahlt sich nicht aus. Das gilt erst recht für Menschen, die endlich auch mal ein Stück vom Kuchen haben wollen und sich deshalb auf schiefe Bahnen begeben, denn die kennen im Film nur eine Richtung: abwärts. Es ist also von vornherein klar, dass die beiden Männer, die zu Beginn dieser achten „Dünentod“-Episode einen Behälter aus dem Meer fischen, am Ende mit leeren Händen da stehen werden, und das wäre noch die günstigste Variante; wenn’s ganz mies läuft, sind sie tot.
Die bisherigen Episoden aus der Reihe mit Hendrik Duryn als Kripo-Kommissar in Wilhelmshaven waren von unterschiedlicher Qualität: Perfekt inszenierte Hochspannungs-Thriller wechselten mit stinknormalen TV-Krimis. Auch „Die große Freiheit“ gehört aller handwerklichen Sorgfalt zum Trotz eher in die zweite Kategorie, zumal die Besetzung der Gastrollen allzu sehr den jeweiligen Figuren entspricht: Peter Kremer spielt den Chef eines Familienbetriebs, der sich nicht in die Karten schauen lässt, aber garantiert unsaubere Geschäfte betreibt. Auch die Sprösslinge des Reeders erstarren im Klischee: Der Sohn (Alessandro Schuster) kann’s dem alten Christiansen nicht recht machen, zumal er bei einem Verkehrsunfall den Tod der Mutter verschuldet hat, und stürzt die Familie Hamlet-gleich ins Unglück. Die Tochter, von Tjark Wolf (Duryn) bereits bei der ersten Begegnung als kühl und berechnend durchschaut, wird von Laura Balzer auf exakt diese Weise verkörpert.
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Catharina Junk hat zuletzt unter anderem gemeinsam mit Elke Schuch die Drehbücher für das sehenswerte Rostocker „Polizeiruf“-Krimidrama „Böse geboren“ (2025) und die fesselnde RTL-Serie „Die Quellen des Bösen“ (2023) geschrieben. Mehr Meriten hat sie im Kinderfernsehen, und das nicht nur wegen der Kirsten-Boie-Verfilmung „Ein Sommer in Sommerby“ (2025, ARD): Sie war an einigen Staffeln der Kinderkrimiserie „Die Pfefferkörner“ (NDR) beteiligt. Ihr „Dünentod“-Debüt ist natürlich schon allein wegen der beiden Morde von anderem Kaliber, aber abgesehen davon würde wohl auch das junge Quintett aus Hamburg diesen Fall lösen: Zwei Krabbenfischer haben sich mit Drogenschmugglern eingelassen und geglaubt, die merken’s nicht, wenn sie einen Teil der Ware abzweigen. Das geht natürlich nicht gut; prompt bleibt einer der beiden auf der Strecke. Den zweiten spielt Julius Nitschkoff, der immer gern für Rollen dieser Art genommen wird.
Erster Toter des Films ist jedoch ein Fährenkapitän. Seine Leiche ist kein schöner Anblick: Die Tatwaffe war eine aus nächster Nähe abgeschossene Leuchtsignalpistole. Das Schiff gehört zur Reederei Christiansen, aber dort hat man selbstredend keine Erklärung für den Mord und verweist auf die Spielschulden des Angestellten. Dass Tochter Sünje noch vor dem Auftauchen der Polizei ihr Profil in einem viel frequentierten digitalen Netzwerk gelöscht hat, macht Wolf umgehend hellhörig. Eine weitere Frau hat ebenfalls Aktien in dem Fall, wenn auch offenbar nur indirekt: Imbissbudenbesitzerin Rixa (Senita Huskic) ist die Freundin gleich beider Krabbenfischer. Ihre große Stunde schlägt allerdings erst zum Finale, das nicht nur inhaltlich der Höhepunkt des Films ist.
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Regie führte Andreas Herzog, dessen Filmografie einige herausragende Produktionen aufweist, allen voran die beiden Staffeln der ARD-Serie „Die Toten von Marnow“ (2021/24) sowie viele gute Beiträge zu diversen Krimireihen. Gemessen an den Erwartungen ist seine erste Arbeit für den „Tödlichen Dienst-Tag“ von RTL jedoch nur guter Durchschnitt. Das gilt auch für die Bildgestaltung, die bei der zweiten „Marnow“-Staffel (hier wie dort: Claire Jahn) exzellent war. Es gibt einige originelle Perspektiven, wenn sich die Kamera zum Beispiel unterm Tisch versteckt, und der Look der Außenaufnahmen erinnert an leicht vergilbte Ansichtskarten, aber ansonsten ist die Inszenierung eher unauffällig und spannungsarm. Immerhin entschädigt der Schlussakt in einem stillgelegten Schwimmbad für einige zwischenzeitliche Längen, und Isabel Thierauch als Nachfolgerin für Pia Barucki verspricht ausreichend Potenzial für die weiteren Filme.

