Harter Brocken – Erpressung

Aljoscha Stadelmann, Hennicke, Benkhofer, Preuss, Fischer, Hanno Olderdissen. Zwischen Sorge und Elend

22.12.2025 10:00 ARD-Mediathek Streaming-Premiere
25.12.2025 20:15 ARD TV-Premiere
26.12.2025 03:00 ARD
Foto: Degeto / Kai Schulz
Foto Tilmann P. Gangloff

Ein pfiffiger Held, skrupellose Schurken, schwarzer Humor und dazu noch diverse Western-Anspielungen: Auch der neunte Krimi aus der ARD-Reihe „Harter Brocken“ mit Aljoscha Stadelmann als unterschätzter Provinzpolizist ist ein großes Vergnügen. Diesmal legen sich brave Bürger mit einem Duo an, das weit mehr als nur eine Nummer zu groß für sie ist; und Frank Koops muss es wieder mal ausbaden. Holger Karsten Schmidt, der Schöpfer der Reihe, hat seinen Autorennamen zwar zurückgezogen, aber „Erpressung“ (Degeto / Odeon) wird die Fans des Dorfsheriffs nicht enttäuschen.

Wenn sich brave Bürger mit hartgesottenen Ganoven anlegen, ist in der Regel klar, wie die Sache ausgeht; und Frank Koops muss es wieder mal ausbaden. Aber auch der notorisch unterschätzte Provinzpolizist hat keine Ahnung, was ihm bevorsteht, als ihn ein Notruf ereilt: Auf dem Gleis der Harzbahn liegt eine tote Kollegin. Kaum hat er in ihrem Telefon die Nummer eines LKA-Beamten entdeckt, steht der Mann auch schon neben ihm. Fortan entspinnt sich ein Zweikampf mit scheinbar ungleichen Waffen, denn Oliver Mienle geht über Leichen, um sein Geheimnis zu wahren. Am Ende wird die Bevölkerungszahl von St. Andreasberg etwas geschrumpft sein, weil Habgier zumindest im Film in der Regel bestraft wird.

„Erpressung“ erfreut erneut durch all’ jene Zutaten, die „Harter Brocken“ seit dem Start vor zehn Jahren zu einem besonderen Kleinod innerhalb der ARD-Krimireihen gemacht haben: schwarzer Humor, richtig böse Schurken sowie ein von Aljoscha Stadelmann mit großer Gelassenheit verkörperter Antiheld, der eigentlich bloß seine Ruhe haben will, aber stets cleverer ist, als die Gegenseite glaubt; und vor allem hartnäckiger. Zwischendurch sorgt sein bester Freund, der Postbote Heiner (Jakob Benkhofer hat die Rolle von Moritz Führmann übernommen), für unfreiwillige Heiterkeiten. Sollte Koops doch mal so richtig in der Klemme stecken, ist auf die junge Kollegin Mette (Anna Fischer) aus dem Nachbarort Verlass. Heiners Verlobte trägt auch diesmal entscheidend dazu bei, dass die Sache am Ende zwar mit einigen Blessuren, aber im Großen und Ganzen gut ausgeht.

Harter Brocken – ErpressungFoto: Degeto / Kai Schulz
Die Reihen lichten sich. Horst Witt (Uwe Preuss) rammt Franziska Langer (Kathleen Gallego Zapata) eine Spritze in den Hals.

Für den Film gilt das ohnehin, deshalb ist es einigermaßen überraschend, dass sich Reihenschöpfer Holger Karsten Schmidt, der die ersten fünf Drehbücher verfasst hat, diesmal hinter seinem Pseudonym Klaus Burck verbirgt (Koautor: Michael Knoll). Dabei verrät schon der Auftakt seine unverkennbare Handschrift: „Hans-Peter, mach’ keinen Quatsch“, ruft Hans-Peters Frau, als ihr Mann auf der Leiter steht und mit dem Besenstiel die Satellitenschüssel ausrichten will; ihr Schrei geht in das Pfeifen einer Dampflok über. Die Brockenbahn mit ihren uralten Waggons ist der heimliche Star des Films. Der Vorspann wird von typischen Western-Klängen untermalt, der Reihentitel erscheint Buchstabe für Buchstabe im Takt zur Musik; im Grunde hat der Film bereits jetzt gewonnen.

Hans-Peters Absturz ist jedoch weit mehr als bloß ein grimmiger Auftakt. Der Rentner hat schon vorher Quatsch gemacht, und deshalb muss nun auch die Gattin dran glauben: Mienle (André M. Hennicke), der Schurke mit Dienstausweis, sucht einen Mikrofilm mit Fotos, die ihn in eine hochnotpeinliche Lage bringen könnten. Worum es dabei geht, lässt das Drehbuch zunächst offen, aber die nächste Leiche folgt sogleich: Horst Witt (Uwe Preuss), pensionierter Beamter und früher Mitarbeiter des Stasi-Archivs, wird in seinem Haus überfallen. Die Einbrecherin (Kathleen Gallego Zapata) hat eine äußerst bedrohlich wirkende Spritze dabei, kommt aber nach einigem Hin und Her selbst in den Genuss ihrer tödlichen Medizin. Sie schafft es noch, den fliehenden Witt zu verfolgen und in die Schulter zu schießen, dann bricht sie tot auf dem Gleis zusammen, „kurz vor Elend, auf dem Weg nach Sorge“ (die Stationen heißen wirklich so), wie Lokführerin Armadi (Nagmeh Alaei) Koops mitteilt; und schon steckt er mittendrin in diesem Fall, der noch weitere Opfer fordern wird.

Harter Brocken – ErpressungFoto: Degeto / Kai Schulz
Etwas anderes Erpresser-Duo: Bettina „Betty“ Sterzinger (Winnie Böwe) und Alexander Sterzinger (Tom Keune) fordern Geld.

Neben der Handlung, in deren Verlauf sich Mienles für den Landtag kandidierende Vorgesetzte (Irene Rindje) als ähnlich skrupellos erweist, erfreut der neunte Film der Reihe nicht zuletzt durch die Liebe zum Detail; das gilt neben den musikalisch zum Teil sorgfältig integrierten Zug-Songs auch für eine der Gegend nachempfundene Modelleisenbahn. Regisseur Hanno Olderdissen hat sich zuletzt mit der feinen Tragikomödie „Ganzer halber Bruder“ (2025) und den sehenswerten „Lassie“-Abenteuern (2020/23) in ganz anderen Genres getummelt, aber mit der formidablen SWR-Serie „Höllgrund“ (2022) gezeigt, dass ihm auch der Provinzkrimi liegt. Warum Schmidt seinen Namen als Autor dennoch zurückgezogen hat, erschließt sich daher nicht, aber natürlich weiß außer ihm niemand, welcher Film ihm vorschwebte. Vermutlich hat die Maßnahme mit seinem Missmut über eine unerwünschte Reduktion von Komplexität und schwarzem Humor zu tun, doch den „Brocken“-Fans wird „Erpressung“ trotzdem viel Vergnügen bereiten. Unglücklich ist allerdings die Terminierung am ersten Weihnachtsfeiertag, das hat vor einigen Jahren schon mal nicht funktioniert: „Der Bankraub“ (2017) hatte die schlechteste Quote der bisherigen acht Filme.

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Reihe

ARD Degeto

Mit Aljoscha Stadelmann, André M. Hennicke, Jakob Benkhofer, Uwe Preuss, Anna Fischer, Irene Rindje, Winnie Böwe, Tom Keune, Nagmeh Alaei, Kathleen Gallego Zapata, Regine Hentschel

Kamera: Mathias Neumann

Szenenbild: Frank Jauß

Kostüm: Anke Wahnbaeck

Schnitt: Renata Salazar Ivancan

Musik: Tobias Wagner, Josef Bach, Arne Schumann

Soundtrack: Johann Strauss („Schwanensee“), Elvis Presley („Mystery Train“), Boston („More Tha A Feeling“), Bob Marley („Stop The Train“)

Redaktion: Diane Wurzschmitt, Christoph Pellander

Produktionsfirma: Odeon Fiction

Produktion: Lynn Schmitz

Drehbuch: Klaus Burck, Michael Knoll

Regie: Hanno Olderdissen

EA: 22.12.2025 10:00 Uhr | ARD-Mediathek

weitere EA: 25.12.2025 20:15 Uhr | ARD

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