Wenn’s im Krimi um einen Immobilienkonzern geht, steht außer Frage, wo die wahren Verbrecher sitzen. Timo Berndt beschreibt in „Mörderische Gier“ eine besonders perfide Methode: Die Berlin Heim AG bietet langjährigen Mieterinnen und Mietern an, ihre Wohnungen in Eigentum umzuwandeln. Wird dann in einem Gebäude beispielsweise Hausschwamm entdeckt, werden die Kosten für die aufwändige Sanierung selbstverständlich auf sämtliche Parteien umgelegt; das können sich nicht alle leisten. Für solche Fälle hat sich der Konzern verpflichtet, die Wohnungen zurückzukaufen. Was auf den ersten Blick wie ein Nullsummenspiel wirkt, ist kaltblütiges Kalkül, denn für die Berlin Heim ist der Gewinn beträchtlich.
Im Grunde ist das Stoff für eine investigative Reportage. Andererseits sind sich kriminalistische Ermittlungen und journalistische Recherchen zumindest in einem Punkt ähnlich: Beide Arbeitsweisen bestehen vor allem aus Befragungen. Im TV-Krimi wird nicht zuletzt aus Gründen des Budgets ohnehin viel geredet, aber Episode Nummer 103 aus der 1994 gestarteten ZDF-Reihe „Ein starkes Team“ besteht praktisch nur aus Gesprächen. Schauplätze sind im Wesentlichen das Revier, der Tatort, die Wohnung des Opfers sowie das Büro des Konzernchefs. Immerhin sind die Rollen vielschichtiger, als sie zunächst scheinen. Das gilt vor allem für die wichtigste Zeugin: Sophia Schultheiss (Lina Wendel) hat den Mörder offenbar auf frischer Tat ertappt. Hausmeister Tarik Aslan (Paul Wollin) beteuert zwar seine Unschuld, hat aber ziemlich schlechte Karten. Das erschlagene Opfer, Amina Weber, war zumindest aus seiner Sicht weit mehr als bloß eine Angestellte.
Foto: ZDF / Hardy Spitz
Für den Ein-Mann-Betrieb arbeitete Amina erst seit sechs Wochen, vorher war sie Assistentin der Geschäftsführung in der Berlin Heim und außerdem die Freundin des Chefs. Niklas Kaiser (Torben Liebrecht) zählt somit selbstverständlich ebenfalls zum Kreis der Verdächtigen: Dass Amina ihn verlassen hat, ließ sich womöglich nicht mit seinem Narzissmus vereinbaren. Außerdem wackelt Kaisers Thron: Das Unternehmen ist wegen der gestiegenen Baukosten in eine finanzielle Schieflage geraten. Interessanteste Figur ist jedoch Frau Schultheiss: Amina (Xenia Assenza) war das Gesicht jener Kampagne, mit der die Firma für die Kaufangebote geworben hat, und hat auch die Gespräche geführt; unter anderem mit dem Ehepaar Schultheiss. Die Witwe hätte zudem ein weiteres ganz erhebliches Motiv, um Vergeltung zu üben.
Ungewöhnlich ist immerhin die Idee, die Tat zu Beginn aus dem Off vorwegzunehmen, weil bereits die Befragung von Frau Schultheiss zu hören ist, während die Ereignisse noch ihren Lauf nehmen. Ansonsten lebt der Film vor allem von seinem Facettenreichtum, der allerdings nicht gleichbedeutend mit Handlungsreichtum ist, da die Ereignisse samt und sonders bloß erzählt werden. Die vielen Dialogszenen entsprechen zudem auch gestalterisch dem ganz normalen TV-Krimi-Alltag. Da waren frühere Regiearbeiten von Sven Fehrensen deutlich fesselnder, aber schon sein „Team“-Debüt „Abgeschleppt“ (2026) profitierte neben der Geschichte vor allem vom ausnahmslos gut geführten Ensemble.
Foto: ZDF / Hardy Spitz

