Wenn Politik ins (Fernseh-)Spiel kommt, flüchtet man sich hierzulande gern ins Ausgedachte. Die Angst der Öffentlich-Rechtlichen, bei den Aufsichtsgremien anzuecken, ist groß. Und sehr gering bei den Autoren die Motivation, einem Drehbuch eine ausführliche Recherche angedeihen zu lassen. Der Fernsehfilm „Die Nachrichten“ ist eine Ausnahme. Der Film über einen Nachrichtensprecher, der sich unerwartet mit einem Stasi-Vorwurf konfrontiert sieht, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alexander Osang. Als Ostdeutscher, der beim „Spiegel“ Karriere machte, weiß er, worüber er schreibt. Und weil es kein anderer machen wollte, musste er auch das Drehbuch schreiben. „Ich wollte die Geschichte klarer erzählen, wollte keinen klassischen Helden malen, sondern eher ein Gesellschaftsbild zeichnen.“
Ganz anders noch als unlängst beim Serien-Megaflop „Das Kanzleramt“ werden Ross und Reiter genannt. Die erfolgsversessene Journalistin, die den Stasi-Stein ins Rollen bringt, ist vom „Spiegel“. Die Sendung, in der die Hauptfigur des Films von Matti Geschonneck sympathisch, glatt und unauffällig die Nachrichten verliest, ist unverkennbar fast 1:1 der „Tagesschau“ nachempfunden. Und das, obwohl der Film eine ZDF-Produktion ist.
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Jan Josef Liefers spielt Jan Landers, jenen Mann ohne Eigenschaften, der so naiv ist zu glauben, als Ossi von der Öffentlichkeit unbemerkt in der Bundesrepublik Mitte der 90er Jahre Karriere machen zu können. Nicht zufällig sind es zwei Ostkollegen, die ihm an die Wäsche und die sich einen Aufmacher an Land ziehen wollen. Liefers, aufgewachsen im Osten, ist die Idealbesetzung: smart, flexibel und immer ein wenig jenseits von Gut und Böse, so spielt er Landers. „Wie ein Chamäleon hat er sich seiner Umgebung angepasst – unauffällig bis zur Unkenntlichkeit“, so Redakteurin Caroline von Senden. Liefers las bereits die Hörbuchfassung des Romans. Neben der Selbstfindung seines Helden, der gezwungen wird, sich zu erinnern, und der erkennt, dass nichts damit gewonnen ist, das Heute vom Gestern abzuschneiden, geht es um die Mechanik der Medien und die Eitelkeit ihrer Macher.
Keine Geschichte ohne Geschichte, das sind Stoffe, die dem Regisseur Matti Geschonneck liegen. Auch er im Osten geboren, aber bereits 1978 in den Westen gekommen, erwärmte sich sofort für Osangs Roman: „Dieses deutsche Ensemble, diese ganzen Figuren, alle schwer beschädigt, schrullig und nachvollziehbar. Alle keine Klischees. Ich kenne die, ich verstehe sie.“ Dagmar Manzel, Uwe Kockisch und Henry Hübchen konnte er für die tragenden Rollen gewinnen. Und auch für die kleinsten Rollen bekam Geschonneck Schauspieler wie Christine Schorn, Marie Gruber, Udo Samel oder Hermann Beyer. Sogar Herbert Feuerstein hat köstliche Auftritte als Stasiaktenverwalter. Viele Figuren, viele Tonlagen, viele Geschichten und doch sehr viel weniger als in Osangs Roman. Also genau richtig für einen 90-minütigen Film, der stets die Spannung hält zwischen Individual-Drama und Gesellschaftspanorama.
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