Doppelmord – Der Usedom-Krimi

Katrin Sass, Steffi Kühnert, Rikke Lylloff, Till Firit, Natalie Zoghbi, Joana Vogdt. Tod eines Toten

19.10.2026 20:15 ARD-Mediathek Streaming-Premiere
22.10.2026 20:15 ARD TV-Premiere
23.10.2026 00:15 ARD
Foto: NDR / Degeto Film / Oliver Feist
Foto Tilmann P. Gangloff

Die „Usedom-Krimis“ mit Katrin Sass sind grundsätzlich mindestens sehenswert, aber „Doppelmord“ (NDR, Degeto / Polyphon Film) ist mehr als rundum gelungen. Die Bildgestaltung ist vorzüglich, die Musik von Colin Towns ist ohnehin immer preiswürdig, doch das Beste sind Darbietungen der beiden Hauptdarstellerinnen, denen Autorin Natalie Zoghbi bei ihrem „Usedom“-Debüt allerdings auch tolles Spielmaterial beschert: Die ehemalige Staatsanwältin hat sich einst im Gefängnis mit einer Mitgefangenen (Steffi Kühnert) angefreundet, die wie sie als Gattenmörderin verurteilt worden ist, aber immer ihre Unschuld beteuert hat. Als ihr Mann kurz nach ihrer Haftentlassung tatsächlich getötet wird, gilt sie prompt erneut als Hauptverdächtige.

Ist ein Urteil nicht anfechtbar, darf es zu keinem weiteren Prozess kommen: ein beliebter Krimistoff; auch in diesem Film fällt der lateinische Rechtsgrundsatz „Ne bis in idem”, nicht zweimal in derselben Sache. Natalie Zoghbi hat sich für ihr erstes „Usedom“-Drehbuch allerdings eine reizvolle Variante ausgedacht: Kann eine Person für ein und dasselbe Verbrechen zweimal angeklagt und bestraft werden? Was nach Stoff für ein juristisches Seminar klingt, entpuppt sich als Krimi, der selbst innerhalb der stets sehenswerten Reihe eine besondere Stellung einnimmt, und das liegt neben der vorzüglichen Kamera- und Lichtarbeit (Jana Marsik) sowie der ohnehin stets preiswürdigen Musik von Colin Towns zuvorderst an den beiden Hauptdarstellerinnen.

Soundtrack: Heart („Barracuda“), Jefferson Airplane („Somebody To Love“), Izzie Yardley („On The Tide“, Abspannlied)

Doppelmord – Der Usedom-Krimi
Knast-Freundinnen: Anja Wieszewskis (Steffi Kühnert) erster Weg in Freiheit führt nach Usedom – zu Karin Lossow (Katrin Sass).

Zwischenzeitlich spielte der Auftakt der Reihe, „Mörderhus“ (2014), fast keine Rolle mehr: Damals ist die ehemalige Staatsanwältin Karin Lossow (Katrin Sass) nach einem längeren Gefängnisaufenthalt in ihr Haus auf Usedom zurückgekehrt; sie hatte im Affekt ihren untreuen Mann erschossen. Nun kehrt ihre Vergangenheit zurück, allerdings nicht wie sonst als Dämon, sondern freudig begrüßt: In der Haft hat sie sich mit einer Frau angefreundet, die gleichfalls als Gattenmörderin verurteilt worden war. Anja Wiesznewski (Steffi Kühnert) hatte allerdings stets ihre Unschuld beteuert; sie ist damals allein aufgrund von Indizien verurteilt worden, eine Leiche gab es nicht. Nach 15 Jahren Haft ist sie wieder frei. Im Gefängnis galten die beiden Frauen als „Schwarze Witwen“. Jetzt feiern sie ihr Wiedersehen, doch die Freude währt nur kurz: Nach dem Fund einer männlichen Leiche stellt sich zur Verblüffung aller Beteiligten heraus, dass das Opfer zum zweiten Mal ermordet worden ist; und natürlich ist völlig klar, wer als Hauptverdächtige gilt.

Rund um diese zwar interessante, aber auch überschaubare Gemengelage hat Zoghbi, die abgesehen von einer „Traumschiff“-Episode bislang fast ausschließlich Drehbücher für Serien geschrieben hat, eine zunehmend komplexe Handlung gestrickt, zumal lange offen bleibt, welche Rolle die verschiedenen Nebenfiguren spielen. Das gilt allen voran neben einem offenbar hoch verschuldeten Paar, das demnächst Eltern wird (Roxana Safarabadi, Nico Ehrenteit), sowie der neuen Lebensgefährtin (Sandrine Mittelstädt) des Mordopfers vor allem für Rada Krol (Annett Sawallisch). Einst war sie die beste Freundin von Lossows Tochter Julia, nun führt sie die von ihrer Großmutter gegründete Kneipe „Abendrot“. Ihre Verwicklung in den Fall ist nur eine von vielen überraschenden Wendungen dieser Geschichte, in deren letztem Akt Glücksspielsucht zum beherrschenden Thema wird.

Doppelmord – Der Usedom-KrimiFoto: NDR / Degeto Film / Oliver Feist
Erneut Opfer falscher Verdächtigungen? Norgaard (Rikky Lylloff), Lossow (Katrin Sass) und Anja Wieszewski (Steffi Kühnert).

Joana Vogdt hat aus dem Drehbuch einen Krimi gemacht, der in ausnahmslos jeder Hinsicht überzeugt. Auch für sie ist „Doppelmord“ die „Usedom“-Premiere, allerdings hat sie zuvor nach ihrem sehenswerten tragikomischen Regiedebüt mit dem ARD-Freitagsfilm „Ostsee für Sturköppe“ (2024, gleichfalls mit Kamerafrau Jana Marsik) zuletzt bereits die gute „Nord bei Nordwest“-Episode „Pechmarie“ (2026) gedreht; die Donnerstagsreihe entsteht ebenso wie die „Usedom-Krimis“ im Auftrag von NDR und der ARD-Tochter Degeto. Jenseits des hohen handwerklichen Niveaus sind es dennoch die darstellerischen Darbietungen, die den Film aus dem TV-Alltag herausragen lassen, und das gilt keineswegs nur für Sass und Kühnert, die hier zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera standen.

Natürlich hat auch die Gegensätzlichkeit der beiden Figuren – die eine eher introvertiert, die andere nicht zuletzt wegen ihres Nachholbedarfs fast euphorisch – ihren Reiz, aber inhaltlich ist ein anderer Punkt spannender: Lossow hat der Knastkumpanin die beteuerte Unschuld nie geglaubt. Diesen Fehler will sie nicht noch mal machen, was automatisch zu einem Loyalitätskonflikt führt: Ellen Norgaard (Rikke Lylloff) ist ebenfalls eine enge Freundin, doch die Kommissarin hat keinen Zweifel daran, dass Anja in der Überzeugung, die Strafe bereits verbüßt zu haben, ihren Mann ermordet hat. Die Qualität des Drehbuchs zeigt sich aber auch in den kleinen Szenen, die sich Zoghbi für die weiteren Ensemble-Mitglieder ausgedacht hat. Till Firit zum Beispiel darf beim ausgelassenen Spiel mit Ellens Sohn eine neue Seite seiner Rolle zeigen und beweist in einer witzigen Slapstick-Szene viel Körpergefühl. Rainer Sellien und Jana Julia Roth machen als uniformiertes Duo gleichfalls das Beste aus ihren vermeintlich kleinen Rollen.

Doppelmord – Der Usedom-KrimiFoto: NDR / Degeto / Oliver Feist
Selbst auf Usedom lebt man als Polizistin gefährlich: Rainer Witt (Till Firit) findet die bewusstlose Ellen Norgaard (Rikke Lylloff).

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Reihe

ARD Degeto, NDR

Mit Katrin Sass, Steffi Kühnert, Rikke Lylloff, Till Firit, Rainer Sellien, Jana Julia Roth, Roxana Safarabadi, Nico Ehrenteit, Sandrine Mittelstädt, Annett Sawallisch, Steffen Münster

Kamera: Jana Marsik

Szenenbild: Florian Kaposi

Kostüm: Christine Abeln

Schnitt: Thomas Stange

Musik: Colin Towns

Redaktion: Donald Kraemer (NDR), Katja Kirchen (ARD Degeto)

Produktionsfirma: Polyphon Film

Produktion: Beatrice Kramm, Christoph Bicker

Drehbuch: Natalie Zoghbi

Regie: Joana Vogdt

EA: 19.10.2026 20:15 Uhr | ARD-Mediathek

weitere EA: 22.10.02.2026 20:15 Uhr | ARD

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