Ein Haus in der Pampa wird zum Projekt eines Sommers, zum Hoffnungsträger für die Beziehung eines großstadtflüchtigen Paars. Leicht, ironisch und beiläufig ist die Erzählhaltung dieses wunderbar gespielten, kleinen Beziehungsfilms. Die Haltungen der thirtysomethings anno 2008 bleiben im Vagen, im Spielerischen. Sehr frei nach Goethes „Wahlverwandtschaften“. Wunderbar gespielt, luftig gefilmt im Stil der Berliner Schule.
Foto: NDR / Arte / Mirjam WählenEin ungleiches Paar. Der Unstete und die Ordnungsliebende. Bäumer und Peschel
Thomas und Hannah, Mitte Ende 30, haben ein Haus gekauft, irgendwo in Brandenburg. Es gibt viel zu renovieren, zu werkeln, einzurichten. Das Haus wird zum Projekt eines Sommers, zum Hoffnungsträger für die Beziehung der Großstadtflüchtigen. Kein Handy-Empfang, dafür scheint die Liebe der beiden zu wachsen. Das Fundament ihrer Partnerschaft zeigt erste Risse, als Thomas Bruder Fritz und Hannahs Patentochter Augustine zu Besuch kommen. Das verführerische Girlie bringt bald die unreife Seite des unsteten Hausherrn zum Vorschein und die ordnungsliebende Hannah, die die Zweisamkeit besonders genoss, findet langsam Gefallen an dem schweigsam vergrübelten Fritz, der gerade Familie und Job verloren hat. An Hannahs Geburtstag steht plötzlich ihr exaltierter Vater mit Russen-Blondine und Sportwagen auf der Matte und wettert gegen die romantischen Liebe, ein Mythos, eine Erfindung der Medien – und das Bäumchen-wechsel-dich-Spiel nimmt seinen Lauf.
Foto: NDR / Arte / Mirjam WählenNoch sind sie ein Herz und eine Seele. Oder? André Hennicke, Peschel & Bäumer
Das Haus wird nicht gebaut. Der Baum wird nicht gepflanzt, sondern gefällt, und von Kindern ist noch keine Rede. „Mitte Ende August“ ist eine filmische Skizze über das Erwachsenwerden heutiger thirtysomethings. Da bleibt entsprechend alles im Vagen, im Spielerischen, im Ungefähren. Auch Seitensprünge haben keine Konsequenzen. Entsprechend leicht, ironisch und beiläufig ist auch die Erzählhaltung dieses wunderbar gespielten, kleinen Beziehungsfilms. Aus dem einfallsreichen Chaoten wird ein sprunghafter Kindskopf, aus der planvollen Liebenden eine stille Dulderin. Von Goethes „Wahlverwandtschaften“ hat sich Sebastian Schipper („Absolute Giganten“) zu seinem sommerlichen Reigen inspirieren lassen. Ausschnitthaft fügt er Situationen und Stimmungen eines verlängerten Wochenendes aneinander. Eine Landpartie im Stil der Berliner Schule. Die Vier arbeiten, feiern, kochen, sie essen, trinken billigen Wein und fallen in rauschhafte Ekstase. Mit Gesprächen haben sie es nicht. Nur der von Milan Peschel gespielte Thomas führt große Reden mit kleinem Inhalt, wenn er nicht gerade Luftgitarre spielt oder sich der Besinnungslosigkeit entgegen säuft. Zu Beginn fällt zwar die Partnertanne – dennoch gibt es mit dem doppelten „Hallo“ am Ende die Aussicht auf einen Neubeginn des Paares. (Text-Stand: 12.1.2012)
Foto: NDR / Arte / Mirjam WählenAn ihrem 36. Geburtstag kommt es dann zum Eklat. Marie Bäumer spielt Hannah.
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