1991, ein Ossi incognito bei der Treuhand. Mal sehen, was sich in der Höhle des Löwen so rausholen lässt! "Stankowskis Millionen" ist im Stile einer klassischen Betrüger- und Rollenspiel-Komödie geschrieben, die auf „Alleinunterhalter“ Stumph zugeschnitten ist. Das ist Humor der alten Schule – Typen-Komödie mit Charakter und im Rahmen des Genres handwerklich grundsolide gemacht. Das Tempo stimmt, das Personal ist griffig, das Ensemble hochkarätig und gut gemischt und die Story bedient alle „Klischees“ anno 1991, die diese Ost-West-Komödie benötigt, um dramaturgisch gut über die Runden zu kommen.
Foto: ZDF / Oliver FeistOssi Stankowski hat noch jeden PC zum Laufen gebracht. Wolfgang Stumph, Tramitz
Berlin, 1991. Ein Missverständnis beschert Werner Stankowski einen lukrativen Job bei der Treuhand. Kein Job fürs Leben. Aber immerhin. Der arbeitslose Intranet-Experte, der einst Computerprogramme für die sozialistische Raumfahrt entwickelte, ist nicht wählerisch. Sein einst sorgenfreies Leben zwischen Plattenbau und Datsche, inmitten von Familie und Freunden, droht ihm, völlig abhanden zu kommen. Die Ossis lecken ihre Wunden, derweil die Treuhand den Osten abwickelt – Missbrauch von Fördermitteln inklusive. Also denkt sich Stankowski: mal sehen, was sich in der Höhle des Löwen so machen lässt! Vielleicht kann er ja den Abzockern West einen Denkzettel verpassen und seiner Ossi- „Community“ unter die Arme greifen! Vor allem seiner Tochter möchte er ein böses Erwachen in Gesamtdeutschland ersparen. Doch erzählen von seinem neuen Job kann er keinem. So befindet er sich bald in einer Doppel- oder Dreifachrolle inmitten eines anstrengenden Versteck- & Verstellungsspiels.
Soundtrack:
Fehlfarben („Ein Jahr – Es geht voran“), Scorpions („Wind of change“), City („Am Fenster“), Rio Reiser („Alles Lüge“, „König von Deutschland“), Puhdys („Alt wie ein Baum“), Westernhagen („Sexy“), Smokie („Lay back in the arms of someone“), Geier Sturzflug („Bruttosozialprodukt“), Ennio Morricone („Once upon a time in the west“), Udo Lindenberg („Sonderzug nach Pankow“), Ina Deter („Neue Männer braucht das Land“), Herbert Grönemeyer („Männer“)
„Die Treuhand war für mich eine Art Blackbox mit einem unangenehmen Inhalt“, betont Autor Thomas Brussig. Faktisch war diese Anstalt des öffentlichen Rechts eine unglaubliche Geldvernichtungsmaschine. In den viereinhalb Jahren ihres Bestehens verwandelte sie ein Anfangsvermögen von 564 Milliarden in einen Schuldenberg von 250 Milliarden Mark. Brussig („Helden wie wir“) hat mit „Stankowskis Millionen“ eine David-gegen-Goliath-Komödie aus jenen Anfangsjahren der wiedervereinten Republik geschrieben, die quasi im komödiantischen Vorbeigehen noch einmal daran erinnert, was die Abwicklung des Ostens Anfang der 90er menschlich für Opfer gekostet hat. Stumph: „Sowohl die, die das Geld und die Macht hatten, als auch die Schlitzohren, die es auch in der DDR-Wirtschaft gab, haben die zügellosen Verhältnisse ausgenutzt und versuchten, ihr Schäflein ins Trockene zu bringen.“
Wolfgang Stumph über seinen ostdeutschen Humor:
"Die Weise, in der ich mich mit meinem Humorverständnis in die Film- und Fernsehlandschaft einbringe, ist von anderer Prägung als der 'Humormarkt' in den alten Bundesländern vor 1989... Die Art und Weise, wie man politische Anspielungen in der DDR gemacht hat, war zwangsläufig subtiler, gewissermaßen von hinten in die Brust... Der westdeutsche Rezensent und Zuschauer, der ja aus einer anderen Humortradition kommt, findet vielleicht manches zu betulich. Die Andeutungen sind ihm nicht direkt genug."
Die ZDF-Komödie ist im Stile einer klassischen Betrüger- und Rollenspiel-Komödie geschrieben, die auf „Alleinunterhalter“ Stumph zugeschnitten ist. Das ist Komik der alten Schule – haarscharf am Klamauk vorbei. Das ist Typen-Komödie mit Charakter und im Rahmen des Genres handwerklich grundsolide gemacht. Das Tempo stimmt, das Personal ist griffig, das Ensemble hochkarätig und gut gemischt und die Story bedient alle „Klischees“ und Vorurteile anno 1991, die diese Ost-West-Komödie benötigt, um dramaturgisch gut über die Runden zu kommen. Das mag nicht jedermanns Sache sein. Problemlos könnte der Comedy-Fan 2011 diese Komödie auch als Grundübung im ästhetischen Fremdschämen benutzen. Jeder Jeck ist anders und beim Witz scheiden sich bekanntlich die Geister.
Foto: ZDF / Oliver FeistSpielfreudiges Ensemble. Kleinert, Bormann, Kling, Syniawa, Lau und Stumph (v.l.)
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