Amore mio – Niemand ist wie Du

Kramer, Schiller, Irslinger, Hardi Sturm, Sophie Averkamp. Der schönste Sommer ihres Lebens

30.10.2026 20:15 ARD TV-Premiere
30.10.2026 20:15 ARD-Mediathek Streaming-Premiere
Foto: ARD Degteo / Stephan Rabold
Foto Tilmann P. Gangloff

„Amore mio – Niemand ist wie Du“ ist ein gut gespieltes „Was wäre, wenn…?“-Drama mit Ann-Kathrin Kramer als Witwe, deren Mann auf dem Sterbebett um Verzeihung bittet: Vor 25 Jahren hat er Edda in Palermo einen Antrag gemacht. Sie hat abgelehnt und sich stattdessen in den Sizilianer Matteo verliebt. Zurück in Deutschland hat sie dann doch Jaeckie geheiratet. Matteo hat ihr noch jahrelang geschrieben, aber der Gatte hat die Post abgefangen und in einem Schließfach aufbewahrt. Gemeinsam mit Tochter Poppy fährt Edda nun nach Italien, liest dabei die Briefe und erinnert sich an den schönsten Sommer ihres Lebens. Der Film wechselt regelmäßig die Zeitebenen und schwelgt in Urlaubsbildern. Sehenswert ist „Amore mio“ (ARD Degeto / Amalia Film) neben der bewegenden Handlung vor allem wegen Hannah Schiller als sarkastische Tochter.

Ein weiser Mann hat einmal gesagt: „Das Leben ist ein mehr oder minder langer mäandernder Weg. Hinter jeder Kurve liegt ein Stein, den man aufheben und in die Schlucht werfen muss.“ Manchmal sind die Steine jedoch zu groß oder man fühlt sich zu schwach, kehrt lieber um und lebt fortan mit einer nagenden Frage: „Was wäre, wenn…?“ Das ARD-Freitagsdrama mit dem etwas abschreckenden Frauenbuchtitel „Amore mio – Niemand ist wie Du“ beginnt mit einem ausgelassenen Tanz am sizilianischen Strand, begleitet von Gianni Nanninis Gassenhauer „Bello e impossibile“. Fortan wird der Film regelmäßig die Zeitebenen wechseln: hier die eher triste Gegenwart, dort die verklärte Vergangenheit. Das Lied steht für die Urlaubsstimmung, wirft aber auch einen Schatten auf die sich anbahnende Romanze: Die deutsche Übersetzung lautet sinngemäß „schön und unerreichbar“. Die Strandszene weicht abrupt einer Beerdigung. Am Grab ihres Mannes spricht Edda (Ann-Kathrin Kramer) von dem letzten Tag, den man unweigerlich irgendwann mit jedem Menschen erlebe. „Das ist das schwerste: Jemanden gehen zu lassen, wenn man ihn noch liebt.“

Amore mio – Niemand ist wie DuFoto: ARD Degeto / Valentina Glorioso
Eine Sommernacht auf Sizilien: Edda (Sinje Irslinger) und Matteo (Paolo Francesco Möller), der so anders ist als ihr Zukünftiger.

Dann folgt jedoch eine Rückblende, die diesen Satz in einem anderen Licht erscheinen lässt: Auf dem Sterbebett hat der Gatte ein Video aufgenommen. Darin bittet er um Verzeihung für eine Tat, die nicht zu entschuldigen sei: „Ich habe dir dein Leben gestohlen“. Die Erklärung für diese rätselhafte Botschaft entdeckt Edda in einem Postschließfach. Tochter Poppy (Hannah Schiller) glaubt zwar, Papa sei der normalste Typ der Welt gewesen, „der hat bestimmt kein Geheimnis mit ins Grab genommen“, aber sie irrt sich: Das Schließfach enthält einen Stapel ungeöffneter Briefe, die Jaeckie (Steffen Groth) jahrelang abgefangen hat; und nun erzählt Hardi Sturm, dessen Freitagsfilme im „Ersten“ grundsätzlich immer mindestens sehenswert sind, die Geschichte eines Sommers voller Liebe.

Die Abstecher in die Vergangenheit, die sich fortan regelmäßig mit der Gegenwartshandlung abwechseln, folgen keinem chronologischen, sondern einem dramaturgischen Ablauf: Als die junge Edda (Sinje Irslinger), am Boden zerstört, irgendwo in Palermo vor einem Brunnen sitzt, erfährt sie Trost von einem Fremden mit Gitarre. Kurzerhand stimmt der junge Mann „Via con me“ von Paolo Conte an, und auch dieser Klassiker ist mit Bedacht gewählt: In dem Lied geht es um eine ungewisse Liebe. Kurz drauf hüpft der Film zurück. Eine kurze Szene genügt, um die Unterschiede zwischen Edda und dem etwas langweiligen Jaeckie (Lucas Englander) zu verdeutlichen. Als sie eine Kirche besichtigen und sie ihn küsst, weist er sie zurück: „Die Leute gucken.“ Am Abend macht er ihr einen formvollendeten Antrag mit allem Drum und Dran, doch nun ist er es, der zurückgewiesen wird. Es kommt zum handfesten Krach, sie verlässt das Hotel, trifft auf Matteo (Paolo Francesco Möller), verliebt sich Hals über Kopf in den Musiker und Lebenskünstler, zieht zu ihm auf den Hof seiner lebensklugen Großmutter Violetta (Susanna Capurso) und erlebt den glücklichsten Sommer ihres Lebens.

Amore mio – Niemand ist wie DuFoto: ARD Degeto / Stefan Rabold
Ein unvergesslicher Sommer. Unbeschwert, glücklich, verliebt: Edda (Sinje Irslinger) und ihr Matteo (Paolo Francesco Möller)

Soundtrack: Gianni Nannini („Bello e impossibile“), Laura Pausini („Tra te il Mare“), Vincenzo Bellini („Norma“, Ouvertüre), Nada („Amore disperato“), Susanna Capurso („Dicitencello vuie“)

Sturm und Regisseurin Sophie Averkamp, deren bisherige Arbeiten, darunter zuletzt die originelle Geisterjäger-Serie „Rembetis“ (2025, ZDF), gleichfalls ausnahmslos sehenswert waren, betten die Rückblenden in ein Roadmovie: Edda verlässt die Trauerfeierlichkeiten und bricht nach Italien auf. Während die Tochter fährt, liest die Witwe die Briefe, die Matteo ihr geschrieben hat. Poppy stellt stellvertretend fürs Publikum die Fragen, die die Geschichte aufwirft, darunter die entscheidende: Warum ist Edda damals nicht auf Sizilien geblieben? Hannah Schillers Rolle ist jedoch weit mehr als die einer Stichwortgeberin: Poppys sarkastische Kommentare sorgen dafür, dass „Amore mio“ auch heitere Moment hat. Außerdem steht sie für ein typisches Thema zwischen Kinder und Eltern: Natürlich wissen Söhne und Töchter, dass Väter und Mütter nicht alt auf die Welt gekommen sind; trotzdem können sie sich nur schwer vorstellen, dass auch die Eltern mal jung waren. Schiller, trotz ihrer schon jetzt sehr umfangreichen Filmografie immer noch erst Mitte zwanzig, trägt ihre Dialoge mit einer Natürlichkeit vor, die sich hoffentlich nicht abschleifen wird, wenn sie erst mal zehn weitere Jahre vor der Kamera stand. Sympathischerweise dürfen sich die Italiener untereinander in ihrer Muttersprache unterhalten, die obligate Song-Auswahl besteht ebenfalls aus einheimischem Liedgut, und die Sorgfalt unter anderem bei den Kleidungsdetails ist ein weiterer Beleg dafür, dass die Beteiligten keinen Freitagsfilm von der Stange machen wollten.

Amore mio – Niemand ist wie DuFoto: ARD Degeto / Stefan Rabold
Erinnern schafft Nähe. Edda (Ann-Kathrin Kramer) und ihre Tochter Poppy (Hannah Schiller) tauchen in die Vergangenheit ein.

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Fernsehfilm

ARD Degeto

Mit Ann-Kathrin Kramer, Hannah Schiller, Sinje Irslinger, Paolo Francesco Möller, Lucas Englander, Susanna Capurso, Steffen Groth, Mathias Herrmann

Kamera: Sabine Panossian

Szenenbild: Sebastian Wurm

Kostüm: Petra Fassbender

Schnitt: Ramin Sabeti

Musik: Lutz Moeller

Soundtrack: Gianni Nannini („Bello e impossibile“), Laura Pausini („Tra te il Mare“), Vincenzo Bellini („Norma“, Ouvertüre), Nada („Amore disperato“), Susanna Capurso („Dicitencello vuie“)

Redaktion: Birgit Titze, Stefan Kruppa, Eva Abonyi

Produktionsfirma: Amalia Film

Produktion: Jean-Young Kwak

Drehbuch: Hardi Sturm

Regie: Sophie Averkamp

EA: 30.10.2026 20:15 Uhr | ARD

weitere EA: 30.10.2026 20:15 Uhr | ARD-Mediathek

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