Tatort – Borowski und der freie Fall
    • Reihe „Tatort – Borowski und der freie Fall“

      Auf einen Blick: die Top-Fernsehfilm-Premieren im Juni 2013 U5 Filmproduktion präsentiert: "Rindvieh à la Carte" (ARD, 28.6.) WEISSENSEE - Staffel 2 Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen Werden Sie FAN & FREUND von tittelbach.tv - Infos per Klick
      Foto: RB / Jörg Landsberg

      Auf einen Blick: die Top-Fernsehfilm-Premieren im Juni 2013

      Foto: Degeto / SWR / Krieg

      U5 Filmproduktion präsentiert: "Rindvieh à la Carte" (ARD, 28.6.)

      Foto: Zieglerfilm

      WEISSENSEE - Staffel 2

      Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD

      Foto anklicken, bei amazon kaufen & tittelbach.tv unterstützen

      Werden Sie FAN & FREUND von tittelbach.tv - Infos per Klick

      NDR, 09.04.2013, 22:00 Uhr - Wiederholung

      Milberg, Kekilli, Heinze, Eoin Moore, Barschel und die Klischees eines Polit-Krimis

      Rainer Tittelbach
      Der „Tatort – Borowski und der freie Fall“ ist – was das Genre angeht – eine Ausnahme im Fernsehkrimi, der Film allerdings alles andere als ein Ausnahme-„Tatort“. Der Versuch, relativ gesicherte Tatsachen aus der Barschel-Affäre auf erfundene Personen zu projizieren, ist gut gelungen, der Ermittlerduo dagegen agiert zwischen wadenbeißerisch stereotyp (Borowski) bis peinlich (Brandt). Eoin Moore arbeitet mit Genre-Klischees & dramaturgischen Billig-Tricks. Dennoch: Selbst ein schwacher „Borowski“ ist guter „Tatort“-Durchschnitt.

      Milberg & Kekilli
      Foto: NDR / Marion von der Mehden

      Geben in diesem Fall nicht immer eine gute Figur ab... Axel Milberg & Sibel Kekilli

      Dirk Sauerland, Autor, Manager, Segler und Alkoholiker, wird auf seiner Yacht tot aufgefunden. Offenbar war er an einer ganz „heißen“ Enthüllungsgeschichte dran. In den 80er Jahren war der investigative Journalist eine Institution. Auch im Fall Barschel recherchierte Sauerland vor 25 Jahren, ja er war sogar am Todestag des ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten in Genf. War er vielleicht sogar auch im Hotel, in dessen Badewanne der Ehrenwortgeber tot aufgefunden wurde? Sarah Brandt würde am liebsten den Fall Barschel gleich mit aufklären. Borowski glaubt nicht an die Verschwörungstheorien, er hält sich lieber an die Fakten und die besagen: dass der ermordete Sauerland seit vier Jahren ein Verhältnis mit einem gerade zum Minister vereidigten Landespolitiker hatte.

      Der „Tatort – Borowski und der freie Fall“ bildet die Ausnahme von einer Regel: Fernseh-Krimis, die reale Ereignisse und Personen des öffentlichen Lebens oder der Zeitgeschichte in ihre Fälle integrieren, sind selten, werden von deutschen Redaktionen bewusst gemieden. Das liegt unter anderem am Persönlichkeitsschutz, den jeder hierzulande genießt. „Es dürfen keine Behauptungen gemacht werden, die nicht belegt werden können, etwa indem man eine Person ohne Beweise mit einem Verbrechen in Verbindung bringt“, betont die NDR-Redakteurin Sabine Holtgreve. Das stärkste Argument gegen reale Fälle in fiktivem Gewand sei, so der Filmemacher Eoin Moore, „dass man einen  fiktionalen Krimi nicht als Ausrede nehmen darf, um Behauptungen über reale Dinge oder Personen aufzustellen, die nicht erwiesen sind.“ Für den Zuschauer ist der Übergang vom Fakt zur Fiktion nie ganz eindeutig.

      Heinze
      Foto: NDR / Marion von der Mehden

      Thomas Heinzes Minister vermittelt etwas davon, was es heißt, eine öffentliche Person zu sein. Er gibt keine Ehrenworte, sondern rasch zu, dass er schwul ist!

      Dieser „Tatort“ aus Kiel bildet eine Ausnahme, ohne allerdings ein Ausnahme-Film zu sein. Der Versuch, relativ gesicherte Tatsachen aus der Barschel-Affäre auf andere erfundene Personen zu projizieren, ist gut gelungen, nicht zuletzt, weil Thomas Heinze seinen in die Enge getriebenen Politiker überzeugend verkörpert. Schön zu sehen, was übrig bleibt, wenn sich die Macht plötzlich von einem Machtmenschen verabschiedet. Auch die Ausflüge in den Politjournalismus und die TV-Branche hat man schon stereotyper gesehen. Dass dagegen Borowski überdeutlich den Wadenbeißer geben muss, der dem sich eher zurückhaltend gebenden Politiker früh die Zähne zeigt, ist dem Genre Politkrimi geschuldet, dem Wesen der Kunstfigur Borowski entspricht das nicht. An solchen Situationen kann der Zuschauer vielleicht seine Vorurteile und seinen Frust über „die da oben“ abladen, den Film macht es nicht besser. Mehr noch nervt in „Borowski und der freie Fall“ die Verbissenheit von Sarah Brandt, die einfach nur ausgedacht wirkt und für die Sibel Kekilli auch keine überzeugende Darstellungsweise findet. Das Problem hat man häufig in Filmen, wenn die Psycho-Logik der Figuren nicht mit der ausgestellten (sozialen) Haltung mithalten kann. Die überzogene Bi-Polarität zwischen Borowski und Brandt, was ihre Einstellung im Fall Barschel angeht, ist auch ein dramaturgischer Billig-Trick den man von diesem Paar so nicht kennt. 

      Einem Politmythos hinterher zu recherchieren ist per se noch nicht besonders aufregend. Was das ungleiche Ermittlerduo in Genf herausbekommt, ist zwar für den Gang der Handlung nicht unwichtig, es legt sich dort aber nicht mehr als ein bedeutungsvolles Raunen über die Bilder. Dass Musik und Sounddesign mächtig bemüht werden müssen, spricht auch nicht für starke Krimi-Momente. Richtig spannend wird es erst im letzten Drittel, wenn man sich des zwischenzeitlich vergessenen lebenden Ministers wieder erinnert. Sehr überzeugend auch Marie-Lou Sellem als (doch nicht ganz so) coole Polit-Talkshow-Moderatorin, die den Herrn Minister in ihrer Sendung auseinandernimmt. Die Krimi-Auflösung steht und fällt mit einer wichtigen Information, die ziemlich zu Beginn gegeben wird. Wäre Borowski dieser Information nachgegangen, hätte es wohl die Reise nach Genf nie gegeben. Dann wäre dieser „Tatort“ nach 30 Minuten vielleicht zu Ende gewesen. Diesen, seinen Ermittlungsfehler hätte Borowski am Ende wenigstens erkennen müssen… Fazit: Selbst der schwächste Borowski-„Tatort“ seit zwei Jahren ist noch guter „Tatort“-Durchschnitt. (Text-Stand: 28.9.2012)

      Sellem
      Foto: NDR / Marion von der Mehden

      Auch die Polittalk-Moderatorin (überzeugend: Marie-Lou Sellem), die Ex-Frau des Ermordeten, steht im Rampenlicht und kann sich nicht einmal ungesehen besaufen. 

      Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr


      Sie können den fernsehfilm-beobachter unterstützen: Werden Sie Fan & Freund oder spenden Sie oder kaufen Sie bei amazon, indem Sie von hier, vom amazon-Button oder von jedem beliebigen DVD-Cover dorthin gelangen.


      „Tatort – Borowski und der freie Fall“
      NDR / Reihe / Krimi
      EA: 14.10.2012, 20.15 Uhr (ARD)
      Mit Axel Milberg, Sibel Kekilli, Thomas Heinze, Marie-Lou Sellem, Thomas Kügel, Jan Peter Heyne und als Gast Tom Buhrow
      Drehbuch: Eoin Moore – nach einer Idee von Fred Breinersdorfer
      Regie: Eoin Moore
      Kamera: Jana Marsik
      Montage: Antje Zynga
      Szenenbild: Annette Lofy
      Produktionsfirma: Nordfilm Kiel
      Quote: 8,23 Mio. Zuschauer (22,1% MA)


      Bewertung: 4,0 von 6



      Folgende Artikel könnten Sie interessieren

      • Wenn Doktor med. gegen den Türpfosten prallt: Axel Milberg (Interview)
      • Tatort – Borowski und die Frau am Fenster (Reihe)
      • Tatort – Borowski und der coole Hund (Reihe)
      • Tatort – Borowski und der stille Gast (Reihe)


      Drucken Senden Kommentieren


      Tittelbach.tv empfiehlt: Filme und Serien auf DVD

      DVD : Beste Zeit DVD : Tatort – Flashback DVD : Nachtschicht – Amok DVD : Das Wunder von Berlin

       

    • Startseite
    • > Programm <
      • Fernsehfilm
      • > Reihe <
      • Mehrteiler
      • Serie
      • Kino-Koproduktion
      • Interview
      • Porträt
      • Kurztipps
    • Exklusiv
      • Interview
      • Porträt
      • News
      • Analyse
      • Drehbericht
    • Bonusmaterial
      • Toplisten
      • Was andere schreiben
      • Web-Tipps
      • Soundtrack
      • DVD-Tipps
      • Dancing DJ Roger
    • Intern
      • Tittelbachs Welt
      • Fans & Freunde
      • Glossar
      • Mediadaten
      • Datenschutz
      • Kontakt
      • Gästebuch
      • Impressum
    • Spenden

      ... weil Qualität ihren Preis hat!

    • Ausblick: Top Drama

      • Schäfer
        Foto: BR
      • in der nächsten Woche:

        1. "Jasmin" (20.6.)

        2. "Die Vermissten" (25.6.)

    • Ausblick: Top light

      • Schneeberger
        Foto: ORF / MDR
      • in den nächsten zwei Wochen:

        1. "So wie du bist" (19.6.)
        Foto: Gisela Schneeberger

        2. "Eine ganz heiße Nummer" (3.7.)

        3. "Rindvieh à la Carte" (28.6.)

    • Ausblick: die Krimis

      • Neuhauer
        Foto: ORF
      • in den nächsten zwei Wochen:

        1. "Vier Frauen und ein Todesfall" (ab 14.6.). Foto: Neuhauser

        2. "Tod an der Ostsee" (28.6.). Eher eine Enttäuschung!

        3. "Tatort – Letzte Tage" (23.6.). Nicht richtig top!

    • Die Top-Filme 2013

      • Alicia von Rittberg
        Foto: ZDF / Maack
      •  

        • "Operation Zucker" (ARD/BR)
        • "Mobbing" (ARD/BR)
        • "Mord in Eberswalde" (ARD/WDR)
        • "Und alle haben geschwiegen" (ZDF)
          Foto: Alicia von Rittberg
        • "Unsere Mütter, unsere Väter" (ZDF)
        • "Verratene Freunde" (ARD/SWR)
        • "Bloch – Im Labyrinth" (ARD/WDR/SWR)
        • "Verbrechen – nach Ferdinand von Schirach" (ZDF)
        • "Tödliche Versuchung" (ZDF)
        • "Die Auslöschung" (ARD/SWR)
    • Bert-Donnepp-Preis

      • jetzt erst mal feiern!
      • Der renommierte Preis für Medienpublizistik, 1991 vom Verein der Freunde des Grimme-Preises gestiftet, wurde am 5.2. an tittelbach.tv in Marl verliehen.

        • Preis-Begründung
        • Laudatio von Vera Linß
        • Replik von Rainer Tittelbach
    • Kino-Klassiker

      • "The Big Easy"
      • Zwei Jahre sind genug! Ich bin es leid, mit meiner Arbeit die einfallslose Spielfilmpolitik von ARD & ZDF aufzuwerten. Da wird ein Repertore totgespult. Kaum Entdeckungen, kaum Raritäten, kaum vergessene Klassiker. "The Big Easy – Der große Leichtsinn" (BR, 16.6., 22.15 Uhr) mit Dennis Quaid

    • Die Top-Filme 2012

      • Pastewka
        Foto: ZDF
      •  

        • "Das unsichtbare Mädchen" (ZDF/Arte)
        • "Der letzte schöne Tag" (ARD/WDR)
        • "Tatort – Die Ballade von Cenk und Valerie" (ARD/NDR)
        • "Das Ende einer Nacht" (ZDF)
        • "Lösegeld" (ARD/WDR)
        • "Polizeiruf 110 – Schuld" (ARD/BR)
        • "Riskante Patienten" (ARD/WDR)
        • "Der Turm" (ARD/MDR)
        • "Auslandseinsatz" (ARD/WDR)
        • "Mutter muss weg" (ZDF)
          Foto: Bastian Pastewka
        • "Polizeiruf 110 – Fieber" (ARD/BR)
        • "Spuren des Bösen: Racheengel" (ZDF/Arte)
        • "Zappelphilipp" (ARD/BR)
    • tittelbach.tv-Dossier

      • tittelbach.tv-Dossier
      • Liebe Leser,

        tittelbach.tv zu unterstützen, lohnt sich aus mehreren Gründen. Es sichert den Fortbestand des fernsehfilm-beobachters und es bietet Ihnen jetzt auch einen Mehrwert. Als kleines Dankeschön erhalten Sie ein 27seitiges Dossier zu "60 Jahre deutsche Fernsehfiktion". mehr
                         Ihr Rainer Tittelbach

    • Kaufen bei

      Kaufen bei
      und tittelbach.tv unterstützen

    • tittelbach.tv flattrn

    • Kalender

    • Top Premieren

      Highlights bis zum 28.06.2013
      1. „So wie du bist“  (ARD, 19.06.)
      2. „Vier Frauen und ein Todesfall – Staffel 3“  (ARD, 28.06.)
      3. „Jasmin“  (ARD, 20.06.)
      4. „Rindvieh à la Carte“  (ARD, 28.06.)
      5. „Die Vermissten“  (ZDF, 25.06.)
    • Top Wiederholungen

      Highlights bis zum 18.06.2013
      1. „Entführt“  (2. Teil, 3sat, 19.06.)
      2. „Emmas Glück“  (SWR, 19.06.)
      3. „Berlin Calling“  (RBB, 19.06.)
      4. „Lollipop Monster“  (ZDF-Kultur, 19.06.)
      5. „Ein Teil von mir“  (ZDF-Kultur, 19.06.)
    • Fernsehfilme 6/2013

      • Julia Brendler
        Foto: SWR
      • ALLE TOP-TV-Filme des Monats auf einen Blick. Für Juni nicht schlecht! Top-Debütfilme, Top-  Kino-Koproduktionen & starke Wiederholungen. Foto: Brendler. Erinnerungshilfe per Newsletter? Außerdem Tagestipps mit den wichtigsten Links auf Facebook

    • Wiederholungen

      • Möhring & Koschitz
        Foto: WDR / Weber
      • die Top-Zwölf im Juni:

        1. Dominik Grafs "Im Angesicht des Verbrechens"

        2. "Der letzte schöne Tag" mit Wotan Wilke Möhring (Foto)

        3. "Der Turm", Zweiteiler nach Uwe Tellkamps Roman

        4. "Der Tanz mit dem Teufel" mit Koch, Moretti, Waltz

        5. "Die Auslöschung" mit Klaus M. Brandauer & Gedeck

        6. Haders "Der Knochenmann"

        7. Stillers "Sie hat es verdient" mit Liv Lisa Fries

        8. Geschonnecks "Entführt"

        9. "Spreewaldkrimi: Die Tränen der Fische" von Thomas Kirchner

        10. Jutta Hoffmann in "Polizeiruf: Bei Klingelzeichen Mord"

        11. Król, Kunzendorf, Kraume, Kornatz: "Tatort: Es ist böse"

        12. Brambach im Komödien-Hit "Barfuß bis zum Hals"

        weitere Top-Wiederholungen

    • Facebook

    • ttv: meist gelesen

      • Jonas Nay
        Foto: NDR
      • Die Kritik zum Medien-Drama "Homevideo" (NDR/Arte) ist mit großem Abstand der meist gelesene Text auf tittelbach.tv. Foto: Jonas Nay. Die weiteren Klick-Highlights (Stand: 23.5.):
         

        •  2. "Das unsichtbare Mädchen" (ZDF/Arte)
        •  3. "Willkommen im Krieg" (Pro Sieben)
        •  4. "Es war einer von uns" (ZDF/Arte)
        •  5.  "Die Holzbaronin" (ZDF)
        •  6. "Tödliche Versuchung" (ZDF) 
        •  7. "Der Duft von Holunder" (ARD)
        •  8. "Sie hat es verdient" (ARD)
        •  9. "Inklusion – gemeinsam anders" (ARD/BRalpha)
        • 10. "Nacht ohne Morgen" (ARD/WDR)
        • 11. "Die letzte Spur – Alexandra 17 Jahre" (Sat 1)
        • 12. "Ausgerechnet Sex" (Sat 1)
    • Folge uns über

      FacebookTwitterRss Feed
    • © 2013 Rainer Tittelbach