Foto: BR / Zeitsprung / Dusan Martincek Typisch deutsch – und doch ein globales, internationales Event: Auf der Suche nach großen Serien-Stoffen, die auch international reüssieren könnten, musste man irgendwann auf die Wiesn kommen. Im Mittelpunkt von „Oktoberfest 1900“ (BR, Degeto, MDR, WDR / Zeitsprung Pictures) steht Curt Prank, ein Visionär der freien Marktwirtschaft; ausgerechnet dieser „Zugereiste“ will mit einer „Bierburg“ für 6000 Gäste das beschauliche Volksfest revolutionieren. Die ambivalente Hauptfigur gibt auch filmisch den Ton an: Und so machen denn Produktion, Buch und Regie aus deutscher Kulturgeschichte einen wilden filmischen Ritt. Die Geschichten sind im Detail nicht themengesteuert, dafür finden die Diskurse der Zeit (Kapitalismus, Emanzipation, Gegenkultur, Kinematographie) in der sechsteiligen Serie ihren Niederschlag. Die Konflikte werden mit Shakespearscher Wucht ausgelebt, mal als große Oper, mal mehr im schmuddeligen Western-Look. Getragen wird „Oktoberfest 1900“ von eigensinnigen Charakteren & markanten Schauspielerköpfen, die filmisches bigger than life ebenso wie theatrales Drama beherrschen. Die sinnliche Kraft aber bekommt das zumeist düstere Ganze durch die Inszenierung. Extreme Kontraste und hohe Schwarzwerte, Licht-, Schatten- & Farbenspiele sowie eine sehr bewegliche Kamera fordern & beglücken zugleich das Auge des Zuschauers. Eine Serie, die auch Netflix & Co alle Ehre machen würde.


















