Foto: WDR / Frank Dicks Um auch einem jüngeren Publikum weiterhin Lust auf „Tatort“ zu machen, hat sich das ARD-Krimiflaggschiff in den letzten Jahren immer wieder aus der Komfortzone des sonntäglichen Krimirituals herausbegeben. Für den Jubiläumsfilm zum Fünfzigsten, „In der Familie“ (WDR, BR / X Filme Creative Pool), hat sich Autor Bernd Lange eine Geschichte ausgedacht, die diese Anforderungen eindrucksvoll erfüllt. Der Zweiteiler wirft die Genres in die Waagschale, die zuletzt neben den „Experimenten“ für die besondere „Tatort“-Qualität standen: Krimi-Drama, spannend veredelt durch Thriller-Elemente – und Milieu-Zeichnung. Lange begibt sich auf die Spuren, die die kalabrische Mafia in Deutschland hinterlässt. Ein Plus dieses TV-Events ist auch die filmästhetische Handschrift: Für den ersten Teil, einen packenden Polizeifilm, wurde Dominik Graf verpflichtet, für Teil 2, eine hochkonzentrierte Krimi-Tragödie, Pia Strietmann. Atemberaubende Momente besitzen beide Filme. Das Herzstück aber ist das im Drehbuch verankerte dramaturgische Prinzip: So wird in der Geschichte den Kommissaren, Tätern und Opfern gleiches Interesse entgegengebracht. Und der Zuschauer ist besser im Bilde als die Ermittler. Hier wird nicht rekonstruiert, hier ist der Zuschauer mitten im Geschehen. Und das sorgt für Emotionen. „In der Familie“ ist „Tatort“ des Jahres.

















