Foto: BR / Hagen Keller Der „Tatort – Unklare Lage“ (BR / X Filme Creative Pool) zeigt, wie nach einem Tötungs-Delikt, bei dem ein terroristischer Hintergrund nicht auszuschließen ist, der Polizeiapparat in Gang gesetzt wird und sich viele Stunden in höchster Alarmbereitschaft befindet. Denn nachdem der Täter vom SEK erschossen wurde, ist nicht auszuschließen, dass ein zweiter Mann eine Amoktat planen könnte. Der Film von Pia Strietmann nach dem Drehbuch von Holger Joos simuliert sehr realistisch einen solchen städtischen Ausnahmezustand. Weil möglicherweise Schlimmeres verhindert werden muss, bleibt für die Frage nach dem Warum der Tat keine Zeit. Für eine Analyse ist die Faktenlage ohnehin viel zu unsicher. In den ersten 45 Minuten drückt sich die allgemeine Verunsicherung in einem extrem hohen Erzähltempo aus. Die Exposition ist perfekt: ein Wunderwerk der Montage. In der zweiten Hälfte gibt es immer mal wieder entlastende Ruhemomente in Form von Befragungen, Vernehmungen, Gesprächen – das ist alles filmästhetisch sehr einfalls- & abwechslungsreich gestaltet. Dieser „Tatort“ hinterfragt Schaulust & Selbstinszenierung der Gesellschaft, ohne diese Phänomene selbst billig zu bedienen. Nach 90 Minuten ist man geschafft, aber nicht erschlagen.

















