(tit.) Durch die Olympischen Winterspiele und Karneval sind die Erstausstrahlungen im Februar nicht allzu zahlreich. Durchgehend sehr sehenswert sind einmal mehr die ARD-Sonntagskrimis. Der Saarland-„Tatort – Das Böse in Dir“ (ARD, 8.2.) hält die hohe Qualität seiner Vorgänger, und das Quartett (!) ergänzt sich immer besser. Ans Eingemachte, mit einem Finale furioso geht mal wieder der „Tatort“ aus Köln mit dem Titel „Schmerz“ (ARD, 22.2.). Der Abschied von Stefanie Reinsperger ist mindestens so bedauerlich wie der Abgang von Corinna Harfouch als Ermittlerin in Berlin: Ähnlich sperrig wie ihre spröde Figur ist auch der Schlussakt, „Gefahrengebiet“ (ARD, 1.2.), geraten: kein raffinierter Krimi, allerdings ein Krimidrama, das die Grenzen des populären Reihenformats auf faszinierende Weise auslotet und vor allem auch durch seine schauspielerischen Leistungen besticht. Das gilt ebenso für den „Polizeiruf 110“ aus Halle: „Der Wanderer zieht von dannen“ (ARD, 15.2.) mit Peter Kurth und Peter Schneider. Auch die beiden ermitteln zum letzten Mal. Es hieß es irgendwann, dieser Reihen-Ableger sei von vornherein als Trilogie geplant gewesen, was offenbar so nicht stimmt. Wie dem auch sei, Autor Clemens Meyer und Regisseur Thomas Stuber haben die Geschichten der drei Filme klug und konzentriert aufeinander abgestimmt. Langsamkeit im Krimi kann ja so sexy sein!
Foto: MDR / Felix AbrahamAuch im Februar ist der Trend zum Krimi bedenklich, und es kommt weiterhin zu jenem Widerspruch, mit dem ein sich um die Vielfalt des Programms sorgender Fernsehkritiker leben muss: Die meisten Produktionen machen das Beste draus, dass Zuschauer und Sender von Crime & Thrill nicht genug kriegen können. So ist beispielsweise „Der schwarze Schwan“ (ZDF, 2.2.) ein Highlight der mittlerweile neun Vernau-Krimis mit Jan-Josef Liefers. Eine Klasse für sich sind auch der „Thüringenkrimi“ (ZDF, 7.2.), der die Nachfolge von „Theresa Wolff“ antritt, mit Emily Cox & Golo Euler, ebenso Stralsund – Jetzt komm ich!“ mit Sophie Pfennigstorf, deren Kommissarin sich sogar ein Lächeln abringt, und mit Martin Brambach in einer starken Episodenhauptrolle. Eine sichere Bank für Fans gehobener Krimikost ist seit 20 Jahren und zum 25. Mal „Unter anderen Umständen“ mit Natalia Wörner. Der Jubiläumsfilm „Das Mädchen ohne Namen“ (ZDF, 23.2.) bildet da keine Ausnahme. Das Dutzend voll machen die „Steirerkrimis“. Auch in dieser Reihe zieht jemand „von dannen“: Anna Unterberger gibt in „Steirerwahn“ (ARD, 12.2.) ihren Ausstand. Ende des Monats startet eine weitere deutsch-österreichische Reihe in der ARD: „Der Salzburg-Krimi“, klingt fad, ist aber mit Fritz Karl als Hauptdarsteller (seine Figur Meuninger war bereits in einer Serie aktiv) und auch als Autor ein düster-atmosphärischer Premium-Krimi. Bleiben zwei Krimikomödien, bei denen ich mich wegen längerer Krankheit auf die Unterhaltungsfilm-Expertise von Tilmann P. Gangloff verlasse: Wer Bastian Pastewka mag, darf sich auf „Bastian und die mörderische Hochzeit“ (Prime Video, 6.2.) freuen und Fans von Oliver Mommsen auf den dritten „Mord oder Watt?“-Schmunzler. Und wer hätte das gedacht, eine Komödie ohne Mord gibt es im Karnevalsmonat sogar auch noch: Armin Rohde und Ludger Pistor sind zurück; ihren ehemaligen dauerarbeitslosen Freunden klebt auch als Rentnern das Pech an den Fingern. Aber sie träumen weiter: diesmal vom „Millionenschnitzel“ .
Dass mal wieder nur ein einziger ARD-Fernsehfilm auf dem Programm steht, ist hoffentlich allein der Olympiade geschuldet: „Damen“ (ARD, 18.2.), das leichtfüßigere Pendant zu dem preisgekrönten Fernsehfilm „Herren“ (ARD, 2019), ist ein multikultureller Herzenswärmer aus München, ein höchst willkommener optimistischer (Gegen-)Entwurf zum aktuellen (politischen) Zeitgeist, ein rundum wohltuender Film. Bleiben noch zwei Serien. Auch bei diesen hat Gangloff die Vorkoster-Rolle übernommen: Sowohl „Unfamiliar“ (Netflix, 5.2.) als auch „Banksters“ (HBO Max, 20.2.; Kritik folgt) dürften Serien sein, an die man sich auch noch am Ende des Jahres erinnern wird. Das komplexe Netflix-Thriller-Drama besitzt Action-Momente (Verfolgungsjagden, Schlägereien, Schießereien), überzeugt aber vor allem als intensives Beziehungs-Drama, das mit einer passenden Riege an Charakterköpfen wie Susanne Wolff, Felix Kramer, Samuel Finzi oder Henry Hübchen aufwartet. Und „Banksters“ ist eine temporeiche, clever konzipierte Serie über eine Gruppe junger Leute, die für eine Berliner Regionalbank arbeiten und dank ihres Insider-Wissens 2004 bei mehreren Raubüberfällen über eine Million Euro erbeuten. Bei den Fortsetzungen von zwei ARD-Serien, deren erste Staffeln nicht nur uns sehr überzeugt haben, „Tage, die es nicht gab“ (ARD, 4.2.) und „Oderbruch“ (ARD, 22.+27.2.), müssen wir, die wir Serien vollständig sichten, aus guten Gründen (Krankheit, Kosten) auf eine Kritik verzichten.
Foto: BR / kineo / Lars Nitsch
1 Antwort
nein, der polizeiruf war nicht von anfang an als trilogie angelegt, siehe auch peter schneiders einlassungen dazu. es soll auch am streit meyer/stuber gelegen haben (den es schon seit „die stillen trabanten“ gibt) , es ging wohl um die verantwortung für drehbuch und idee. stuber wollte immer mehr als regisseur sein, meyer gab an, die ideen und stories seien im prinzp komplett von ihm, es ging um geld und credits. dass stuber im jetzigen fall das erste mal mit einem credit „drehbuchbearbeitung“ abgespeist wurde, während meyer nun das erste mal einen alleinigen drehbuchcredit bekommt, spricht für sich. die rolle meyers als barmann, die im ersten fall angelegt wurde, gibt es ja auch nicht mehr.