(tit.) Die Sommerpause ist vorbei, und die Saison 2025/26 kommt gut aus den Startlöchern … Zuvor ein Appell in eigener Sache: Wenn es mit den „Spenden“ so weitergeht, kann es mit der Seite so nicht weitergehen. Dass ausgerechnet die, die am meisten von tittelbach.tv profitieren, u.a. die Autoren und Regisseure, denen ich sogar noch eine Datenbank geschenkt habe, im Gegensatz zu einigen Normal-Usern aktuell nichts zum Erhalt der Seite beitragen, schmerzt. Ja, „schmerzt“. tittelbach.tv ist ein Herzensprojekt! … Ein schöneres Thema sind die Premieren im September. Der „Tatort“ startet stark, mit „Ich sehe dich“ (ARD, 14.8.), einem Färberbock-Krimi-Drama aus Franken, mit einer launigen Zwischenlösung, bis Rosalie Thomass den Dienst antritt: der Kabarettist Sigi Zimmerschied als eigenwilliger Sidekick; aber auch Eli Wasserscheid bekommt mehr zu tun. Der „Polizeiruf 110“ (ARD, 21.9.) mit Claudia Michelsen feiert dieses Jahr Jubiläum (dazu gibt es das passende Ranking) und setzt die große Klasse der letzten Filme des Magdeburger Reihenablegers fort, mit einem packenden Geiselnehmer-Drama, das über die Psychologie hinaus auch eine gesellschaftspolitische Dimension besitzt. Mehr Thriller verspricht der ARD-Samstags-Justizkrimi „Im Namen der Wahrheit – Traue niemandem“ (27.9.) mit Petra Schmidt-Schaller. Und es gibt weitere Crime-Produktionen ohne Kommissare als Hauptfiguren: drei neue „Krimis aus Passau“ (ARD, 11., 18., 25.8.) und der zweite Alpen-Thriller mit Philipp Hochmair als „Der Geier“ (ZDF, 22.9.), ein fesselndes Duell mit Mark Waschke als Profikiller, der in den Zeugenschutz möchte.
Foto: ZDF / Jürgen OlczykWer’s augenzwinkernd statt spannend mag, für den könnte der dritte „Miss Merkel“-Film (RTL, 2.9.) etwas sein, „mit Abstand der bislang beste Film der Reihe“, findet Tilmann P. Gangloff. Zwischen Krimi und (Demenz-)Drama changiert „Tödliche Schatten“ (ARD, 13.9.) mit Walter Sittler, ein Film, der besonders auch durch seine Bildgestaltung fasziniert. Der erste Fernsehfilm der neuen Saison ist „An einem Tag im September“ (Arte, 12.9., ZDF, 15.9.); er erzählt von einem Besuch Konrad Adenauers bei Charles de Gaulle im Jahr 1958, der europäische Geschichte geschrieben hat. Das historische Kammerspiel mit Burghart Klaußner und Jean-Yves Berteloot ist von Kai Wessel (preisgekrönt) gut in Szene gesetzt. Sehenswerte Dramen aus dem leichteren Fach gibt es im September ebenfalls: So überzeugt einmal mehr die ARD-Psychologen-Reihe „Käthe und ich“ (19.+26.9.) mit der Art und Weise, wie Autorin, Ko-Regisseurin und Produzentin Brigitte Müller Empfindsamkeit in einem Unterhaltungsfilm ohne Kitsch erzählt: keine Reizüberflutung, dafür wahre Gefühle. Ähnliches gilt für das launige Roadmovie-Ehedrama „Petra geht baden“ (ZDF, 28.9.) mit Ulrike Kriener und Rolf Lassgård. Dass Oldies echte Goldies sein können, zeigt auch „Wir vier und der Enkeltrick“ (ARD, 17.9.), endlich mal wieder eine gelungene Komödie am Mittwoch im Ersten, dank Uli Brée („Vorstadtweiber“). Und auf demselben Sendeplatz gibt es noch ein Format, das sogar das Potenzial zu mehr als nur zu zwei Episoden besitzt: „David und Goliath“ (24.9.+1.10.) kommt nicht so rasant wie die Serie „Krank Berlin“ daher, aber für das ARD-Publikum ist es eine gute Alternative: Nicht von medizinischen Fällen, sondern vom Alltag in der Klinik, den Belastungen des Personals, erzählen die beiden mit Lou Strenger, Ulrike C. Tscharre und Carlo Ljubek stark besetzten 90-Minüter.
Das Beste zum Schluss: Der Film des Monats ist „Im Rausch“ (ZDF, 29.9.) mit Friederike Becht als eine Frau, die nicht nur eine engagierte Journalistin, sondern auch eine leidenschaftliche Trinkerin ist. Ein vermeintlich kleines, intimes Drama von Laila Stieler und Mark Schlichter, das auch filmisch großes Fernsehen ist. Bleiben noch die Serien. Auch die haben Klasse. Zunächst lädt Jan Georg Schütte zur hochkarätig besetzten Impro–„Hochzeit“ (ARD, 5.9.) ein. Dann versucht das 180-minütige „Oktoberfest 1905“, an die narrativ wie ästhetisch fulminante erste Staffel des History-Events anzuknüpfen. Mittlerweile kann bestätigt werden, dass „Call My Agent Berlin“ (Disney+, 12.9.), die deutsche Version der französischen Serie um eine Schauspieler-Agentur, ähnlich grandios ist wie das Original. Die Riege der Stars, die sich selbst spielen und deren Image auch hierzulande genauso stimmig durch den Kakao gezogen wird, ist mehr als ansehnlich (u.a. Berben, Lauterbach, Bleibtreu, Ferres, Vogel, Makatsch). Den Titel Serie des Monats teilt sich der aufwendige Zehnteiler mit „High Stakes“ (ab 14.9., ZDFneo), einem sehr viel kleineren Format. Eine Mittzwanzigerin träumt davon, die erste Frau mit Kopftuch im All zu sein. Was etwas ausgedacht klingt, entwickelt sich zu einer (Super-)Heldinnen-Reise an den Pokertisch: clever konstruiert, konzentriert erzählt, mit coolen Charakteren, ein bisschen sexy & spannender als jeder Krimi.
Foto: ZDF / Oliver Vaccaro