Monatsüberblick August

Die Premieren-freie Zeit geht im August zu Ende. Langsam füllt sich das t.tv-Schaufenster mit Erstausstrahlungen. Wer allerdings nach „Tatort“ oder „Polizeiruf“ sucht, der kann lange suchen. Erst am 13. September startet der ARD-Sonntagskrimi mit einem Furtwängler-„Tatort“ in die neue Saison. Die Mimis, die ohne Krimi nicht ins Bett gehen wollen, können sich zumindest vier Termine vormerken: Endlich wird der beim diesjährigen Deutschen FernsehKrimi-Preis gleich doppelt ausgezeichnete Landkrimi „Acht“ (ZDF, 5.8.) von Kinoregisseurin Marie Kreutzer ausgestrahlt, deren neuester Film „Gentle Monster“ (Kinostart: 17.9.) unlängst in Cannes lief. Der Film wurde im Mai wegen des Todes von Alexander Held verschoben. Dieser großartige Schauspieler glänzt zum vorletzten Mal in seiner Paraderolle als Kommissar Schaller. In „München Mord – Die Stadt, die es nicht gibt“ (ZDF, 22.8.), einer weißblauen 80er-Jahre-Reminiszenz, hat er eine seiner berühmt-berüchtigten Eingebungen, sieht Freddy Mercury vor sich, dessen Münchner Jahre mit dem Mordmotiv zu tun haben. Die zweite etwas andere Krimi-Reihe wird vom angestammten Januar-Sendeplatz vorgezogen: „Nord bei Nordwest“ (ARD, 27.8.+3.9., die Kritiken folgen zeitnah) mit zwei gewohnt sehr sehenswerten Krimikomödien-Beziehungsdreiecks-Leckerbissen voller köstlicher Genre-Referenzen.

Foto: ZDF / Stefanie Leo
Der August ist ein Monat mit vielen (guten) Komödien, vor allem Tragikomödien wie „Nix ist fix“. Das ZDF hat dabei die Nase vorn.

Ansonsten sind vor allem Komödien angesagt. In diesem Genre hat das ZDF die Nase vorn. Einige von ihnen sind bereits auf der Sender-Seite abrufbar. Bei „Merz gegen Merz“ (20.8.) geht es diesmal ans Eingemachte, die Demenz bekommt eine zunehmend tragische Note, und der Tod wird zum Thema. „Plötzlich Schwester“ (6.8.) ist eine überaus kurzweilige, pointenreiche und in perfektem Tempo umgesetzte Komödie, die Bewährtes völlig neu verpackt. Ein Höhepunkt des ARD-Kinosommers ist die Tragikomödie „Der Buchspazierer“ (17.8.) mit Christoph Maria Herbst – nach dem gleichnamigen Roman von Carsten Sebastian Henn. Ernsthaft mit Themen unserer Zeit setzt sich die Gesellschaftstragikomödie „Nix ist fix“ (ZDF, 10.8.) auseinander, ein top besetzter Diskurs-trächtiger Ensemblefilm mit u.a. Julia Koschitz, Brigitte Hobmeier und Maximilian Brückner. Und mit Tragikomödien geht es weiter: Da ist zum einen „Heute fängt mein neues Leben an“ (ARD, 7.8.) mit Julia Jäger als Kleptomanin und zum anderen „Fang mich doch!“ (ZDF, 31.8.) mit Jan Krauter als charmanter Betrüger. Bleiben die Serien. Mit zwei kleinen, aber umso feineren Produktionen überrascht das ZDF: „Das Manko“ (17.8., 0.10 Uhr) handelt von einigen Angestellten, die aussortiert werden sollen, aufgrund eines Missverständnisses aber in einer Fortbildung landen. Die vier Folgen sind aberwitzig, famos gespielt, schön schräg und stets überraschend.  Nicht weniger verblüffend ist „Sheep“ (24.8., 0.00 Uhr), eine Serienfabel, in der Schafe und Menschen die Rollen tauschen. Die Tiere sind echt, digital bearbeitet wurden nur ihre Mundbewegungen. Gesprochen werden sie u.a. von Verena Altenberger, Birgit Minichmayr und Michael Ostrowski. Bemerkenswert ist auch „München Beats“ (ZDF, 26.+27.8.) mit Moretti, Steinbacher, Morreis, von Kessel und Jule Hermann in der Hauptrolle. Es ist ein Serien-Hybrid, der eine junge Aufbruchsgeschichte mit einem klassischen Familiendrama verbindet. Auch sende(r)politisch ein spannender Spagat: Es geht u.a. um die Techno-Faszination in den Neunzigern; dennoch zeigt man die Serie zur Primetime im ZDF, schiebt sie nicht auf ZDFneo ab. Gespannt sein darf man auch Ende August auf die Serie „Selling Sex“ (ARD) und „Liebe braucht Meer“ (ARD; zu beiden Produktionen demnächst mehr). Einen Kino-Start im August hat Tilmann P. Gangloff besprochen: „Staatsschutz“ (27.8.) von Faraz Shariat.

Die ZDF-Serie „München Beats“ meistert den Spagat zwischen Jugendaufbruch & Familiendrama, zwischen Techno & Primetime.

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