Monatsüberblick Oktober

(tit.) Konnte man im September bei den TV-Premieren noch mehr Qualität als Quantität ausmachen, setzt sich der (erhoffte) Trend im Oktober nicht fort, kehrt sich allerdings auch nicht um. Will sagen: ARD und ZDF klotzen durchweg mit gutem Programm, selbst die Streamer haben wieder etwas in deutsche Produktionen investiert. Allein neun Serien warten auf ein vornehmlich jüngeres Publikum. Bis auf „Droneland“ (Magenta TV) – von der Serie mit Oliver Masucci gab es vorab nur zwei Folgen zu begutachten – haben wir jeden dieser Sechs- bis Achtteiler komplett gesehen oder werden es tun. Dadurch stößt tittelbach.tv zunehmend an seine Grenzen (der Spenden-Aufruf beim Starten der Kritiken ist kein t.tv-Ritual, sondern existenziell). Da ist es umso schöner, dass uns die meisten Filme und Serien überzeugt haben, ja, dass diese rund 70 Programmstunden bei uns nur in Ausnahmefällen das ungute Gefühl der Reue hinterlassen haben. Besonders bei den Serien jagt ein Highlight das nächste. Das ZDF kommt mit dem stringenten Mystery-Drama-Thriller „Die Düsteren“ (21.10.; im Stream ab 3.10.), der launigen Beamten-Impro-Mockumentary „Nine to Five – Das Amt“ (27.10.; im Stream ab 2.10.) und der bereits preisgekrönten Serie „Wake Up“ (ZDF, ab 28.10.; im Stream ab 23.10.), einem vielschichtigen Near-Future-Drama mit der im Mai verstorbenen Luna Jordan. Die ARD präsentiert zunächst den etwas überkomplexen Thriller-Drama-Mystery-Mix „House of Yang“ (9.10.) und probiert es Ende des Monats mit dem deutsch-österreichischen Polizeifilm-Provinzdrama „Das Vergessen – Spurlos im Moor“ (24.+25.10.; Kritik folgt) noch einmal, eine Serie erfolgreich in der Primetime zu platzieren. Immerhin ist Julia Koschitz gewohnt eindrucksvoll in der Hauptrolle zu sehen. Und bei den Streamern (die Kritiken folgen) gibt es das Psychothriller-Drama „Die Falle“ mit Friederike Becht (Netflix, 13.10.), „Friends Sex & Games“ (Prime Video, 16.10.) mit Paula Kalenberg und das romantisch-komödiantische Drama „Drive – The Pretenders“ (Prime Video, 28.10.) mit Lisa-Marie Koroll, die sehr überzeugend auch die Hauptrolle in „Die Düsteren“ spielt.

Foto: ZDF / Maximilian König /[ M]
Acht sehenswerte Serien im Oktober: „Die Düsteren“ (ZDF) mit Lisa-Marie Koroll und Max Riemelt ist ein Highlight, verzettelt sich nicht in Nebenhandlungen und ist keines dieser raunenden Mystery-Drama-Monster, die kein Ende finden können.

Julia Koschitz ist in diesem Monat ebenfalls noch ein weiteres Mal sehr markant zu sehen, in dem realistischen Familien-Freundschafts-Drama „Das verschwundene Kind“ (ZDF, 19.10.). An ihrer Seite Anna Schudt, auch sie zwei Mal in Aktion, in „Die Falle“ hat sie eine mittelgroße Rolle übernommen. Hangeln wir uns an prominenten Schauspieler*innen-Namen weiter durchs Programm: Karoline Schuch. Die gibt ihren noch etwas verhaltenen Einstand in Lars Kraumes „Tatort“-Zweiteiler „Unter Freunden / Unter Feinden“ (ARD, 11.+19.10.), während Mila Şahin und mit ihr Almila Bagriacik aus Borowskis bzw. Milbergs Schatten tritt. Schuch verkörpert außerdem sehr eindrucksvoll in dem Familien-Psychodrama „Elodie“ (ARD, 7.10.) von Nicole Weegmann die Hauptrolle. Und es gibt ein weiteres neues Gesicht im „Tatort“: Rosalie Thomass‘ Emmy Rathgeber ermittelt ausgesprochen locker, aber bestimmt in dem Rachekrimi(drama) „Gottesgarten“ (ARD, 26.10.) – und man darf sich freuen auf das künftige, nicht weniger lockere, freundschaftliche Pingpong mit Felix Voss alias Fabian Hinrichs. Es erwarten uns auch zwei neue Krimi-Reihen: Im Ersten macht Ausnahme-Schauspielerin Ursula Strauss mit „Tiroler Blut“ (8.+15.10.; ab 5.10. in der ARD-Mediathek) da weiter, wo sie einst bei „Schnell ermittelt“ aufgehört hat. Besonders erfrischend ist das Dreigenerationenhaus mit Bulle a.D., Top-Ermittlerin und dem Sohn als Nachwuchspolizist. Die Drehbücher schrieb der renommierte Christian Jeltsch, allein 18 „Tatorte“ gehen auf sein Konto. Und auch das ZDF verbindet Privates mit Kriminalität: Marie-Lou Sellem und Johannes Hegemann, der im Frühjahr als Dragqueen Olivia Jones begeisterte, stehen sich nach einem One-Night-Stand ungeahnt als Kollegen gegenüber. Diese Ausgangsidee ist auf Strecke unterhaltsamer, als man zunächst annehmen darf. Wirkt ein bisschen wie das umgekehrte Flierl/Neuhauser-Beziehungsmodell in „München Mord“. Heißt denn auch „Frankfurt Mord“ (10.10.). Offenbar als Einzelstück geplant, ist das Psychothriller-Drama „Frau ohne Namen“ (ARD, 14.10.), in dem Marleen Lohse kräftig mit ihrer „Nord bei Nordwest“-Rolle brechen darf: Sie spielt eine Koryphäe auf dem Gebiet der Mikroexpressions-Psychologie, die im Gesicht einer Frau zu erkennen glaubt, dass deren Tat, eine Tötung, keine Notwehr war.

Im leichten Fach geht es mit „Dr. Nice“ (ab 11.10.; bereits im ZDF-Stream) gleich mit einer Top-Episode in die neue Staffel. Die umfasst diesmal sechs Episoden. Dieser Trend zur TV-Monokultur lässt sich zwar durchaus kritisch sehen – bei dieser launigen, etwas anderen Weißkittel-Serie (der Doc mag es eher bunt) aber drück’ ich gern ein Auge zu. Eine leichte Tragikomödie, die einen Kurzeinsatz im Kino hatte, ist „Sommer auf Asphalt“ (Arte, 1.10.; ARD, 21.10.) mit Male Emde und Christoph Maria Herbst, ein Film, der – vor allem dramaturgisch – einfach besser ins Fernsehen passt. Noch erwartbarer und etwas gediegener geht es in den neuen Episoden von „Kanzlei Liebling Kreuzberg“ (ARD, 16.+23.10.) juristisch zur Sache. Zum Monatsausklang gibt es dann noch die dramatische Liebesgeschichte „Amore mio – Niemand ist wie Du“ (ARD, 30.10.; Kritik folgt) mit Hannah Schiller & Ann-Kathrin Kramer. Zum Schluss noch mal zurück zum Krimi: Sogar die ZDF-Reihen „Wilsberg“ (3.10.) und „Friesland“ (17.10.), die wir nicht mehr regelmäßig kritisieren, sind für Tilmann P. Gangloff ausgesprochen sehenswert. Die Krönung bei den Langzeit-Reihen ist jedoch „Doppelmord“ (22.10.) aus der „Usedom-Krimi“-Reihe, die auf die Gefängnisstrafe der ehemaligen Staatsanwältin zurückkommt und in der neben Katrin Sass Steffi Kühnert eine starke Episoden-Hauptfigur verkörpert. Packend ist auch der neue Odenthal-Stern-„Tatort“, wie der Titel „Explosive Mischung“ (ARD, 4.10.) bereits nahelegt.

Foto: ZDF / Sabine Panossian
Bereits preisgekrönt: „Wake Up“, eine vielschichtige, topinszenierte Near-Future-Drama-Serie mit Luna Jordan & Alicia v. Rittberg

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