Während viele bereits mit Mitte 40 nur noch die Alben ihrer Jugend hören, fasziniert mich nach wie vor auch die Musik der Gegenwart: 2024 war ein gutes Popmusik-Jahr. Billie Eilish, Beyoncé, Green Day, Nick Cave, Taylor Swift, Mark Knopfler, The Cure – die Megastars haben abgeliefert. Aber noch interessanter sind die vergleichsweise kleinen Alben von Indie-Größen wie Vampire Weekend, St. Vincent, Joan as Police Woman, MGMT, Galliano, Tindersticks, Pixies und die Entdeckungen wie Noga Erez, Los Bitchos oder The Last Dinner Party.
Mit meinen persönlichen Musik-Highlights möchte ich weniger meine Popmusik-Kennerschaft zur Schau stellen, sondern vielmehr ästhetisch Gleichgesinnten Tipps geben. Genauso wie auch denen, die für die Soundtracks von TV-Produktionen verantwortlich sind: Im nischigen Serien-Bereich hat sich auch musikalisch einiges getan. Da muss es erfreulicherweise nicht immer dudeliger Mainstream sein. Bei Fernsehfilmen für die ältere Zielgruppe hingegen glaubt man noch immer, die Zuschauer mit dem Soundtrack ihrer Jugend locken zu müssen. Man könnte es ja auch mal etwas anspruchsvoller und abwechslungsreicher versuchen. Es muss nicht immer „Last Christmas“, „Make Me Smile (Come Up and See Me)“ oder Paolo Contes „Via Con Me“ sein.
The Cure galten als New-Wave-Gothic-Band. Aber waren sie nicht immer schon heimliche Progrocker?!
Und sie schaffen es immer wieder, schmeicheln sich ein mit ihren megasoften Elektro-Pop-Hits!
Glamouröse Disco-Funk-Melange, glatt produziert, trotzdem ein ziemlich perfekter Groove to move
Eingängige Melodien, in Elektronik und Hall getaucht – und dazu diese cool verzerrten Shoegazer-Gitarren!
Mehr Britpop-Kult geht nicht: Oasis meets Stone Roses!
Sixties-Pop-Pastiche für Nostalgiker: Good Vibrations!
Stehen vorm großen Durchbruch: weniger Postpunk, mehr Hook-reicher Rock, in jede Richtung offen
Wie machen die das?! Die Post-Punk-Rocker wieder mit einer handvoll hinreißender Ohrwürmer!
Drittes, eingängigstes Werk der Radiohead-Köpfe: mal jazzig, mal krautrockig, immer dicht & komplex.
Zeitgemäßer Neo-Soul, ein Sound, noch eleganter, weicher & breitflächiger dahinströmend als bisher
Indie-Legende (Pixies, Breeders) mit ihrem Solo-Debüt zwischen gutgelauntem Twang, Noise & Altersmilde
Ätherischer Dreampop, auf dem vierten Album so wiedererkennbar & betörend gesungen wie nie zuvor
Nach der musikalischen Läuterung Pete(r) Dohertys ist nun seine legendäre Garagenrock-Band dran.
Märchenhaft, reduziert & voller Geheimnisse: die Portishead-Stimme und ihr Electro-Minimalismus 2024
Einzigartige Klangwelten seit 30 Jahren: „ein prädestiniertes Kopfhöreralbum für die einsamen Stunden“ (ME)
Achtung, Top-Debüt! Fleetwood Mac, Abba, Glamrock, New Wave, Britpop: ein Girlie-Pop-Mix zum Verlieben!
Crooner-Easy-Listening, mal düster, mal leidenschaftlich, mal kitschig
Keine Band kennt die Popgeschichte so gut. MGMT klingen dabei aber nie unangenehm eklektizistisch.
Relaxter, sehr eingängiger Retro-Rock, der auch vor Funk & Balladen nicht zurückschreckt
Typisch Annie Clark: 10 Mal hören, dann (erst) dringt man in die Songstrukturen ein! Live: göttlich cool
Schwelgerischer, extravaganter Breitwand-Crooner-Pop, ein Wärmekissen für nasskalte Wintertage.
Warum sollte man die Country-Musik weißen Hinterwäldlern überlassen? Trump dürfte diese Platte hassen.
Großes kleines Alterswerk. Nur noch selten laut, häufiger entspanntes Songwriting mit Americana-Touch
New Waviger Brit-Pop-Rock vom Feinsten – von Roxy Music-Saxofon bis Cocteau-Twins-Elfengesang
Ich hasse ihr Megastar-Image, aber seit „Folklore“ (2020) liebe ich ihre Musik.
Zerbrechlicher Soul, glasklare Stimme, im Gegensatz zum Vorgänger-Album minimalistisch instrumentiert
Rap meets Pop – diese coole Israelin hat Power, platzt vor Ideen und hat auch politisch eine korrekte, natürlich Netanjahu-kritische Haltung. Für mich die Überraschung (= Neuentdeckung) des Jahres!
Verbreiten seit 17 Jahren gute Laune. Hochkomplexer, dichter Indie-Pop, der absolut leicht & locker klingt
Ein Lebenszeichen nach 28 Jahren: Für Körper & Seele – cooler Roots-Reggae-Acid-Jazz-Pop. Auch live top! Mir unverständlich, gab es 2025 nur ein Konzert in Deutschland. Die Fahrt nach Frankfurt hat sich gelohnt!
Ein Ex-Teeniestar wird erwachsen (und hat einen Über-Song dabei): Schwermut kann nicht nur Lana del Rey.
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