Drei Filme hat Wim Wenders mit Nastassja Kinski gedreht. Anlässlich des 80. Geburtstags des Regisseurs zeigt Arte „Paris, Texas“ (1984), in dem Wenders der damals erst 23-Jährigen eine ikonische Präsenz verleiht, wie sie sie niemals mehr in einem Film bekommen sollte. Andere Regisseure sahen nach dem „Tatort – Reifezeugnis“ (1977) vor allem die anmutige, bildhübsche Kindfrau, das absolute Gegenbild zu ihrem Vater, dem egozentrischen, aber charismatischen Kotzbrocken Klaus Kinski. Sie gehörte zu den meistfotografierten Frauen Anfang der 1990er Jahre. Der Startschuss zu der ihr prophezeiten Traumkarriere begann mit „Tess“ (1979) von Roman Polański, der mit ihr – offiziell – von 1981 bis 1985 liiert war. Der überlange Film nach Thomas Hardys Roman ist aus heutiger Sicht sicherlich nicht das Meisterwerk, zu dem ihn damals viele Kritiker gemacht haben; Kinski aber ist großartig, kein Vergleich zu dem zwei Jahre zuvor entstandenen Petersen-„Tatort“, in dem sie zwar herzallerliebst dreinschauen darf und sogleich der feuchte Traum sämtlicher deutscher Teenager wurde, aber in dem sie wenig Essenzielles zu spielen bekommt.
Zwischen diesen beiden Produktionen muss sie noch einmal eine ungebrochene Männerphantasie nach alter Väter Sitte in der italienischen Liebesromanze „Bleib wie du bist“ (1978) spielen – sie, gerade 17, und eng an ihrer Seite Marcello Mastroianni, 53. Anfang der 1980er rief dann Amerika. Coppola holte Wenders für „Hammett“ und Nastassja Kinski für „Einer mit Herz“ (1982), einem finanziellen Desaster. Obgleich die Handlung reichlich dünn ist, visuell & musikalisch (Soundtrack: Tom Waits) hat mich dieser Las-Vegas-Liebesfilm einfach umgehauen; und „Nasti“ mit androgynem Kurzhaarschnitt, das hatte auch was. Als Freund klassischer, mythologischer Horrorfilme und Paul-Schrader-Fan („American Gigolo“; Buch zu „Taxi Driver“) musste ich „Katzenmenschen“ (1982) einfach mögen; damals war ich Filmstudent und noch kein Kritiker. Und dann dieser gigantische Titelsong von Bowie. Großartig fand ich nach den furchtbaren 83er-Filmen „Gefährliches Dreieck“ und „Der Mond in der Gosse“ die Idee von Tony Richardson, in „Das Hotel New Hampshire“ (1984) eine der hübschesten Schauspielerinnen jener Jahre die meiste Zeit über unter einer Grizzlybär-Maske zu verstecken. Über Kinskis darstellerische Leistung ließ sich entsprechend nicht allzu viel sagen.
Gesehen habe ich damals auch „Maria’s Lovers“ (1984), „Revolution“ (1985) und „Harem“ (1985), pompöse Ausstattungsorgien, Konfektionsware, in der Kinski allenfalls schön zu sein hatte. Die Arte-Dokumentation aus dem Jahr 2022 erzählt die „Geschichte einer Befreiung“, eben genau aus dieser Rolle des schönen weiblichen Accessoires. Es gab Zeiten, in denen zog sich Kinski völlig ins Privatleben zurück. Trotzdem drehte sie regelmäßig, die Rollen wurden kleiner, nicht unbedingt besser. Sie musste nicht mehr die Welt verzaubern, das Filmen wurde für sie zur Nebensache, war bloßer Gelderwerb. Die zwei letzten guten Filme, die ich von Nastassja Kinski gesehen habe, sind Mike Figgis‘ „One Night Stand“ (1997), ein Liebesfilm und Sterbedrama in einem, und „In weiter Ferne, so nah“ (1993), mit dem sich der Wim-Wenders-Kreis schließt. Der Regisseur hat sie ja entdeckt, 1974, für „Falsche Bewegung“, seiner sehr freien Adaption von Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ und ein sehr deutsches Roadmovie.
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