Die Kinofilme „Nouvelle Vague“ und „Blue Moon“ im Frühjahr 2026 sind Auslöser für dieses Ranking. Ich erinnerte mich wieder an frühere Filme von Richard Linklater (geb. 1960), die mich beeindruckt haben mit ihrer leichten Gangart und einer gleichsam existenzialistischen Note. Geradezu verzaubert hat mich die „Before“-Trilogie (obgleich in „Before Midnight“ der Zauber der Liebe dahin ist), die das Erbe des von mir sehr geschätzten Nouvelle-Vague-Regisseurs Éric Rohmer antrat. Ein Solitär des US-Independentkinos war „Boyhood“, der über einen Zeitraum von über zwölf Jahren entstanden ist – und einem Kind beim Älter- und Erwachsenwerden zuschaut. Auch postpubertäre Komödien gehören zu Linklaters Werk, so der Kinohit „School of Rock“ mit Jack Black, ein Spaß für alle Rock’n’Roll-Nerds dieser Welt. Mit „Dazed and Confused“ wurden 1993 sowohl die ernsthafte Filmkritik als auch ein jugendliches Publikum, das sich mit den gängigen Blockbustern nicht identifizieren konnte, auf ihn aufmerksam. Der gebürtige Texaner gehört zu den wenigen in den USA, die weitgehend unabhängig vom Hollywoodsystem arbeiten. Seine europäisch gefärbten Herzensprojekte finanziert sich Linklater durch gelegentliche Auftragsproduktionen wie zuletzt „Bernadette“ mit Cate Blanchett, denen er so gut wie möglich seinen Stempel aufdrückt. Früh gründete er seine eigene Produktionsfirma, um nicht nur die Geschichten zu erzählen, die er unbedingt erzählen will, sondern sie auch so zu erzählen, wie er es für angemessen hält: nicht über die immergleichen Handlungsbögen, sondern über die Charaktere, ihren Intellekt, ihre Sprache, ihren Witz, ihre Haltung, ihre Schwächen und Sehnsüchte, über ihr soziales Milieu oder ihre Peergroup. Auch die popkulturelle Verortung seiner Figuren ist von Belang; Musik spielt immer eine wichtige Rolle in Linklaters Filmen. Probleme habe ich persönlich mit den Jungspund-Movies, die den US-amerikanischen Lebensstil, die oberflächlichen Rituale und Testosteron-Szenarien (Sport, Dates, Sex) unterhaltsam locker ins Visier nehmen wie beispielsweise „Everybody Wants Some!!“ (2016), eine Art Fortsetzung zu dessen Durchbruchsfilm, der zwar typische Linklater-Codes enthält, aber mich ähnlich nervt wie Spiegel-Autorin Hannah Pilarczyk („alles erkannt und dennoch nicht gelacht“).
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Mehr InformationenMit Jason London, Wiley Wiggins, Rory Cochrane, Adam Goldberg, Matthew McConaughey
„Dazed and Confused“ war Richard Linklaters Durchbruch. Ein Film über das Jungsein in den 1970er Jahren, Coming-of-Age auf typisch amerikanisch. „Confusion – Sommer der Ausgeflippten“, so der deutsche Titel, setzt nicht auf nostalgisches Schwelgen in der Vergangenheit, sondern taucht mit den Figuren realistisch, stimmungsvoll & ohne gesellschaftskritischen Impetus in die Zeit ein, ohne die „Sünden“ der Jugend zu verklären. Der Film enthält typische Linklater-Elemente: Das Geschehen spielt innerhalb von 24 Stunden; erzählt wird Alltag, allerdings ein Wendepunkt im Leben (es ist der letzte Schultag); das Ensemble besteht aus rund 20 Figuren (Charaktere – wäre zu viel gesagt); Situationen, jugendliche Rituale (die Großen begrüßen die freshmen), Interaktionen dominieren über individuelle Dramen, und wie im Leben spielt Musik eine wichtige Rolle. Ein Reiz, den Film heute zu sehen, besteht darin, auf die Suche nach bekannten Gesichtern zu gehen. Zu finden sind Matthew McConaughey, Milla Jovovich, Ben Affleck, Renée Zellwegger.
Erhältlich über diverse Streamer (VoD) und als DVD/Blu-ray (ab 10 Euro, inkl. Versand)
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Mehr InformationenMit Cate Blanchett, Billy Cudrup, Emma Nelson
Wahnsinn und Genie – dieses Künstlerklischee schwingt mit in Richard Linklaters Tragikomödie „Bernadette“: Die Titelfigur war einst eine wegweisende Architektin; heute lebt sie in einem für sie und ihre kleine, dreiköpfige Familie viel zu großen Haus, das eine einzige Baustelle ist. Man weiß also früh Bescheid, wie es in der Seele dieser Ehefrau und Mutter aussehen muss. Wie es dazu gekommen ist, kann in Rückblenden nach und nach entschlüsselt werden. Ein Schock in ihrer frühen, traumhaft gestarteten Karriere hat diese Frau offensichtlich aus der Bahn geworfen. Irgendwann gilt sie als „Psycho“, lebt in ihrer Welt, zu der allein ihre Tochter noch Zugang findet. „Bernadette“, entstanden nach dem Roman „Wo steckst du, Bernadette?“, entwickelt sich entsprechend zu einem Psychodrama, dem man dank Cate Blanchetts Performance auf der Spur bleiben kann, obgleich es in der etwas unfokussierten Narration einige Längen zu überstehen gibt. Ein bisschen rätseln darf man als Zuschauer auch, besonders bei einem Exkurs in die Antarktis.
Erhältlich über diverse Streamer (VoD) und als DVD/Blu-ray (ab 6 Euro, inkl. Versand)
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Mehr InformationenMit Jack Black, Joan Cusack, Mike White, Sarah Silverman
Richard Linklater hatte immer schon ein Herz für Außenseiter, die nichts mit dem normalen Leben am Hut haben: von den Freaks und Nerds in „Slacker“ (1990) und „Dazed and Confused“ (1993) bis zu den abgehobenen Intellektuellen in „Blue Moon“ und „Nouvelle Vague“ (beide 2025). Ein Prototyp dieser Spezies ist Dewey Finn in „School of Rock“, ein redseliger Hardrock-Romantiker, der die Welt der Nicht-Heavy-Metal-Fans nicht versteht. Damit er kein Loser bleibt, darf dieser Rock-Clown – wie es die Geschichte will – eine Schulklasse zu AC/DC, Black Sabbath, Led Zeppelin & Co bekehren, ja, er darf den Kids zeigen, „dass in der Rockmusik der Wissensschatz der Menschheitsgeschichte verborgen liegt“. Von der Musikerziehung ist der Weg zur Selbstermächtigung nicht weit: „Kein Rockfilm, sondern ein Bildungsfilm“, schrieb denn auch epd film. Ein Rock-’n’Roll-Märchen mit anarchisch-infantilem Humor, ein Wohlfühlfilm für die ewig jung und verrückt Gebliebenen, die einer Leidenschaft frönen, die (zumindest in Linklaters Film) nicht als gesellschaftsfähig gilt. Klar, dass es eine Versöhnung der Standpunkte geben wird. Nichts für Schöngeister!
Erhältlich über diverse Streamer (VoD), gratis im Abo bei Magenta TV, Wow und Paramount+ sowie als DVD (ab ca. 4 Euro, inkl. Versand)
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Mehr InformationenMit Ethan Hawke, Bobby Cannavale, Margaret Qualley, Andrew Scott
Rodgers & Hammerstein galten in den 1940er und 1950er Jahren als das erfolgreichste Duo der US-amerikanischen Musical-Theater-Geschichte. Davor war der Komponist Richard Rodgers beruflich mit dem Textautor Lorenz Hart liiert. Zu ihren Evergreens gehören „My Funny Valentine“, „Isn’t it Romantic“ und eben „Blue Moon“. 1943 ist das Jahr der Wende. „Oklahoma!“, das erste Musical mit Hammerstein, wird ein Broadway-Renner. „Blue Moon“ spielt am Abend der Premiere. Hart verachtet das Stück, für ihn ist es purer Kitsch. Und so verlässt er frühzeitig das Theater, um in der Premieren-Bar vorzuglühen und seinem Unmut spitzzüngig Ausdruck zu verleihen. Eigentlich braucht er Arbeit, will aber nicht runter von seinem hohen Ross. Der Alkohol vernebelt dem Mann, der so klug, witzig und charmant sein kann, den Blick. Der homosexuelle Hart liebt das Schöne – und so betet er die bildhübsche Elizabeth an, eine Studentin mit künstlerischen Ambitionen, die dessen Nähe sucht, solange er ihr karrieretechnisch helfen kann … Diese mit sarkastisch-ironischen Dialogen gepfefferte, angenehm altmodische, bühnenhaft anmutende, ausgezeichnet besetzte Tragikomödie spielt 100 Minuten an nur einem Ort. Sprache strukturiert das Gesehen. Für handlungsliebende Zuschauer dürfte dies ein größeres Problem sein als fehlende Broadway-Geschichtskenntnisse.
Erhältlich über diverse Streamer (VoD) für 5 Euro.
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Mehr InformationenMit Glen Powell, Adria Arjona, Austin Amelio, Retta
Wie ein Zweitjob aus dem Ruder laufen kann, weiß man seit „Breaking Bad“. Gary (Glen Powell) ist ein biederer Psychologiedozent, der es finanziell nicht nötig hat, für die Polizei den Hitman zu spielen, den aber die Erfahrung reizt, sich aus der Komfortzone seines Lebens zu begeben. Lustvoll ködert er seine diverse Kundschaft mit dem Bild, das jeder mit einem Auftragskiller verbindet. Diese Verkleidungen sind auch für den Zuschauer ein Quell der Freude. Seine Kunden landen zuverlässig hinter Gittern – bis er an die attraktive Madison (Adria Arjona) gerät, deren Mann ein Ekel und deren Gewissensbisse echt sind. Er rät ihr, Scheidungsanwalt statt Killer – und lässt sie vom Haken. Kompliziert wird es, als sie sich ineinander verlieben und der Ex ihr blöd kommt. Richard Linklater ist mit „A Killer Romance“ einmal mehr ein intelligenter, komplexer Genrefilm gelungen, der RomCom und Neo-Noir amüsant mixt und sogar Freud ironisch verdichtend einbezieht. Gary wird als Hitman zum besseren Lover („Für herausragenden Sex braucht es einen Mangel an Gedanken“), und Madison erregt es, mit einem Killer zu schlafen.
Erhältlich ist der Film (gratis) über das Abo von Prime Video und als DVD (ab 8 Euro, inkl. Versand)
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Mehr InformationenMit Ethan Hawke und Julie Delpy (beide am Drehbuch beteiligt)
Eigentlich wollten sich Céline und Jesse sehr viel früher wiedersehen. Am Ende von „Before Sunrise“ (1995) verabredeten sie sich für ein weiteres Treffen in Wien – gleicher Bahnsteig, gleiche Uhrzeit, ein halbes Jahr später. Es werden neun Jahre, bis sich der Amerikaner und die Französin wiedersehen – ungeplant, in Paris. Jesse ist auf Lesereise; die Begegnung der beiden, damals in Wien, hat er in einen Roman verpackt. Am Ende seiner Signierstunde steht sie plötzlich vor ihm. Schön und blöd zugleich: In zwei Stunden geht Jesses Flugzeug in die USA, zu Frau und Kind. Es wird wieder viel geredet, anfangs Geplänkel, dann konkrete Träume, Sehnsüchte – das Objekt des Begehrens wird mit Worten umworben. Fast in Echtzeit erzählt „Before Sunset“ die nächste Phase der Beziehungsgeschichte zweier Menschen, die nicht nur nach den Regeln des Kinos füreinander bestimmt sind. Gegen Ende gewinnt die frankophile Stimmung in Célines Hinterhof-Appartement die Oberhand, es sind Augen-Blicke des kleinen Glücks, melancholisch, ohne klares Ziel. Sie tanzt zu Nina Simones „Just in Time“ (selbstvergessen oder inszeniert?). Und „Jesse versinkt in ihrem Sofa mit der Patchwork-Decke, sieht ihr einfach nur zu und grinst wie ein Vollidiot“ (Süddeutsche Zeitung).
Erhältlich über diverse Streamer (VoD), gratis im Abo von HBO Max und als DVD (ab ca. 4 Euro, inkl. Versand)
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Mehr InformationenMit Ethan Hawke, Julie Delpy (beide am Drehbuch beteiligt), Seamus Davey Fitzpatrick, Jennifer Prior, Charlotte Prior
Nach „Before Sunset“ (1995) und „Before Sunrise“ (2004) ist „Before Midnight“ der Abschluss von Linklaters Langzeit-Beziehungstrilogie. Céline und Jesse sind nach ihrem zufälligen Treffen in Paris im zweiten Film zusammengeblieben. Doch die Zeit macht selbst vor einem der klügsten, aufgeklärtesten und attraktivsten Pärchen des Independent-Kinos der letzten Jahre nicht Halt. Und so befindet sich ihre Ehe offensichtlich auf der Zielgeraden. Selbst ein Griechenlandurlaub kann nicht helfen. Im Gegenteil: die vermeintlich launigen Gespräche unter südländischer Sonne, lassen erkennen, wie fremd sie sich geworden sind. Hinzu kommt, dass Jesse mehr Zeit mit seinem pubertierendem Sohn aus erster Ehe verbringen will – und deshalb am liebsten wieder von Frankreich, wo sie seit Jahren ihr Domizil aufgeschlagen haben, in die USA übersiedeln würde. Wieder sind es 24 Stunden, in denen die Geschichte der beiden eine neue Wende (vielleicht doch noch eine Versöhnung?) bekommen könnte. Erst wird mit Freunden plaudernd philosophiert über Weltanschauungen, ja, die Zukunftsthemen der Menschheit werden zum Tischgespräch. Die Entscheidung über die eigene Zukunft heben sich die beiden, nachdem sie bereits alle privaten Reizthemen durch haben, fürs Finale auf: letzte erotische Zuckungen und ganz viel Seelenstriptease. Der Schauplatz, ein charakterloses Hotelzimmer, ist kein gutes Omen. Die Falten sind zwar tiefer, die Träume kleiner geworden, aber Julie Delpy und Ethan Hawke sind großartig wie am ersten Tag, nur die Tonart ihres Spiels hat sich verändert.
Erhältlich über diverse Streamer (VoD), gratis im Abo von HBO Max und als DVD (ab ca. 5 Euro, inkl. Versand)
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Mehr InformationenMit Ethan Hawke und Julie Delpy
„Before Sunrise“ an die Spitze der Langzeit-Beziehungstrilogie zu stellen, ist eine sehr subjektive Entscheidung. Alle drei „Before“-Filme haben ihre besonderen Momente, der erste aber stand lange Zeit allein für diese besondere Art eines realistischen Filmemachens, das dem Alltag, der Lebenslust beim Entstehen zuschaut, das die Kamera draufhält, wenn sich jemand auf ein kleines zwischenmenschliches Abenteuer einlässt: ein Tag in Wien, ein Paar, das sich gerade erst im Zug kennengelernt hat und sich trotz anderer Pläne entschließt, die Stadt, ihre Kneipen, Bars, einen Friedhof, einen Park, den Prater gemeinsam zu erkunden. Beide verstehen sich offensichtlich so gut, dass Vieles möglich erscheint. Und doch ist – das sagt einem die Form und der Tonfall des Films – bestenfalls eine Liebelei auf Abruf möglich. Es wird viel geredet, über Gott und die Welt, was man eben so macht mit Mitte 20: Haltungen werden abgefragt, spielerisch Grenzen ausgetestet. Und wenn beiden mal nichts mehr einfällt, dann lächeln sie einfach, hin und weg vom Gegenüber und (den Möglichkeiten) der eigenen Jugend. Je aufmerksamer man als Zuschauer und Zuhörer ist, umso größer der Gewinn und umso mehr nimmt man an, die beiden und ihre Kurzzeitbeziehung zu verstehen. Linklater gibt uns dabei keinerlei dramaturgische Unterstützung. Die Narration ergibt sich aus dem Zeitfaktor, den Figuren, den Dialogen. „Alles im Film ist Projektion – wie in der Liebe“ (Michael Althen).
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Mehr InformationenMit Guillaume Barbeck, Zoey Deutch, Aubry Dullin, Matthieu Penchinat
„Nouvelle Vague“ erzählt anhand der Entstehungsgeschichte von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (1960) von den Anfängen jener französischen Filmbewegung, die das moderne Kino einläutete. Der Erfolg von Truffauts „Sie küssten und sie schlugen ihn“ (1959) ebnete den Weg zum ersten Langfilm jenes Mannes, der von den Kritikern der Cahiers du cinéma als der ambitionierteste, aber auch der schwierigste Mensch galt. Dem Produzenten, der Crew und den Schauspielern, allen voran die Otto-Preminger-geschulte Amerikanerin Jean Seberg, war lange Zeit nicht klar, was Godard wollte. Einfach alles anders machen – filmisch, dramaturgisch, produktionstechnisch. Kein Drehbuch: ein Mann, eine Frau, eine Knarre, das musste reichen. Und wenn ihm nichts einfiel, dann war ein Drehtag auch schon mal nach einer Stunde vorbei, oder er bediente sich kurzerhand bei seinen Vorbildern aus Film, Literatur und Philosophie. Der Film ist eine fabelhafte Hommage nicht nur an den 2022 verstorbenen Godard, sondern auch an die anderen Filmkritiker, die bald ebenso als Nouvelle-Vague-Regisseure ins Rampenlicht treten sollten, sie alle und noch viel mehr werden im Film namentlich vorgestellt, ehrfurchtsvoll mit Bauchbinde. Linklaters Film atmet trotz 35mm-Formats den Atem von „A bout de souffle“. Die Besetzung ist perfekt. Besonders bei Zoey Deutch ist die Ähnlichkeit mit Seberg frappierend. „Nouvelle Vague“ ist ein Film übers Filmemachen, über eine Gruppe Filmverrückter, die sich von einem arroganten, größenwahnsinnigen, oft knatschigen Regisseur herumschubsen ließen. Es ist nicht nur ein Film für eingefleischte Kinoliebhaber und Kenner der Filmhistorie. Es ist ein wilder Film über wilde Zeiten. „Der Film spaziert nicht wie ein Touristenführer durch die Epoche, in der er spielt, sondern er taucht in sie ein, er mischt sich unters Volk, er schüttelt den Staub von den Kulissen. Linklater lässt beides, die Worte und die Bilder, nicht wie historische Fakten, sondern wie filmische Einfälle aussehen, er holt die Träume und Gefühle, die dem Geschehen zugrunde lagen, in die Geschichte zurück“, schrieb Andreas Kilb in der FAZ.
Der Film lässt sich über Videobuster leihen (5 Euro) und ist ab 17 Euro (inkl. Versand) auf DVD erhältlich.
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Mehr InformationenMit Ellar Coltrane, Patricia Arquette, Ethan Hawke, Lorelei Linklater
Dem Leben beim Sein und Werden zuschauen, den Alltag auf der Zeitachse beobachten – das ist der Traum eines Figuren-orientierten realistischen Kinos. Truffaut hat es mit seinem fünfteiligen Antoine-Doinel-Zyklus vorgemacht, und Richard Linklater, der seit jeher in seinen Filmen gern einen Blick auf die verschiedenen Entwicklungs- und Lebensphasen eines Menschen wirft, springt bei „Boyhood“ in einem einzigen Film durch die (frühe) Kindheit und Pubertät eines zunehmend Patchworkfamilien-geschädigten Jungen. Stets hingebungsvoll an seiner Seite die verantwortungsvolle Mutter (Oscar und Golden Globe für Patricia Arquette), gelegentlich auch der ihn nicht minder liebende Wochenendpapa (gewohnt sympathisch: Ethan Hawke) und – nicht immer reibungsfrei – seine ältere Schwester. Über zwölf Jahre hat der Filmemacher seine vier Hauptdarsteller immer mal wieder für einige Drehtage zusammengerufen, um ein paar entscheidende Szenen zu drehen. Erzählt wird die Geschichte eines Heranwachsens, vom Erfahrungenmachen, vom Lernen, vom Ausprobieren – Freundschaft, Familie, erste Liebe, erste Enttäuschung, die kleinen Wunder des Lebens. Die Veränderungen sind an den Bildern abzulesen. „Das hübsche Jungengesicht wird kantiger, das Kinn reckt sich, die Haut wird erst unrein und dann wieder klarer. Keine Computertechnik und kein Maskenbildner kann das so nachbilden wie die Zeit von zwölf Jahren“, erkannte die ZEIT-Kritikerin. Und Linklater hat Glück gehabt, dass Ellar Coltrane bis zuletzt Lust hatte, die Rolle zu spielen, und dass aus ihm ein Jugendlicher wurde, dem man die Nachdenklichkeit und introvertierte Ernsthaftigkeit seiner Figur nicht nur glaubt, sondern sie eins zu eins auch dem Darsteller zuschreibt. „Ein Film von außerordentlicher Schönheit, besser als jedes Familienalbum“ (SZ), den jeder, der alltagsnahen Filmrealismus mag, einfach gesehen haben muss.
Erhältlich über diverse Streamer (VoD) und als DVD (ab ca. 3 Euro, inkl. Versand)
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