Das, was Daniel Elsner macht, ist kontraproduktiv. Nachdem endlich das Spenderherz da ist, die Transplantation gut verlaufen ist, kann er sich aber gar nicht recht freuen. “Willkommen im zweiten Leben!”, strahlt der Arzt. “Es ist doch nur noch ein geborgtes Leben – und das geht auch mal zuende”, entgegnet Elsner und die Sorgenfalten kräuseln sich auf seiner Stirn. Vor allem will er wissen, von wem er das Herz bekommen hat. Ist es ein junger Mensch gewesen? War er auch gesund? Er fühlt sich nicht mehr als er selbst. Er grübelt, er zweifelt. “Wo sitzt die Persönlichkeit des Menschen?”, fragt er sich. “Nur in der Seele? Nur im Gehirn? Oder im ganzen Körper? Auch in den Organen?” Seine Fragen steigern sich zur Paranoia, als er glaubt, dass in ihm das Herz eines Mörders schlägt. Der Intellekt besiegt das Herz.
“Ich stelle die Intelligenz als Belastung dar und auch den Forscherdrang als gefährliche Waffe. Es tut gut, nicht alles bis zum Schluss zu durchdenken, sondern mit seinen sechs Sinnen zu leben und eine gesunde Intelligenz einzusetzen.” (Christian Görlitz, Buch und Regie)
“Kümmer’ dich um dein Leben”, fordert Elsners Frau (Stemberger) ihren Mann auf. Der Partner übernimmt eine sehr wichtige Rolle im Leben eines Transplantations-Patienten. Ärzte betonen, dass auch die Partner der Transplantation zustimmen sollten. “Der Lebenspartner wird ja nicht nur mit der psychischen Veränderung des Partners konfrontiert, sondern auch mit fremden Körperteilen”, sagt Görlitz, der viel zum Thema recherchiert hat. So kommt es auch im Film zu einer Beischlafszene, in der vieles von einer irritierenden Fremdheit deutlich wird. Das Herz, das da pocht, ist das eines Menschen, den Elsners Frau nicht kennt.
Eindrucksvoll sind auch die Erinnerungsbilder und die suggestiven Krankenhaus-Szenen. “Ich wollte das Unheimliche, auch das Erhabene und Besondere einer solchen Operation mit filmischen Mitteln unterstreichen”, betont Görlitz. Nicht immer gelingt es aber dem Grimme-Preisträger Görlitz, die psychologischen Ambivalenzen so filmisch dicht ins Bild zu rücken. Die Fragen aller Fragen lassen sich schließlich bei diesem Thema nur verbal stellen. “Wer bin ich? Haben wir eine individuelle Seele oder bilden wir uns unsere Individualität nur ein?” Die Antworten, die bekommt der Zuschauer dann geliefert von einem eindringlichen Günther Maria Halmer. Sein Elsner forscht nach seiner und des Toten Seele. Ein minimalistisch und beiläufig agierender Schauspieler wie Halmer war da eine kluge Wahl. (Text-Stand: 2002)