TV-Premieren im Juni
und von den Wiederholungen nur das Beste
22.06.2026
22:00
HR
Reihe
Vladimir Burlakov, Daniel Sträßer, Hölzemann, Theede. Die Stunde des Jägers
Der zweite Film mit dem jungen „Tatort“-Team aus Saarbrücken, „Der Herr des Waldes“ (SR / Degeto / ProSaar), erzählt eine spannende Geschichte. Die besondere Qualität des Drehbuchs liegt in einer cleveren doppelten Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit. Auf diese Weise lässt sich auch die gemeinsame Jugend der Ermittler perfekt mit der Jagd auf einen mutmaßlichen Serienmörder kombinieren. Schade nur, dass Daniel Sträßer seinen Kommissar erneut übertrieben maskulin verkörpert; das erweckt den mitunter irritierenden Anschein, als habe sich der junge Lars Eidinger in ein zweitklassiges B-Movie verirrt. Weniger wäre auch in anderer Hinsicht mehr gewesen: Die an sich gute Kameraarbeit ist des Öfteren allzu spürbar um exquisite Bilder bemüht, und die Musik donnert mitunter wie im Superheldenkino.
22.06.2026
Die Idee zu diesem Film hatte Florian Dietrich, als er in einer JVA mit jungen Gefangenen Theaterprojekte veranstaltete. Der Regisseur ist überzeugt, dass die Kriminalisierung vieler Jugendlicher mit Migrationshintergrund auch mit deren unsicherem Aufenthaltsstatus zusammenhängt. Er wollte eine Geschichte erzählen, die die Protagonisten „für ihren Mut, ihre Stärke und ihre Kreativität im Umgang mit den Behörden feiert“: Als Babtou nach seiner Entlassung gleich wieder verhaftet wird, soll eine Hochzeit seine Abschiebung verhindern. Als einzige Option bleibt schließlich sein Freund Dennis. Das klingt nach dem beliebten Komödienstoff „Scheinehe mit Hindernissen“, weil die beiden Männer der Ausländer-Behörde fortan eine heile schwule Welt vorgaukeln müssen, artet aber nie zur Klamotte aus.
23.06.2026
01:25
ARD
Reihe
Zuercher, Schuler, Perot, Litten, Heberlein/Pütz, Tobias Ineichen. Rache verjährt nicht
Drei Leichen und ein traumatisiertes Kind bescheren den Zürcher Kommissarinnen einen emotional aufwühlenden Fall. Ihr Ermittlungserfolg hängt nahezu allein von den Aussagen der kleinen Zeugin ab. Das verängstigte Mädchen im Mittelpunkt bestimmt auch die Tonalität von „Tatort – Blinder Fleck“ (ARD / C-Films-AG). Da wird viel getröstet und beschützt. Die Erzählung stärkt die etablierte Rollenverteilung im Zürich-Team, verzichtet aber auf emotionale Zusammenbrüche oder spektakuläre Wendungen. Wie zuvor „Tatort – Seilschaft“ entstand der fünfte Fall unter der Regie von Tobias Ineichen. Seine ruhige Inszenierung gewinnt durch Parallelmontagen zum Finale an Tempo. Passend zu einem der Verdachts-Stränge setzt Ineichen immer wieder Drohnenaufnahmen ein. Das funktioniert im Erzählfluss sehr gut, in der finalen Gegenüberstellung von Kommissarin und Täter nur bedingt.
23.06.2026
13:00
SWR
Fernsehfilm
Anna, Katharina, Nellie Thalbach, Peschel und Miniaturen komischer Verzweiflung
Viele deutsche Kinofilme sind im Fernsehen besser aufgehoben. Die mit großer Liebe zum Detail inszenierte Sozialkomödie „Wir sind die Rosinskis“ dagegen würde dank ihrer verblüffenden Mischung aus Understatement und satten Uraltgags vermutlich auch im Kino funktionieren. Außerdem hat der Film neben Leinwandstar Milan Peschel einen echten Besetzungscoup zu bieten: Zum ersten Mal stehen die drei Thalbach-Generationen Katharina, Anna und Nellie gemeinsam als Hauptdarstellerinnen vor der Kamera; natürlich als Oma, Tochter und Enkelin. Die Figuren sind ausnahmslos überzogen, werden aber nie der Lächerlichkeit preisgegeben. Bemerkenswert souveränes Debüt von David Gruschka.
23.06.2026
14:30
rbb
Fernsehfilm
Christoph Maria Herbst, Tscharre, von Kessel, Rogall, Kleefeld. Aus der Rolle fallen
Zwei Zwillingsbrüder tauschen die Rollen. Der coole Schauspieler übernimmt die Familie des angezählten Ehemanns, der wiederum beim Improvisieren am Theater eine gute Figur macht… Wer glaubt, dass er das schon oft so ähnlich gesehen hat, der täuscht sich gewaltig. „Besser als Du“ ist die beste deutsche Zwillingsfernsehkomödie und zugleich eine der besten TV-Komödien der letzten Jahre. Ein Grund dafür heißt Christoph Maria Herbst. Ein anderer ist Stefan Rogalls dichtes, an Rollen- und Beziehungsspiegelungen reiches Drehbuch mit seinen köstlichen Spiel-im-Spiel-Situationen, den intelligenten Dialogen und einem lebensklugen, lustvollen Subtext. Und Regisseurin Isabel Kleefeld kann auch sehr gut Komödie.
23.06.2026
20:15
3sat
Serie & Mehrteiler
Ferch, Auer, Wörner, Milberg, Bock, Thomas Berger. Trommelfeuer der Mutmaßungen
Zum dritten Mal nach „Tod eines Mädchens“ (2015) und „Die verschwundene Familie“ (2019) führt ein ZDF-Zweiteiler in das fiktive Ostseebad Nordholm. Auch in „Das Mädchen am Strand“ (Network Movie) stehen der mackerhafte Bulle aus der Hansestadt und die gewissenhafte Kollegin aus der Provinz im Zentrum. Sie hat mittlerweile ihren Dienst quittiert und ist nur noch bedingt Mülleimer für Kesslers Probleme, bleibt aber für ihn eine wichtige Informationsquelle. Dem 180-Minüter gelingt es, Krimi und Drama zu sein. Lebenslügen sind eine gute Saat für Crime, besitzen aber auch ihren eigenen Wert. Auch wenn Thomas Bergers Inszenierung auf ästhetische Extravaganzen verzichtet, er das Drama der Charaktere und den Realismus des Schauplatzes über den Stil-Willen eines Kriminalfilms stellt – so ist doch dieses Nordholm eine reine Fiktion: Es ist ein Dorf gewordenes Sinnbild für dysfunktionale Familien, für eine verlorene Generation an der Schwelle zum Erwachsenwerden, für Einsamkeitsgefühle, für ein sich abgrundtiefes Fremdsein. Wie sich damit Krimi-Spannung potenzieren lässt, das haben auch schon andere Produktionen gezeigt.
23.06.2026
20:15
BR
Reihe
Krassnitzer, Neuhauser, Henning. Spannend & düster zurück in den Kalten Krieg
Ein vermeintlicher Routinefall konfrontiert Harald Krassnitzer und Adele Neuhauser im neuen ORF-„Tatort: Grenzfall“ mit einem erschütternden Drama über Täter und Opfer diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs. Rupert Henning erzählt einen leisen, aber überaus packenden Geschichtskrimi nach einer wahren Begebenheit vor der malerischen Kulisse des niederösterreichischen Waldviertels, den man, wenn man eine entschleunigte, dichte Inszenierung & herrlich trocken-witzige Dialoge mag, auf keinen Fall versäumen sollte.
23.06.2026
22:00
NDR
Reihe
Sarnau, Beckmann, Judith Engel, Astrid Ströher, Andreas Herzog. Wiederauferstehung
Für übermäßig empfindliche Gemüter dürfte der „Polizeiruf 110 – Nur Gespenster“ nicht geeignet sein. Der Tatort zeugt von purem Sadismus. Möglicherweise ist in Rostock ein Racheengel am Werk. Nicht ohne Grund werden zu Beginn des Films drastische Bilder gewählt. Das harte Thema und das Mordmotiv (sie werden in der Kritik nicht gespoilert) lassen sich nur schwer weich erzählen. Und auch das Team, das noch immer miteinander fremdelt, hält keine Wohlfühlmomente parat. „Nur Gespenster“ gelingt der dramaturgische Spagat zwischen Familiendrama und Whodunit-Krimi nicht über die gesamte Spielzeit, ist aber dicht erzählt und reich an vielen kleinen, angenehm beiläufig eingeworfenen Nebenplots, emotionale Kraftfelder, die plötzlich aufpoppen, und steht damit in der Tradition dieses eigenwilligen, immer schon etwas raueren „Polizeiruf“-Ablegers. Dazu gehört nicht zuletzt die starke Physis der Schauspieler, die von der Handkamera maßgeblich unterstützt wird und einen Realismus-Eindruck hinterlässt, der sich nicht nur aus dem Thema ableitet.
24.06.2026
02:25
3sat
Serie & Mehrteiler
Ferch, Auer, Wörner, Milberg, Bock, Thomas Berger. Trommelfeuer der Mutmaßungen
Zum dritten Mal nach „Tod eines Mädchens“ (2015) und „Die verschwundene Familie“ (2019) führt ein ZDF-Zweiteiler in das fiktive Ostseebad Nordholm. Auch in „Das Mädchen am Strand“ (Network Movie) stehen der mackerhafte Bulle aus der Hansestadt und die gewissenhafte Kollegin aus der Provinz im Zentrum. Sie hat mittlerweile ihren Dienst quittiert und ist nur noch bedingt Mülleimer für Kesslers Probleme, bleibt aber für ihn eine wichtige Informationsquelle. Dem 180-Minüter gelingt es, Krimi und Drama zu sein. Lebenslügen sind eine gute Saat für Crime, besitzen aber auch ihren eigenen Wert. Auch wenn Thomas Bergers Inszenierung auf ästhetische Extravaganzen verzichtet, er das Drama der Charaktere und den Realismus des Schauplatzes über den Stil-Willen eines Kriminalfilms stellt – so ist doch dieses Nordholm eine reine Fiktion: Es ist ein Dorf gewordenes Sinnbild für dysfunktionale Familien, für eine verlorene Generation an der Schwelle zum Erwachsenwerden, für Einsamkeitsgefühle, für ein sich abgrundtiefes Fremdsein. Wie sich damit Krimi-Spannung potenzieren lässt, das haben auch schon andere Produktionen gezeigt.
24.06.2026
12:55
SWR
Fernsehfilm
Steffi Kühnert, Valks, Liers, Rasper. Von den vermeintlich kleinen Dingen des Lebens
„Meine Nachbarn mit dem dicken Hund“ erzählt eine Geschichte, wie sie sich tagtäglich irgendwo in der Dreieinhalbmillionen-Stadt Berlin ereignen könnte. Eine Frau, Mitte 50, kommt mit ihrem plötzlichen Single-Status nicht zurecht. Als neue Nachbarn ihren gewohnten Alltag durcheinanderbringen, werden auf beiden Seiten Vorurteile aufgefahren. In der Realität würde man weiterhin seine Ressentiments pflegen. In einem Film kann man der Situation einen anderen Dreh geben: die Probleme mit dem ungewollten Alleinsein, die Einsamkeit in der Großstadt, die Verlorenheit, wenn einem die eigene Lebenssituation über den Kopf wächst – das sind die Themen, die Autorin Kathi Liers leise, sensibel und in klugen, dezent verpackten Metaphern anschneidet. Neben der Tiefe der Charaktere und der sympathischen Alltagstonlage, die dem vorzüglich von Ingo Rasper inszenierten Film immer auch ein Stück Berliner Hinterhofflair mitgeben, muss man ganz besonders die Besetzung hervorheben – allen voran die einzigartige Steffi Kühnert. Der bisher beste ARD-Freitagsfilm 2019!
Vergangene Ausstrahlungen im Juni
03.06.2026
01:50
NDR
Reihe
Weisz, Wilke Möhring, Haller, Hofmann, Lena Fakler, Mia Spengler. Ganz schön divers
Nach „Die goldene Zeit“ inszenierte Regisseurin Mia Spengler mit „Schattenleben“ ihren zweiten Falke/Grosz-„Tatort“. Erneut geht es darin um das seit dem G-20-Gipfel explosiven Verhältnis von Polizei und linken Gruppen der Hamburger Kiez-Szene. Die Produktion (Wüste Medien) entstand nach den Vorgaben des „Inclusion Rider“, garantiert einen hohen Prozentsatz an Diversität vor und hinter der Kamera. Inhaltlich in einem feministischen Wohnprojekt der linksautonomen Szene verortet, verzahnt Lena Faklers Buch einen tödlich endenden Brandanschlag mit dem Verschwinden einer Undercover-Ermittlerin und dem Spagat zweier Kommissare, die ihren Beruf lieben, dabei aber ihre Sympathie für das linke Spektrum nicht verhehlen. Polizeigewalt gegen freiheitsliebende Anarchos. Ein Klassiker mit frischen Gesichtern, die sich an ausgesuchten Orten auf den Kampf vorbereiten, einander aber nie ins Auge blicken. Falke und Grosz agieren als Mittler. Die Milieus sind sorgfältig eingerichtet, beschränken sich jedoch auf zwei, drei Straßenecken. Ein Mosaik verschiedener Lebenswelten, das Rendezvous mit einer neuen Julia Grosz. Der Fall mäßig spannend.
03.06.2026
02:15
3sat
Fernsehfilm
Caroline Peters, Kowalski, Herbst, Douven, Berno Kürten. Stimmiges Verwirrspiel
Eine ohnehin seelisch angeschlagene Frau fühlt sich nach dem Tod ihres Mannes völlig verunsichert. Hatte er Geheimnisse? Weshalb will ihr keiner etwas sagen? Wem kann sie noch trauen? Ist diese Frau Opfer finsterer, krimineller Machenschaften oder erliegt sie ihren eigenen Wahnvorstellungen? In dem ARD-Psychothriller „Kalt ist die Angst“ folgt man den Spuren, auf die sich die Heldin begibt, identifiziert sich mit ihr, leidet mit ihr, erkennt aber auch die Probleme dieser Frau. Starke Besetzung mit einer überragenden Caroline Peters. Ein stimmiges visuelles Konzept. Vor allem aber ein psycho- & erzähllogisch plausibles Buch, das dem retrospektiven Blick standhält und den Zuschauer nicht für dumm verkauft.
03.06.2026
15:30
Arte
Fernsehfilm
Julia Koschitz, Felix Klare, Trense, Bühlig, Dierbach. Vater-Kind-Entfremdung
„Ich hasse ihn. Ich wünschte er wäre tot“, sagt ein Kind über ihren Vater. Vor einem Jahr noch waren die beiden ein Herz und eine Seele. Der Fernsehfilm „Weil du mir gehörst“ (SWR / FFP New Media) erzählt davon, wie es dazu kommen konnte. Sieht man zunächst eine Mutter, die liebevoll mit ihrer Tochter umgeht, so werden die Manipulationsstrategien bald immer offensichtlicher. Autorin Katrin Bühlig und Regisseur Alexander Diebach zeichnen diesen tragischen, gut recherchierten Entfremdungsprozess, bei dem die Frau stets die Aktive ist und der Mann in die Rolle des Reagierenden gedrängt wird, sehr sachlich & in angemessen zurückhaltender Inszenierung bis zur finalen Auseinandersetzung am Oberlandesgericht nach. Indem Bühlig auf die Chronologie der Ereignisse vertraut, entwickelt sich eine Katastrophen-Dramaturgie, die verantwortungsvoll mit dem Stoff umgeht, aber wenig Überraschungen birgt. Trotzdem wünscht man dieser mit Julia Koschitz, Felix Klare und Lisa Marie Trense sehr stimmig besetzten Produktion möglichst viele Zuschauer. Das Thema hätte es verdient.
03.06.2026
20:15
ARD
Fernsehfilm
Gause, Hüesker, Sarnau, von Kessel, Franziska Buch. Lernen, einander zu vertrauen
Generationendrama und ungewöhnliche Liebesgeschichte: Im Fernsehfilm „Nach uns der Rest der Welt“ (SWR / Bavaria Fiction) verlieben sich ein schwer kranker Junge im Rollstuhl und eine Klassenkameradin ohne sichtbares Handicap. Im Mittelpunkt steht außerdem das Verhältnis der Teenager zu ihren alleinerziehenden Müttern. Während sich Jonas (Julius Gause) von der Fürsorge der energischen Alma (Anneke Kim Sarnau) eingeengt fühlt, leidet Emily (Lina Hüesker) unter den hohen Erwartungen von Marianne (Sophie von Kessel), die gleichzeitig Jonas‘ behandelnde Ärztin ist. Starke Darsteller-Leistungen in einem emotionalen Drama mit inklusivem Anspruch von Franziska Buch. Eine gelungene Gratwanderung; wobei nicht alle Teile der Geschichte und nicht alle Figuren gleichermaßen überzeugen können.
02.06.2026
00:45
ARD
Reihe
Klaus J. Behrendt, Bär, Schily, Malton, Stauch, Fischer. Und alte Männer heulen doch!
Max Ballauf ist verliebt, und es ist mehr als eine Affäre. Doch der aktuelle Fall könnte dem Seelenverwandtschaftsverhältnis ein rasches Ende bereiten. In der Hoffnung, seine Liebe noch irgendwie retten zu können, ermittelt er in „Diesmal ist es anders“ (ARD / Bavaria Fiction), dem 90. „Tatort“ aus Köln, lange im Alleingang. Aber ist der Widerspruch zwischen der Arbeit als Kommissar und der Liebe überhaupt zu lösen? Misstrauen ist tödlich für eine Beziehung, wie sie sich Ballauf ersehnt. Es ist also weniger „das Streuner-Leben“ (Schenk), das sein Liebesglück erschwert, es ist sein Beruf. Drehbuchautor Wolfgang Stauch macht aus dieser Erkenntnis einen Whodunit mit wenigen Verdächtigen und mit einer umso größeren psychologischen Intensität. Dabei gelingt ihm das Kunststück, die klassische Krimi-Spannung mit der hohen Emotionalität, die das Liebesdrama besitzt, kurzzuschließen. So kommen beide Genres zu ihrem Recht. Inszeniert ist der Film von Torsten C. Fischer hochwertig, gespielt ist er makellos. Klaus J. Behrendt nutzt den Ausflug ins Charakterfach, und Leslie Malton und vor allem Jenny Schily in den Episodenhauptrollen sind Idealbesetzungen.
02.06.2026
01:50
MDR
Kinofilm
Harfouch, Schnöink, Lüdicke, Katharina Marie Schubert. Fremd im eigenen Land
„Das Mädchen mit den goldenen Händen“ (MDR, Arte, HR / if…), das Regiedebüt der Schauspielerin Katharina Marie Schubert, beginnt mit einem runden Geburtstag: Lehrerin Gudrun (Corinna Harfouch) wird sechzig. Die Feier findet im Saal jenes seit Jahren leerstehenden Kinderheims statt, in dem sie einst aufgewachsen ist. Mit der guten Laune der Jubilarin ist es schlagartig vorbei, als sie erfährt, was offenbar bereits jeder weiß: Der Bürgermeister (Jörg Schüttauf) will das Gebäude verkaufen; Investoren aus dem Westen sollen ein Hotel daraus machen. Geschickt verknüpft Schubert fortan Gudruns Geschichte mit typischen Ost/West-Konflikten. Bei der Umsetzung ihres Drehbuchs hat sie sich vor allem auf die Arbeit mit dem vorzüglichen größtenteils ostdeutschen Ensemble konzentriert. Lange Einstellungen und statische Kamera lassen die Inszenierung sehr reduziert wirken.
02.06.2026
20:15
3sat
Fernsehfilm
Caroline Peters, Kowalski, Herbst, Douven, Berno Kürten. Stimmiges Verwirrspiel
Eine ohnehin seelisch angeschlagene Frau fühlt sich nach dem Tod ihres Mannes völlig verunsichert. Hatte er Geheimnisse? Weshalb will ihr keiner etwas sagen? Wem kann sie noch trauen? Ist diese Frau Opfer finsterer, krimineller Machenschaften oder erliegt sie ihren eigenen Wahnvorstellungen? In dem ARD-Psychothriller „Kalt ist die Angst“ folgt man den Spuren, auf die sich die Heldin begibt, identifiziert sich mit ihr, leidet mit ihr, erkennt aber auch die Probleme dieser Frau. Starke Besetzung mit einer überragenden Caroline Peters. Ein stimmiges visuelles Konzept. Vor allem aber ein psycho- & erzähllogisch plausibles Buch, das dem retrospektiven Blick standhält und den Zuschauer nicht für dumm verkauft.
02.06.2026
22:00
NDR
Reihe
Weisz, Wilke Möhring, Haller, Hofmann, Lena Fakler, Mia Spengler. Ganz schön divers
Nach „Die goldene Zeit“ inszenierte Regisseurin Mia Spengler mit „Schattenleben“ ihren zweiten Falke/Grosz-„Tatort“. Erneut geht es darin um das seit dem G-20-Gipfel explosiven Verhältnis von Polizei und linken Gruppen der Hamburger Kiez-Szene. Die Produktion (Wüste Medien) entstand nach den Vorgaben des „Inclusion Rider“, garantiert einen hohen Prozentsatz an Diversität vor und hinter der Kamera. Inhaltlich in einem feministischen Wohnprojekt der linksautonomen Szene verortet, verzahnt Lena Faklers Buch einen tödlich endenden Brandanschlag mit dem Verschwinden einer Undercover-Ermittlerin und dem Spagat zweier Kommissare, die ihren Beruf lieben, dabei aber ihre Sympathie für das linke Spektrum nicht verhehlen. Polizeigewalt gegen freiheitsliebende Anarchos. Ein Klassiker mit frischen Gesichtern, die sich an ausgesuchten Orten auf den Kampf vorbereiten, einander aber nie ins Auge blicken. Falke und Grosz agieren als Mittler. Die Milieus sind sorgfältig eingerichtet, beschränken sich jedoch auf zwei, drei Straßenecken. Ein Mosaik verschiedener Lebenswelten, das Rendezvous mit einer neuen Julia Grosz. Der Fall mäßig spannend.
02.06.2026
22:00
BR
Reihe
Johanna Wokalek, Zinner, Preisendanz, Roll, Kniebe, Dominik Graf. Geld, Gold, Sex und der Tod
Weil sie in ein juristisches Dilemma gerät, setzt Cris Blohm (Johanna Wokalek) bei einem Alleingang nach dem Motto „Frechheit siegt“ ihren Job aufs Spiel. Die Münchener Kommissarin beweist in „Jenseits des Rechts“ (BR / Provobis), ihrem dritten Auftritt in der „Polizeiruf 110“-Reihe, Mut zu einem unkonventionellen Vorgehen, um den Mörder eines jungen Porno-Darstellers zu überführen. Dominik Graf (Regie) und Tobias Kniebe (Drehbuch) nehmen eine schwer verständliche Rechtsprechung zu DNA-Reihentests als Ausgangspunkt für einen unterhaltsamen Genre-Mix, eine vielschichtige und von Hendrik A. Kley herausragend fotografierte Krimi-Ballade über Recht und Moral.
02.06.2026
22:25
3sat
Fernsehfilm
Johann von Bülow, Jeanette Hain, Martin Brambach, Martin Weinhart. Vom Tabu zum Trauma
Das Dokudrama „Robert Lembke – Wer bin ich?“ (SWR, NDR, ORF / megaherz) beleuchtet eine weitgehend unbekannte Seite des beliebten Quizmoderators: Der Gastgeber von „Was bin ich?“ wurde im „Dritten Reich“ als „Halbjude“ eingestuft und verfolgt. Mit seiner Familie hat er offenbar nie darüber gesprochen. Das verschwiegene Trauma belastet seine Nachkommen bis heute. Martin Weinharts Film ergänzt viele Ausschnitte aus der Quizsendung um zeitgenössisches Dokumentarmaterial, aber anstelle von szenischen Rekonstruktionen lässt er die Vergangenheit mit Hilfe von Johann von Bülow als Lembke, Jeanette Hain als Tochter und Martin Brambach als tyrannischer Stiefvater in Interviews lebendig werden.
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Foto: ZDF / Stefanie Leo Eine Weihnachtswunder-Komödie: witzig, märchenhaft schön, clever konzipiert & originell. Kalenberg, Malton & Amft in „Zitronenherzen“
















