TV-Premieren im Juni
und von den Wiederholungen nur das Beste
15.06.2026
23:45
rbb
Reihe
Maria Simon, Lucas Gregorowicz, König, Pietowski, Christian Bach. Weites Land
Eine politisch spitze These stellt Christian Bach in seinem „Polizeiruf 110 – Heimatliebe“ (RBB / Eikon Media) über die kriminellen Unarten der Liebe zur Heimat in den Raum. Ließe sich womöglich das Deutsche Reich in seinen alten Grenzen mit Hilfe des Marktes – sprich: der Kaufkraft der Deutschen – wiederherstellen? Das ist nicht das einzige Befremdliche, das Lenski & Raczek im deutsch-polnischen Grenzgebiet von preußischen „Reichsbürgern“ und ultrarechten polnischen Nationalisten zu hören bekommen. Bachs gut besetztes TV-Debüt ist wie ein Western erzählt und zeichnet sich durch einen für diesen „Polizeiruf“-Ableger so typischen spröden Realismus aus, der Land und Leute, Sprache und Vorurteile stimmig und stimmungsvoll in den Film einbindet. Und im Schlussdrittel wird es richtig spannend.
16.06.2026
12:55
SWR
Fernsehfilm
Heino Ferch, Inka Friedrich, Kirdorf. Der Ehemann im Rundum-Psycho-Check
„Wir brauchen eine Pause“, beschließt die Ehefrau – und tritt eine Gastprofessur an. Der Mann steht doppelt vor dem Nichts. Da ist nicht nur die Angst vor dem Alleinsein, plötzlich wird ihm auch bewusst, was er die letzten 25 Jahre beruflich gemacht hat: unter weiblichem Pseudonym Liebesromane über eine Frau geschrieben. Ob da nicht das eine mit dem anderen was zu tun haben könnte?! Auch wenn Thomas Kirdorf nicht alle Themen gleichermaßen ausspielt: „Keine Ehe ohne Pause“ steckt voller Wahrheiten über den Beziehungsalltag und alte Rollenkollisionen in neuem Gewand. Die Lösungsangebote dieser Degeto-Dramödie sind durchaus überraschend, Inka Friedrich & Heino Ferch sind eine Klasse für sich und der einst als deutscher Bruce Willis Gehandelte in Frauenkleidern ist ein sehr anrührender Held.
16.06.2026
20:15
3sat
Serie & Mehrteiler
Ferch, Auer, Bock, Kling, Kriener, Thomas Berger. Whodunit mit Drama-Mehrwert
Vier Jahre nach dem Mord an einem Teenager ist das idyllisch gelegene Ostseestädtchen Nordholm ein weiteres Mal Schauplatz eines Verbrechens: Ein Familienvater liegt tot am Strand, Ehefrau und Tochter sind wie vom Erdboden verschluckt. Wer Thomas Bergers „Tod eines Mädchens“ (2015) kennt, der hat bei „Die verschwundene Familie“ (Network Movie) mit dem ungleichen Ermittlerduo und mit Heino Ferch & Barbara Auer eine hochkarätige Orientierungsmarke. Autor-Regisseur Berger gelingt der Spagat zwischen Krimi und Drama, zwischen Whodunit und Protagonisten-Psychologie, zwischen Handlung(svielfalt) und Atmosphäre, zwischen Dramaturgie und glaubwürdiger Alltagsnähe. Der Fall lebt vor allem von der subjektiven Sicht der Kommissare und ihrem konsequent gestörten Verhältnis zueinander. Der Film bleibt trotz seiner 180 Minuten durchgängig spannend, nur am Ende gibt es ein paar kleine Ungereimtheiten. Das ZDF-Krimidrama ist sehr stimmig besetzt.
16.06.2026
20:15
WDR
Reihe
Folkerts, Bitter, Trepte, Ehrenberg, Braak. Pädagogisch wertvoll und dabei Krimi genug
Der 75. „Tatort“ mit Ulrike Folkerts, ausnahmsweise ohne Ludwigshafen als Schauplatz, seziert den gewaltsamen Tod eines „Systemsprengers“. Offen aggressive Kinder bringen Eltern und Institutionen an ihre Grenzen. Der Fall übersetzt das brutal deutlich. Als der neunjährige Marlon tot am Boden liegt, zeigt die Kamera Trauer und Erleichterung in den Gesichtern. Schade nur, dass es kein Unfall war. Odenthal & Stern gehen mit einer realistisch anmutenden Mischung aus Nähe und Distanz an den Fall heran. Der Tod des Jungen berührt, aber er wirft sie nicht um. „Marlon“ (SWR) entscheidet sich damit für kriminalistische Professionalität und gegen Ermittlerinnen, die in Not geratene Kinder bei sich aufnehmen und coachen. Kein Spektakel, wenig Tränen, ein guter Fall aus der Mitte der Gesellschaft.
16.06.2026
22:00
NDR
Reihe
Götz George, Feik, Maranow, Rohde, Hajo Gies. Ein Fernsehmythos meldet sich ab
„Der Fall Schimanski“ ist der legendäre (Vorerst-)Abgang des legendären „Tatort“-Ermittlers. Der integre Großstadt-Cowboy gegen den Rest der Welt. Keine andere deutsche Krimifigur regte so sehr zur Mythen-Bildung an wie Horst Schimanski, der „Ruhrpott-Rambo“ mit Schmuddeljacke und „Scheiße“ auf den Lippen. Am Ende zieht er die Reißleine, schwingt sich mit einem Flugdrachen auf – und lässt die kaputte Wirklichkeit hinter sich. Er will sich nicht länger aufreiben lassen von den starren Institutionen & bürokratischen Kleingeistern.
16.06.2026
22:25
3sat
Reihe
Christian Redl, Thorsten Merten, Thomas Kirchner, Kai Wessel. Die Summe der Teile
Für den zehnten „Spreewaldkrimi“ hat sich Autor Thomas Kirchner etwas ganz Besonderes ausgedacht. Ein Anschlag auf Krüger verbannt den Kommissar in eine Zwischenwelt. Mit einem Toten geistert er durch den Spreewald – und versucht, sich zu erinnern an seinen letzten Fall, den er bereits zu Ende ermittelt hatte. Mehr denn je erweckt die Struktur dieser Jubiläumsepisode den Eindruck eines Puzzles, gerät die Form zum Erkenntnisinstrument. Die subjektiven Zugänge zur Geschichte sind in „Zwischen Tod und Leben“ (ZDF / Aspekt Telefilm) vielfältiger, wieder komplexer als in den letzten „Spreewaldkrimis“, komplizierter wahrzunehmen und schwerer zu verstehen sind sie aber nicht. Mehr als nur ein Gag: Einige Darsteller aus den früheren Filmen der Reihe haben Kurzauftritte. Die Bildgestaltung und der lautmalende Score sind phantastisch. Falls die Erinnerung nicht trügt, ist Wessels dritter Beitrag zu der Reihe, was Dramaturgie & Ästhetik angeht, das bisherige Meisterstück.
16.06.2026
23:55
3sat
Reihe
Zehrfeld, Minichmayr, Stötzner, Lars Kraume. Mit Köpfchen und Körpereinsatz
Politthriller im Fernsehen sind selten. Klug gemachte, in denen gesellschaftliche Relevanz weder bloßer Vorwand ist, noch aufgesetzt und beliebig wirkt, sind geradezu eine Rarität. „Dengler – Die letzte Flucht“ gelingt das Kunststück, das Spannungsräderwerk eines Genrefilms mit einem (zeitversetzten) Pharma-kritischen Kammerspiel-Diskurs aufzuladen. Man spürt die Stärke von Schorlaus Vorlage, aus der Grimme-Preisträger Lars Kraume einen Hochspannungsfernsehfilm kreiert hat. Ronald Zehrfeld macht da weiter, wo er in Grafs „Das unsichtbare Mädchen“ aufgehört hat. Und auch Minichmayr ist immer ein Erlebnis!
17.06.2026
02:25
3sat
Serie & Mehrteiler
Ferch, Auer, Bock, Kling, Kriener, Thomas Berger. Whodunit mit Drama-Mehrwert
Vier Jahre nach dem Mord an einem Teenager ist das idyllisch gelegene Ostseestädtchen Nordholm ein weiteres Mal Schauplatz eines Verbrechens: Ein Familienvater liegt tot am Strand, Ehefrau und Tochter sind wie vom Erdboden verschluckt. Wer Thomas Bergers „Tod eines Mädchens“ (2015) kennt, der hat bei „Die verschwundene Familie“ (Network Movie) mit dem ungleichen Ermittlerduo und mit Heino Ferch & Barbara Auer eine hochkarätige Orientierungsmarke. Autor-Regisseur Berger gelingt der Spagat zwischen Krimi und Drama, zwischen Whodunit und Protagonisten-Psychologie, zwischen Handlung(svielfalt) und Atmosphäre, zwischen Dramaturgie und glaubwürdiger Alltagsnähe. Der Fall lebt vor allem von der subjektiven Sicht der Kommissare und ihrem konsequent gestörten Verhältnis zueinander. Der Film bleibt trotz seiner 180 Minuten durchgängig spannend, nur am Ende gibt es ein paar kleine Ungereimtheiten. Das ZDF-Krimidrama ist sehr stimmig besetzt.
17.06.2026
03:55
3sat
Reihe
Christian Redl, Thorsten Merten, Thomas Kirchner, Kai Wessel. Die Summe der Teile
Für den zehnten „Spreewaldkrimi“ hat sich Autor Thomas Kirchner etwas ganz Besonderes ausgedacht. Ein Anschlag auf Krüger verbannt den Kommissar in eine Zwischenwelt. Mit einem Toten geistert er durch den Spreewald – und versucht, sich zu erinnern an seinen letzten Fall, den er bereits zu Ende ermittelt hatte. Mehr denn je erweckt die Struktur dieser Jubiläumsepisode den Eindruck eines Puzzles, gerät die Form zum Erkenntnisinstrument. Die subjektiven Zugänge zur Geschichte sind in „Zwischen Tod und Leben“ (ZDF / Aspekt Telefilm) vielfältiger, wieder komplexer als in den letzten „Spreewaldkrimis“, komplizierter wahrzunehmen und schwerer zu verstehen sind sie aber nicht. Mehr als nur ein Gag: Einige Darsteller aus den früheren Filmen der Reihe haben Kurzauftritte. Die Bildgestaltung und der lautmalende Score sind phantastisch. Falls die Erinnerung nicht trügt, ist Wessels dritter Beitrag zu der Reihe, was Dramaturgie & Ästhetik angeht, das bisherige Meisterstück.
17.06.2026
14:30
rbb
Fernsehfilm
Froboess, Habich, Krappen, Tiefenbacher. Machen Harry & Elly auf Harry & Sally?
1958 war es die große Liebe, doch eine Intrige entzweit das junge Paar. Er entdeckt die Freiheit, sie die Liebe zu Gott. Kann es eine gemeinsame Zukunft geben für den kranken Ex-Roadie und die Ordensfrau? Die ausgedachte Ausgangssituation mit (psycho)logischer Schieflage ist das eine, die Vielzahl zutiefst bewegender, großartig gespielter & inszenierter Szenen, aus denen sich eine Gefühlsspur von großer Wahrhaftigkeit entwickelt, ist das andere. Ganz stark: Froeboess, Habich, Peter Franke und Anna Maria Sturm.
Vergangene Ausstrahlungen im Juni
06.06.2026
09:00
rbb
Fernsehfilm
Seyneb Saleh, Anton Spieker, Plaß, Rogner, Ramesh, Rasper. Mehr als ein Film über die Liebe
Mely und Paul wollen in einer Woche heiraten, jeder einen anderen. Dumm, dass sie sich gerade jetzt begegnen – und ineinander verlieben. Ist das, was den beiden in dem ARD-Fernsehfilm „Nächte vor Hochzeiten“ (ARD Degeto / Fandango Film) passiert, Zufall, Fügung oder gar Schicksal? Autor Sathyan Ramesh hat ein scheinbar völlig unrealistisches Was-wäre-Wenn-Szenario als Ausgangspunkt gewählt, um ein ewig faszinierendes Phänomen zu beleuchten: Wie entsteht Liebe? Unter der sensiblen Regie von Ingo Rasper ist ein lebensklug fesselndes Drama entstanden, das sowohl den Glücksfall einer außergewöhnlichen Liebe als auch die tragischen Momente von Trennungen ernsthaft anvisiert. Dass diese romantische Bestimmungsgeschichte 90 Minuten lang fesselt, ist maßgeblich ein Verdienst von Seyneb Saleh und Anton Spieker. Beide sind für ihre Rollen die perfekten Identifikationsobjekte. So ist Mitgefühl garantiert, und die Hoffnung auf ein Happy End – besonders auf der Zielgeraden – spannender als jeder Thriller.
06.06.2026
20:15
HR
Reihe
Schönemann, Klinge, Lohse, Holle, Wolfrum. Cooler Spannungs-&-Entspannungs-Flow
Die aktuelle Trilogie von „Nord bei Nordwest“ (NDR, Degeto / Aspekt-Telefilm) reiht sich nahtlos an die bislang beste Staffel 2020. Noch immer wird Lona Vogt betrauert. Alles beginnt im lieb gewonnenen, norddeutsch entspannten Erzählrhythmus dieser etwas anderen Donnerstagskrimi-Reihe. Dann erweist sich ein LKA-Mann als eiskalter Killer, die Ministerpräsidentin gerät in Lebensgefahr und außerdem steht der Held unter Mordverdacht. „Der Anschlag“ ist ein Top-Einstieg in die neue Staffel. Der Film ist ein Musterbeispiel für strukturelles, reduziertes, konzentriertes und filmisch ausgefeiltes und spannendes Erzählen. Auch „Conny & Maik“, eine Asphaltwestern-Krimi-Ballade mit ernsthaften Drama-Momenten, kann sich sehen lassen und besitzt den unwiderstehlichen „NBN“-Flow. In dem Film zeigt sich die neue Polizistin im Ort (markant: Jana Klinge) von einer ominösen Seite, darf aber gleich zwei Mal Hauke Jacobs das Leben retten. Ein bisschen ab fällt dagegen – vor allem dramaturgisch – die dritte Episode „Im Namen des Vaters“. Doch spätestens im Schlussdrittel kollidieren zwei Grundplots killercool-packend miteinander und zuvor kommt auch noch die kalabrische Mafia actionreich und bleihaltig ins Spiel, sodass die verwöhnten Fans der Reihe am Ende wieder versöhnt auf baldigen Nachschub hoffen werden.
06.06.2026
„Der folgende Film spielt in den 1960er und 1970er Jahren. Die in einigen Szenen verwendete Sprache kann aus heutiger Sicht diskriminierend wirken“. Oha, denkt man da. Aber so brutal wird`s nicht. Dafür zeigt die dem Film vorangestellte Warnung, was sich geändert hat. Die Frage ist nur: Sind wir endlich sensibilisiert oder verstricken wir uns in Nebenschauplätzen? In „Alice“ (rbb, WDR, Degeto / Neue Schönhauser Filmproduktion) dreht sich viel auch um diese Frage. Der Zweiteiler porträtiert eine scharfzüngige Frau, die die Sprache ihrer männlichen Gegenüber bei Bedarf im Handumdrehen zu ihrer macht und als Machtgehabe entlarvt. Ohne Vorwarnung und bis heute sehr erfrischend. Mit der Rückschau auf ihr Leben widmet die ARD der Journalistin und Frauenrechtlerin Alice Schwarzer einen Spielfilm-Zweiteiler zum 80. Geburtstag. Neben „Alice“ ergänzen zwei Dokumentationen um die Person Schwarzer und den Kampf gegen den §218 das Programm. „Alice“ ist eher historisierende Rückschau als kritische Bilanz. Aktuelle Dispute um Gendersprache, Transsexualität und Burka-Streit spart der Film aus. „Alice“ unterhält mit einer überzeugenden Hauptdarstellerin, für deren Größe jedoch keine Mitstreiterin zur echten Konkurrentin erwachsen darf.
06.06.2026
22:05
ARD
Fernsehfilm
Milena Tscharntke, Franz Hartwig, Dolejs/Heinlein, Till Endemann. Requiem des Todes
„Die stillen Mörder“ (Degeto / Polyphon Pictures) ist ein sehenswertes, bis auf einige Zeitlupenstudien sachlich inszeniertes Thriller-Drama von Till Endemann mit Milena Tscharntke als Anwältin, die für die Kanzlei ihres Vaters einen wichtigen Mandanten vertritt. Dessen Unternehmen besitzt mehrere Altenheime; es liegt eine Anzeige wegen falscher Medikamentierung vor. Bei ihren Nachforschungen gerät die junge Juristin in ein Geflecht aus Profitgier, Verrat und Mord. Eine schwierige Vater/Tochter-Beziehung verleiht der Handlung zusätzliche Komplexität. Natürlich weist der Film, basierend auf wahren Begebenheiten, die der „Spiegel“ aufgedeckt hat, auch auf die Missstände im Pflegesystem hin, aber das trägt er nie vor sich her.
06.06.2026
23:05
WDR
Reihe
Mittelstaedt, Schönemann, Behrendt, Bär. Gefährliche Emanzipation der Büro-Perle
„Franziska“ von Dror Zahavi nach dem Drehbuch von Jürgen Werner ist ein „Tatort“, der ein Genre-Experiment eingeht, wie man es sich öfters wünschen würde. Ein Krimi aus dem Knast. Die gute Seele der Kölner Mordkommission in der Gewalt eines Mörders und Vergewaltigers, der kurz vor seiner Entlassung steht. Ein intensiv gespieltes Katz-und-Maus-Spiel. Eine spannungsreiche Geschichte mit starken Wendungen. Ein diches Kammerspielkrimi mit Psychothriller-Momenten. Es ist der erste „Tatort“, der (nicht zu Unrecht) aus Gründen des Jugendschutzes um 22 Uhr ausgestrahlt werden muss.
05.06.2026
00:40
HR
Fernsehfilm
Schubert, Elkin, Murnberger. „In der Fremde werden Fremde schneller Freunde“
Nach zwei Monaten durchweg sehenswerter Freitagsfilme ist „Saronya Loreley“ (Tivoli Film) der bisherige Höhepunkt auf dem ARD-Fiction-Termin für leichte Unterhaltung in diesem Jahr. Eine Frau steht mit Mitte 40 mitten im Leben – und doch glücklos daneben: Ihr Koffer auf dem Weg nach Tokio, die Mutter im Koma, das Bargeld futsch, das Konto gesperrt. Eigentlich wollte sie mit ihrem Hunsrücker Frauenchor in Japan ein paar Konzerte geben. Jetzt sitzt sie fest in Rüdesheim am Rhein. Dass der Film bestens funktioniert, auch ohne dass sich in den ersten 30 Minuten ein klassischer dramatischer Plot abzeichnen würde, geht neben dem charakterstarken Drehbuch in ganz besonderem Maße auf das Konto von Katharina Marie Schubert. Der Film von Wolfgang Murnberger trägt weder seine Emanzipations-Geschichte vor sich her, noch bemüht er abgegriffene dramaturgische Muster oder Genre-Klischees. Dieser HR/Degeto-Koproduktion gelingt das seltene Kunststück, auf intelligente Weise unterhaltsam zu sein. Dazu gehört, dass die Macher die Geschichte mit Momenten von gesellschaftlicher Relevanz und aktuellen Bezügen unterfüttern. Immer beiläufig, nie ausgestellt. „Sayonara Loreley“ ergeht sich nicht in billigem Rhein-Nostalgie-Bashing. Rüdesheim bleibt Kulisse für einen Sehnsuchtsort und Symbol für Deutschland, dessen Volkswirtschaft ohne seine ausländischen Mitbürger oder Saisonkräfte verloren wäre.
05.06.2026
02:10
HR
Reihe
Anna Fischer, Matthiessen, Letkowski, Buresch, Möhrke. Mafia-Methoden auf der Alb?
Vor eineinhalb Jahren spekulierten wir in der Kritik zu „Die Bestatterin – Der Tod zahlt alle Schulden“ über eine mögliche Reihe, für die dieses schwäbische Landkrimi-Szenario mit Augenzwinkern ausgesprochen geeignet schien. Präsentierte die ARD diesen Film noch als ein Samstagabend-Unikat im Frühsommer (mit solider Quote: 3,87 Mio. Zuschauer = 17,2% MA!), platziert der Sender „Die unbekannte Tote“ (SWR / die film gmbh) nun auf dem Donnerstagskrimi-Sendeplatz zur quotenträchtigsten Jahreszeit. Mord mit süddeutscher Aussicht, aber ohne jede Natur- oder Wetterschönfärberei. Das sehr hohe Niveau zum „Auftakt“ kann der zweite Einsatz von Anna Fischer als kriminalisierende Bestatterin, die es in ihre alte Heimat verschlagen hat, trotz ähnlicher Tonlage und guter Inszenierung nicht ganz halten. Weitere Episoden sind trotzdem wünschenswert, da die Heimatkrimi-Farbe bei der Degeto aktuell nur norddeutsch vertreten ist – und der renommierte Autor Alex Buresch das Potenzial von Bestatter-Milieu, Titelfigur & Fischer noch nicht ausgeschöpft hat.
05.06.2026
22:15
One
Kinofilm
Christoph Maria Herbst, Christiane Paul, Gallenberger. Sex minus Streit gleich Glück
Die Formel für eine funktionierende Ehe ist ganz einfach: Hat ein Paar öfter Sex, als es sich streitet, ist alles im Lot. Bei Paul und Emilia (Christoph Maria Herbst, Christiane Paul) ist das Ergebnis gleich null, allerdings in beiderlei Hinsicht; also beschließt Emilia eine Beziehungs-Pause. Das Drehbuch zu „Es ist nur eine Phase, Hase“ (Degeto / Majestic, Via Film) basiert auf dem Roman von Maxim Leo und Jochen-Martin Gutsch; stellenweise wirkt es wie eine Hommage an die erfolgreichen Kinokomödien der Neunzigerjahre. Florian Gallenbergers Umsetzung entfacht ein wahres Gag-Feuerwerk mit vielen witzigen Slapstick-Szenen; gerade im ersten Akt enthält praktisch jeder Dialogsatz eine Pointe. Erst nach und nach mischt sich eine gewisse Melancholie in die Geschichte. Gespielt ist das alles ohnehin famos.
05.06.2026
23:59
MDR
Serie & Mehrteiler
Koch, Moretti, Bock, Beer, Strauss, Gersak, David Nawrath. Untergang in Graublau
Die Miniserie „Euer Ehren“ (Degeto, ORF / SquareOne Productions, Mona Film) basiert auf dem israelischen Original „Kvodo“ (2017). Sie begleitet den Sturz ihres Helden aus dem Olymp der Aufrichtigen bis zum Kniefall vor dem Feind. Sechs Folgen stricken ein feinmaschiges Netz aus Mitwissern, Profiteuren, Strippenziehern und einsamen Akteuren auf der Suche nach der Wahrheit. Die Unerbittlichkeit der Abwärts-Spirale spiegelt sich in der kalten, farblosen Welt winterlicher Alpentäler und einem Innsbruck ohne Horizont. Passend unterkühlt inszeniert, mit wunderbar eisigen Feinden, top besetzt und hochspannend.
04.06.2026
00:15
ARD
Fernsehfilm
Gause, Hüesker, Sarnau, von Kessel, Franziska Buch. Lernen, einander zu vertrauen
Generationendrama und ungewöhnliche Liebesgeschichte: Im Fernsehfilm „Nach uns der Rest der Welt“ (SWR / Bavaria Fiction) verlieben sich ein schwer kranker Junge im Rollstuhl und eine Klassenkameradin ohne sichtbares Handicap. Im Mittelpunkt steht außerdem das Verhältnis der Teenager zu ihren alleinerziehenden Müttern. Während sich Jonas (Julius Gause) von der Fürsorge der energischen Alma (Anneke Kim Sarnau) eingeengt fühlt, leidet Emily (Lina Hüesker) unter den hohen Erwartungen von Marianne (Sophie von Kessel), die gleichzeitig Jonas‘ behandelnde Ärztin ist. Starke Darsteller-Leistungen in einem emotionalen Drama mit inklusivem Anspruch von Franziska Buch. Eine gelungene Gratwanderung; wobei nicht alle Teile der Geschichte und nicht alle Figuren gleichermaßen überzeugen können.
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