TV-Premieren im Juni
und von den Wiederholungen nur das Beste
19.06.2026
23:59
MDR
Serie & Mehrteiler
Anna Maria Mühe, Wendrich, Schwochow. Verstehenwollen – nicht Verständnishaben!
Die ARD setzt mit dem Mehrteiler „Mitten in Deutschland“ Maßstäbe. Die drei eigenständigen Filme über den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) nehmen, zeitlich und inhaltlich überlappend, drei unterschiedliche Perspektiven (Täter, Opfer, Ermittler) ein. Zum Auftakt erzählen Thomas Wendrich (Buch) und Christian Schwochow (Regie) vom Werdegang des Jenaer Trios Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zwischen 1989 und 2000, von der Wende bis zum ersten NSU-Mord. „Die Täter: Heute ist nicht alle Tage“ ist ein höchst intensives, beklemmendes Porträt der Wende-Generation. Buch und Inszenierung bleiben – konsequent bis an die Grenze zur Erträglichkeit – dicht bei den Figuren, legen Denkweisen und die sich steigernde Gewaltbereitschaft ebenso offen wie die Ratlosigkeit im Umfeld. Die Täter sind differenzierte Charaktere, doch das Verstehenwollen endet nicht im Verständnishaben. Hervorzuheben bei dem rundum beeindruckenden Gesellschaftsdrama sind die vorzügliche Kamera von Frank Lamm und Zschäpe-Darstellerin Anna Maria Mühe.
20.06.2026
Das Matrix-Zeitalter ergänzt klassische philosophische Denkspiele wie „Wer bin ich? Woher komme ich?“ um ungleich existenziellere Überlegungen: Ist die Welt um mich herum echt oder nur eine Simulation? Bin ich womöglich nur eine digitale Kopie meiner selbst? Um diese Fragen kreist auch der faszinierende und für ARD-Verhältnisse ungewöhnlich mutige Science-Fiction-Fernsehfilm „Exit“ (SWR / Sommerhaus): Linus und seine Freunde haben eine Möglichkeit gefunden, Persönlichkeiten zu digitalisieren; auf diese Weise können Menschen mit ihren verstorbenen Angehörigen auch nach deren Tod in Kontakt bleiben. Die vier Firmeninhaber wollen ihr Programm an einen mächtigen chinesischen Unternehmer verkaufen, der den Markt für Hologramme beherrscht. Als Linus zögert, den Vertrag zu unterschreiben, gerät er in ein Komplott, das ihn an der eigenen Existenz zweifeln lässt.
20.06.2026
02:10
One
Fernsehfilm
Sebastian Bezzel, Susanne Bormann, Stüwe, Holger Haase. Doppelt unterhält besser
Hinter dem plumpen Freitagsfilmtitel „Echte Bauern singen besser“ (Degeto / Wüste Medien) steckt eine flotte, höchst unterhaltsame Musikkomödie mit Sebastian Bezzel in einer Doppelrolle als Landwirt, der einem abgehalfterten Sänger zum Verwechseln ähnlich sieht. Holger Haase, Regisseur einer Vielzahl sehenswerter Heiterkeiten für Sat 1, hat dem Film das richtige Tempo gegeben, aber der Star ist natürlich der Hauptdarsteller, denn die Inszenierung weidet sich geradezu am Kontrast zwischen den beiden Hauptfiguren: hier der brave Bauer, eine typische Bezzel-Figur, weil in Sven ein großes Talent schlummert; dort der völlig fertige Musiker, bei dessen Verkörperung der Schauspieler alle nur denkbaren Klischees erfüllt. Der griffigere Arbeitstitel „Wenn schon falsch, dann richtig!“ bezieht sich auf den richtig guten Song, den Sven beim furiosen Finale zum Besten gibt, und wird dem Film eher gerecht.
20.06.2026
12:15
ZDF
Fernsehfilm
Claudia Michelsen, Corinna Harfouch, Kerstin Polte. Weltentwurf statt Genreklischees
Kann ich jederzeit mein Leben noch mal auf Anfang stellen? Ist ein Neubeginn mit über 50 eine neue Chance oder eine romantisch-naive Lüge? Die Hauptfigur in der ZDF-Komödie „Immer der Nase nach“ (U5 Filmproduktion) stellt sich solche Fragen, denn sie steckt in der Krise, und die Angst abgehängt zu werden, lässt sie mitunter panisch reagieren. Die von Claudia Michelsen gespielte Frau wird die Kurve kriegen, aber nicht, weil es die Komödien-Dramaturgie so will, sondern weil sich diese Einzelkämpferin nicht nur weiterhin auf sich selbst verlässt, sondern bei Anderen Inspiration findet – auch bei Jüngeren, die genauso ihr Päckchen zu tragen haben. Kersten Polte & Co gelingt das besondere Kunststück, die kleinen vermeintlich banalen Dinge des Alltags mit den großen Fragen des Lebens zu verbinden, ohne dass daraus banales Ratgeberfernsehen wird. In der Präsentation ist das locker & in der Sache für einen Unterhaltungsfilm sehr bestimmt, aber nie pädagogisch, sondern filmästhetisch wertvoll, mit Phantasie und Liebe zum Detail erzählt: Die Entschleunigung des Alltags, die die Berlinerin für sich entdeckt, bietet sogar ein Stück weit auch dieser lebenskluge Film, ein besonderes Kunststück in einem Medium, das selbst die Hektik des Alltags reproduziert.
20.06.2026
15:30
ARD
Fernsehfilm
Sebastian Fräsdorf, Rohde, Gröschel, Westermann, Sinan Akkus. Launige Komik, tiefe Tragik
Seit Jahren hat ein Sohn keinen Kontakt mehr zu seinem Vater – und nun soll er dem alten Stinkstiefel Unterhalt bezahlen. Zurück in seiner Heimat muss der Wahlhamburger aber auch als Pfleger und Fischer einspringen. Und weil er sein Elternhaus bestmöglich verkaufen will, arbeitet er auch noch am Image des Küstenorts, dem die jungen Frauen fehlen – mit Speed-Dating für heiratswillige Großstädterinnen. Fischer sind jedoch ähnlich schwer vermittelbar wie Landwirte. Jedenfalls die aus dem ARD-Freitagsfilm „Fischer sucht Frau“ (Wiedemann & Berg)… Auch wenn einem die Dramaturgie vertraut vorkommt, ist diese Komödie kein schlichter Unterhaltungsfilm für die Ü60-Zuschauer. Gute-Laune-Szenen wechseln mit Momenten ernsthafter Gefühle. Die Geschichte besitzt einen tragischen Unterboden und sie entwickelt zugleich einen enormen komödiantischen Wohlfühlflair. Auch die Inszenierung überzeugt, die Besetzung ist sympathisch, frisch, und Sebastian Fräsdorf trägt den Film.
20.06.2026
20:15
WDR
Fernsehfilm
Götz George, Zapatka, Elsner, Arango, Heidelbach. Fein gesponnenes Thriller-Netz
„Besondere Schwere der Schuld“ ist ein sich schleichend entwickelnder, mit schwelender Spannung arbeitender Psycho-Thriller von Regisseur Kaspar Heidelbach, in dem sich die Ruhrpott-Grubensiedlungs-Idylle als trügerisch entpuppt und ein Verbrechen neu aufgerollt wird, als der Verurteilte nach abgesessener Strafe wieder auftaucht. Ein Katz- und Maus-Spiel mit Sog-Wirkung, erdacht und geschrieben von Sascha Arango, bei dem man lange im Dunkeln tappt und bei dem das überraschende Ende lange nachwirkt. Die Krönung: ein von Zapatka bis Elsner stimmiges Ensemble und mit Götz George ein Hauptdarsteller, der aus jeder seiner Rollen stets noch eine Nuance mehr herausholt als so mancher Kollege…
20.06.2026
20:15
HR
Serie & Mehrteiler
Krauter, Meckbach, Christensen, Schmidt, Baxmeyer. Üppig-pralle Genre-Unterhaltung
Jan Krauter als deutscher Gast-Kommissar mit Asperger-Syndrom an der Algarve-Küste: „Lost in Fuseta“ (FFP New Media / Degeto) bietet konventionelle, aber spannende Krimi-Unterhaltung um einen Trinkwasser-Skandal in visuell üppiger Verpackung. Holger Karsten Schmidt schrieb selbst das Drehbuch zu seinem eigenen Roman, Regisseur Florian Baxmeyer inszenierte den deutsch-portugiesischen Clash mit humorvollen und dezent romantischen Einsprengseln. Gerne mehr davon, denn die sympathischen Figuren in der von Michael Grabowski wunderbar fotografierten Landschaft machen Laune. So stellt der bildstarke und wendungsreiche Zweiteiler, bei dem die zahlreichen im Ausland spielenden Krimi-Reihen deutlich in den Schatten. Und auch die Länge von 180 Minuten zahlt sich aus…
20.06.2026
21:45
WDR
Reihe
Götz George, Loos, Wimmer, Burlakov, Heidelbach. Schimanskis Moral bleibt Gesetz
Was hat der Tod eines Zuhälters mit Schimanskis Privatauftrag zu tun, die 14-jährige Tochter eines einsitzenden ehemaligen Kiez-Königs zu finden & nach Hause zu bringen? Der Ex-Bulle bekommt es mit einem sogenannten „Loverboy“ zu tun, einem jungen Mann, der blutjungen Mädchen schöne Augen macht, um sie auf den Strich zu schicken oder zu verkaufen. Der Rolling Stone unter den TV-Ermittlern rockt noch immer: eigenwillig und ironisch!
20.06.2026
23:15
WDR
Reihe
Götz George, Feik, Vocks, Wittenburg, Hajo Gies. Ein Mythos wurde geboren
„Duisburg-Ruhrort” markiert den Einbruch der Wirklichkeit ins öffentlich-rechtliche Krimi-Fernsehen. Ein Hauptkommissar, der flucht, poltert und säuft, dessen Ermittlungsmethoden kein bisschen staatstragend sind und der irgendwie nie richtig erwachsen geworden ist: Aus heutiger Sicht lässt sich kaum noch ermessen, wie revolutionär Horst Schimanskis Debüt 1981 war. Für den im Grunde bereits ausgemusterten Götz George, Filmstar aus „Papas Kino“, war das Raubein mit Herz der Beginn einer zweiten noch großartigeren Karriere.
21.06.2026
12:00
HR
Fernsehfilm
Seyneb Saleh, Anton Spieker, Plaß, Rogner, Ramesh, Rasper. Mehr als ein Film über die Liebe
Mely und Paul wollen in einer Woche heiraten, jeder einen anderen. Dumm, dass sie sich gerade jetzt begegnen – und ineinander verlieben. Ist das, was den beiden in dem ARD-Fernsehfilm „Nächte vor Hochzeiten“ (ARD Degeto / Fandango Film) passiert, Zufall, Fügung oder gar Schicksal? Autor Sathyan Ramesh hat ein scheinbar völlig unrealistisches Was-wäre-Wenn-Szenario als Ausgangspunkt gewählt, um ein ewig faszinierendes Phänomen zu beleuchten: Wie entsteht Liebe? Unter der sensiblen Regie von Ingo Rasper ist ein lebensklug fesselndes Drama entstanden, das sowohl den Glücksfall einer außergewöhnlichen Liebe als auch die tragischen Momente von Trennungen ernsthaft anvisiert. Dass diese romantische Bestimmungsgeschichte 90 Minuten lang fesselt, ist maßgeblich ein Verdienst von Seyneb Saleh und Anton Spieker. Beide sind für ihre Rollen die perfekten Identifikationsobjekte. So ist Mitgefühl garantiert, und die Hoffnung auf ein Happy End – besonders auf der Zielgeraden – spannender als jeder Thriller.
Vergangene Ausstrahlungen im Juni
16.06.2026
22:00
NDR
Reihe
Götz George, Feik, Maranow, Rohde, Hajo Gies. Ein Fernsehmythos meldet sich ab
„Der Fall Schimanski“ ist der legendäre (Vorerst-)Abgang des legendären „Tatort“-Ermittlers. Der integre Großstadt-Cowboy gegen den Rest der Welt. Keine andere deutsche Krimifigur regte so sehr zur Mythen-Bildung an wie Horst Schimanski, der „Ruhrpott-Rambo“ mit Schmuddeljacke und „Scheiße“ auf den Lippen. Am Ende zieht er die Reißleine, schwingt sich mit einem Flugdrachen auf – und lässt die kaputte Wirklichkeit hinter sich. Er will sich nicht länger aufreiben lassen von den starren Institutionen & bürokratischen Kleingeistern.
16.06.2026
22:25
3sat
Reihe
Christian Redl, Thorsten Merten, Thomas Kirchner, Kai Wessel. Die Summe der Teile
Für den zehnten „Spreewaldkrimi“ hat sich Autor Thomas Kirchner etwas ganz Besonderes ausgedacht. Ein Anschlag auf Krüger verbannt den Kommissar in eine Zwischenwelt. Mit einem Toten geistert er durch den Spreewald – und versucht, sich zu erinnern an seinen letzten Fall, den er bereits zu Ende ermittelt hatte. Mehr denn je erweckt die Struktur dieser Jubiläumsepisode den Eindruck eines Puzzles, gerät die Form zum Erkenntnisinstrument. Die subjektiven Zugänge zur Geschichte sind in „Zwischen Tod und Leben“ (ZDF / Aspekt Telefilm) vielfältiger, wieder komplexer als in den letzten „Spreewaldkrimis“, komplizierter wahrzunehmen und schwerer zu verstehen sind sie aber nicht. Mehr als nur ein Gag: Einige Darsteller aus den früheren Filmen der Reihe haben Kurzauftritte. Die Bildgestaltung und der lautmalende Score sind phantastisch. Falls die Erinnerung nicht trügt, ist Wessels dritter Beitrag zu der Reihe, was Dramaturgie & Ästhetik angeht, das bisherige Meisterstück.
16.06.2026
23:55
3sat
Reihe
Zehrfeld, Minichmayr, Stötzner, Lars Kraume. Mit Köpfchen und Körpereinsatz
Politthriller im Fernsehen sind selten. Klug gemachte, in denen gesellschaftliche Relevanz weder bloßer Vorwand ist, noch aufgesetzt und beliebig wirkt, sind geradezu eine Rarität. „Dengler – Die letzte Flucht“ gelingt das Kunststück, das Spannungsräderwerk eines Genrefilms mit einem (zeitversetzten) Pharma-kritischen Kammerspiel-Diskurs aufzuladen. Man spürt die Stärke von Schorlaus Vorlage, aus der Grimme-Preisträger Lars Kraume einen Hochspannungsfernsehfilm kreiert hat. Ronald Zehrfeld macht da weiter, wo er in Grafs „Das unsichtbare Mädchen“ aufgehört hat. Und auch Minichmayr ist immer ein Erlebnis!
15.06.2026
01:20
BR
Fernsehfilm
Heinz-Josef Braun, Vester, Kronthaler. Der Tod in Zeiten knapper Haushaltskassen
Weil eine Landwirt-Familie auf die Rente und das Pflegegeld der verstorbenen Großmutter nicht verzichten kann, will man sie noch ein paar Monate weiterleben lassen. Mit dieser furiosen, Spaß- und Spannungs-intensiven Ausgangsidee wartet die schwarze Komödie „Schluss! Aus! Amen!“ mit weißblauem Anstrich auf, bevor in der zweiten Hälfte menschlich moralische Töne angeschlagen werden, die nicht in falsche Sentimentalität abgleiten. Degeto-Dauergast Saskia Vester sah man lange nicht so gut und Heinz-Josef Braun, endlich mal in einer Hauptrolle, besticht durch sein sensibles, nuancen- & tonlagenreiches Spiel.
15.06.2026
02:05
3sat
Serie & Mehrteiler
Ferch, Auer, Kling, Thomas Berger. Der Profi, die Betroffenen & ein Ostseedorf
Eine 14Jährige ist ermordet worden und in einem Badeort an der Ostsee entsteht aus Trauer, Wut und Verzweiflung ein Klima, in dem sich Freunde plötzlich vieles zutrauen… Mit seinen 180 Minuten kann „Tod eines Mädchens“ neben dem Ermittlungsstrang auch stärker die Geschichten befreundeter Familien beleuchten. Zu einem Krimi-Drama aber entwickelt sich der ZDF-Zweiteiler nicht. Dafür ist die Psychologie zu dünn & krimiorientiert, und die Inszenierung doppelt zu deutlich das dramatische Geschehen. Oberflächlich betrachtet, als linear erzähltes Mörder-Ratespiel, funktioniert der Film außerordentlich gut. Situationen und Charaktere wecken Neugier, die Spannung hält sich, Auer & Ferch veredeln das Ganze.
15.06.2026
20:15
MDR
Reihe
Michelsen, Gersak, Tonke, Braren, Bertele. Grimme-Preisträger erfüllen Erwartungen
Ein Verdächtiger schweigt, flucht, rastet aus – und gesteht in seiner Raserei nicht nur einen aktuellen Mord, sondern auch einen zweiten, dessen Fall erfolgreich abgeschlossen wurde. Wenig später widerruft er. Daraus ergibt sich für Kommissarin Brasch ein sehr persönlicher Fall, der für sie – zwischen Schuldgefühlen und Lebensgefahr – zu einer besonderen Tortur wird. Und für Claudia Michelsen, Produktionsfirma filmpool fiction und den MDR ist dieser „Polizeiruf 110“ mit dem Titel „Der Verurteilte“ der bisher beste Film des vor allem wegen seiner Hauptdarstellerin stets überzeugenden Reihenablegers aus Magdeburg. Jan Braren hat eine dramaturgisch klug abgespeckte Geschichte entworfen, die Brigitte Maria Bertele mit den ästhetischen Möglichkeiten des filmischen Erzählens atmosphärisch auflädt. Die klugen Vorgaben des Drehbuchs haben aber auch die Schauspieler gekonnt aufgenommen. Neben Michelsen brillieren in dieser hoch spannenden Schuld-und-Sühne-Geschichte, die aus einer konzentrierten, unaufgeregten Erzählung eine immer größere Sogkraft entwickelt, auch die beiden Episodenhauptdarsteller Sascha Gersak und Laura Tonke als Paar des Grauens.
15.06.2026
22:00
HR
Reihe
Prahl, Liefers, Urspruch, Meyer, Schuch, Bertele. Wenn Fehler zu Stärken werden
Der Fall um einen nackten Toten im Wald, Kopf einer Freiland-Kommune, bereitet Thiel Kopfzerbrechen. Denn die DNA-Abgleiche wollen nicht den erhofften Täter ergeben. Im 39. „Tatort“ aus Münster sind die Ermittler und Forensiker weniger souverän als gewohnt und so ergibt ein Malheur das nächste – woraus ein Whodunit der etwas anderen Art entsteht. Es kommt aber nicht nur zu einer tragi(kom)ischen Verkettung unglücklicher Ereignisse, sondern dadurch, dass die durchgängigen Charaktere der Reihe mit ihrer Profession hadern und ihr Selbstwert gehörig leidet, verändern sich die Interaktionen innerhalb des Quartetts grundlegend. Das holt Haller und Schrader aus ihrer Hiwi-Rolle, sprengt die sonst mitunter alberne Typenkomik, erweitert das Verhaltens- und Gefühlsspektrum von Boerne & Co und verschiebt „Rhythm and Love“ (WDR / Bavaria Fiction) auf ein (dramaturgisch) höheres Niveau. Die Qualitäten des Drehbuchs finden ihre kongeniale Entsprechnung in der stimmigen Inszenierung von Brigitte Maria Bertele, die auch bei der Besetzung der Episodenrollen (Wittgenstein, Ziolkowska, Kinski, Giovanetti) ein gutes Händchen bewies.
15.06.2026
23:45
rbb
Reihe
Maria Simon, Lucas Gregorowicz, König, Pietowski, Christian Bach. Weites Land
Eine politisch spitze These stellt Christian Bach in seinem „Polizeiruf 110 – Heimatliebe“ (RBB / Eikon Media) über die kriminellen Unarten der Liebe zur Heimat in den Raum. Ließe sich womöglich das Deutsche Reich in seinen alten Grenzen mit Hilfe des Marktes – sprich: der Kaufkraft der Deutschen – wiederherstellen? Das ist nicht das einzige Befremdliche, das Lenski & Raczek im deutsch-polnischen Grenzgebiet von preußischen „Reichsbürgern“ und ultrarechten polnischen Nationalisten zu hören bekommen. Bachs gut besetztes TV-Debüt ist wie ein Western erzählt und zeichnet sich durch einen für diesen „Polizeiruf“-Ableger so typischen spröden Realismus aus, der Land und Leute, Sprache und Vorurteile stimmig und stimmungsvoll in den Film einbindet. Und im Schlussdrittel wird es richtig spannend.
14.06.2026
01:30
HR
Reihe
Schönemann, Klinge, Lohse, Holle, Wolfrum. Cooler Spannungs-&-Entspannungs-Flow
Die aktuelle Trilogie von „Nord bei Nordwest“ (NDR, Degeto / Aspekt-Telefilm) reiht sich nahtlos an die bislang beste Staffel 2020. Noch immer wird Lona Vogt betrauert. Alles beginnt im lieb gewonnenen, norddeutsch entspannten Erzählrhythmus dieser etwas anderen Donnerstagskrimi-Reihe. Dann erweist sich ein LKA-Mann als eiskalter Killer, die Ministerpräsidentin gerät in Lebensgefahr und außerdem steht der Held unter Mordverdacht. „Der Anschlag“ ist ein Top-Einstieg in die neue Staffel. Der Film ist ein Musterbeispiel für strukturelles, reduziertes, konzentriertes und filmisch ausgefeiltes und spannendes Erzählen. Auch „Conny & Maik“, eine Asphaltwestern-Krimi-Ballade mit ernsthaften Drama-Momenten, kann sich sehen lassen und besitzt den unwiderstehlichen „NBN“-Flow. In dem Film zeigt sich die neue Polizistin im Ort (markant: Jana Klinge) von einer ominösen Seite, darf aber gleich zwei Mal Hauke Jacobs das Leben retten. Ein bisschen ab fällt dagegen – vor allem dramaturgisch – die dritte Episode „Im Namen des Vaters“. Doch spätestens im Schlussdrittel kollidieren zwei Grundplots killercool-packend miteinander und zuvor kommt auch noch die kalabrische Mafia actionreich und bleihaltig ins Spiel, sodass die verwöhnten Fans der Reihe am Ende wieder versöhnt auf baldigen Nachschub hoffen werden.
14.06.2026
01:35
rbb
Fernsehfilm
Axel Prahl, Jonas Nay, Rosmair, Krappen, Jessen. Im Flunkern & Abzocken eine Eins
Wie unwichtig kann doch Handlung sein, wenn zwei liebenswerte Charaktere die Sache in die Hand nehmen und wenn es den Machern gelingt, mit Alltagsbeobachtungen, der Landschaft und den Stimmungen, die sich aus all dem ergeben, eine einfache, kleine, aber wahrhaftige Geschichte zu erzählen. Der Plot von „Vadder, Kutter, Sohn“ braucht keine künstliche Fallhöhe, keine aufgebauschten Konflikte. Hier wirkt alles wie ohne großen Vorsatz hingetuscht. Alle Gewerke leisten vorzügliche Arbeit, selbst das Wetter und die Musik, ob als Handlungsmotiv oder Score, geben dem Ganzen ein stimmungsvolles Passepartout. Und Axel Prahl und Jonas Nay zeigen, wie vielschichtig man doch das Leichte spielen kann.
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Foto: RTL / Mitch Stöhring Feministischer Racheengel: Marie Bloching in der preisgekrönten RTL-Serie „Angemessen Angry“. MeToo-Geschichte im Genre-Gewand!
Foto: NDR / Oliver Feist Ein Serien-Highlight im Dezember 2024: „Finsteres Herz – Die Toten von Marnow 2“ (ARD) mit Petra Schmidt-Schaller & Sascha Geršak
Foto: ZDF / Frank Dicks Sogar im ZDF sind jetzt die Vampire los. Mehr als ein stilvolles Horror-Teenie-Drama: „Love sucks“ mit Damian Hardung & Havana Joy
Foto: ZDF / Stefanie Leo Eine Weihnachtswunder-Komödie: witzig, märchenhaft schön, clever konzipiert & originell. Kalenberg, Malton & Amft in „Zitronenherzen“



















