TV-Premieren im Juli
und von den Wiederholungen nur das Beste
17.07.2026
20:15
ARD
Fernsehfilm
Sebastian Ströbel, Franziska Wulf, Michel Birbaek, Markus Sehr. „Lass uns wieder beste Freunde sein“
Nachdem Mads jede Lebensfreude verloren hat, läuft ihm zufällig seine Sandkastenliebe René wieder über den Weg. Typisch romantische Komödie? Mitnichten. Die Dramedy „Die Beste zum Schluss“ (Degeto / Dreamtool Entertainment) nach dem gleichnamigen Roman tritt vielmehr höchst charmant den Beweis an, dass Männer und Frauen doch nur Freunde sein können. Dem Alltag etwas Grundsätzliches abzutrotzen und das Schwere (Tod, Krankheit) mit ernsthafter Leichtigkeit zu erzählen: darin besteht die große Qualität dieses Films, der so angenehm leise und beiläufig daherkommt – obwohl er doch eine (Beziehungs-)Utopie entwirft, eine Liebes-Glücks-Formel jenseits der Norm. Und auch die Details stimmen: Die Sprache ist alltagsnah, lakonisch und pointiert, locker der Umgang miteinander, die Charaktere sind glaubwürdig, die Kids lustig, und Ströbel & Wulf punkten als Sympathieträger auf den ersten Blick.
18.07.2026
01:05
ARD
Fernsehfilm
Sebastian Ströbel, Franziska Wulf, Michel Birbaek, Markus Sehr. „Lass uns wieder beste Freunde sein“
Nachdem Mads jede Lebensfreude verloren hat, läuft ihm zufällig seine Sandkastenliebe René wieder über den Weg. Typisch romantische Komödie? Mitnichten. Die Dramedy „Die Beste zum Schluss“ (Degeto / Dreamtool Entertainment) nach dem gleichnamigen Roman tritt vielmehr höchst charmant den Beweis an, dass Männer und Frauen doch nur Freunde sein können. Dem Alltag etwas Grundsätzliches abzutrotzen und das Schwere (Tod, Krankheit) mit ernsthafter Leichtigkeit zu erzählen: darin besteht die große Qualität dieses Films, der so angenehm leise und beiläufig daherkommt – obwohl er doch eine (Beziehungs-)Utopie entwirft, eine Liebes-Glücks-Formel jenseits der Norm. Und auch die Details stimmen: Die Sprache ist alltagsnah, lakonisch und pointiert, locker der Umgang miteinander, die Charaktere sind glaubwürdig, die Kids lustig, und Ströbel & Wulf punkten als Sympathieträger auf den ersten Blick.
18.07.2026
20:15
BR
Reihe
Herbert Knaup, Jockel Tschiersch, Johannes Allmayer. Mal lächerlich, mal schlau
„Ocean‘s Eleven“ im schönen Allgäu: „Schutzpatron. Ein Kluftingerkrimi“ ist eine raffinierte Diebesgeschichte um eine kostbare Reliquie, die zweimal gestohlen wird. Ein Heimatkrimi mit viel Witz und gut dosierter Spannung, der von den schrägen Figuren, dem (nicht immer leicht zu verstehenden) Dialekt und kleinen, feinen Nebengeschichten lebt. Wer den sehr speziellen Kommissar mag wird von der fünften Verfilmung der Buchreihe bestens unterhalten.
18.07.2026
20:15
HR
Serie & Mehrteiler
Cox, Loibl, Krauter, Schubert, Oeller, Wieland. Psychosen, Neurosen & sehr viel Wut
Fünf Jahre saß Julia Brandt unschuldig im Gefängnis. Jetzt ist die Studienrätin wieder frei – und sie möchte ihr altes Leben zurück. In dem Krimi-Drama „Unschuldig – Der Fall Julia B.“ (filmpool fiction) geht es um zwei Fragen von Schuld: die juristische und die moralische. Entsprechend erzählt der ARD-Zweiteiler zwei Geschichten parallel: die eines Neuanfangs und die einer Mördersuche. Der Perspektivwechsel ist bereichernd, doch man hätte mehr aus beiden Plots machen können. Insbesondere die Titelfigur bleibt einem – trotz einer gewohnt überzeugenden Emily Cox – seltsam fremd. Umso faszinierender ist der Kommissar, der einen Sack voller Selbstzweifeln schultern muss, Selbstgespräche hält und mit den Toten kommuniziert. Thomas Loibl verkörpert ihn wunderbar. Dramaturgisch indes sind die 180 Filmminuten eher simpel: Nach und nach geraten alle Figuren als Verdächtige in den Fokus der Ermittler. Dieses handlungsintensive Reihungsprinzip erschwert ein stimmungsvolles filmisches Erzählen. Der Whodunit-Flow funktioniert trotzdem, weil der Fall mit seinen multiplen Beziehungen clever konstruiert ist. Langeweile kommt jedenfalls nicht auf.
18.07.2026
21:45
SWR
Reihe
Sawatzki, Tscheplanowa, Limpinsel, Neuwöhner, Eigler. Mehr Stalking-Krimi als Gerichtsdrama
Neuer Anlauf für eine „Verteidigerin“-Reihe in der ARD, diesmal mit Andrea Sawatzki in der Titelrolle. Gleich in der Auftaktfolge „Der Fall Belling“ gerät die Pflichtverteidigerin Lou Caspari in Bedrängnis, weil ihr eine ehemalige Mandantin mit gezielt gestreuten Gerüchten und böswilligen Lügen schwer zusetzt. Valery Tscheplanowa in der Episoden-Hauptrolle einer manipulativen PR-Agentin ist eine Top-Besetzung. Der Film von Martin Eigler (Regie, Drehbuch) und Sönke Lars Neuwöhner (Drehbuch) ist weniger ein Gerichtsdrama, sondern ein Stalking- und Rufschädigungs-Krimi, sehenswert gespielt, streckenweise spannend konstruiert, aber letztlich auch etwas vorhersehbar und am Ende nicht überzeugend aufgelöst. Ein ausbaufähiger Auftakt für die Reihe mit Andrea Sawatzki.
18.07.2026
23:15
BR
Fernsehfilm
Hain, Striesow, Ramesh, von Heland. In die Kirche, dann zusammen in die Kiste
Was tun, wenn man glaubt, endlich die Frau fürs Leben gefunden zu haben – und plötzlich die große, unerreichbare Jugendliebe wie aus dem Nichts auftaucht?! Erst einmal freut man sich. Tut erwachsen. Versucht es mit Freundschaft. Bis man merkt, dass da etwas unerledigt ist. „Göttliche Funken“ ist ein aufgeklärter Liebesfilm, der sich nicht auf den ausgetretenen Pfaden der TV-Romanze bewegt. Die Liebe wird nicht benutzt, sie wird Thema. Maria von Helands Plädoyer für die großherzige Liebe ist mit den traumwandlerisch sicher aufspielenden Hain & Striesow eine filmästhetische Offenbarung (für diesen ARD-Sendeplatz).
19.07.2026
11:55
One
Fernsehfilm
Tukur, Lardi, Antoni, Korff, Kekilli, Wolfgang Panzer. Trauer muss nicht todtraurig sein
Ein Unternehmer beginnt nach dem Tod seiner Tochter ein neues Leben in einem kleinen Ort an der Ostseeküste. „Meeresleuchten“ (WDR / KJ Entertainment, Fireworks Entertainment, Film Manufacturers) ist ein feinfühliger, kluger und unaufgeregter Film über die Trauer und den Umgang mit einem schweren Schicksalsschlag. Statt auf Betroffenheits-Pathos setzt Drehbuch-Autor und Regisseur Wolfgang Panzer auf schnörkelloses Erzählen und leisen Humor. Der von Ulrich Tukur angenehm zurückhaltend gespielte Thomas Wintersperger findet in dem Mikrokosmos des Küstendorfs Halt und schafft gleichzeitig mit der Neueröffnung eines Cafés selbst einen Ankerplatz für die komisch-sympathischen Bewohner. In dieser warmherzigen Inszenierung werden „kleine“ Figuren ganz groß – auch dank einer herausragenden Besetzung (Ursina Lardi, Carmen-Maja Antoni, Hans Peter Korff, Sibel Kekilli, Kostja Ullmann). Ein auf beiläufige Weise hoch emotionaler Film.
19.07.2026
13:15
rbb
Serie & Mehrteiler
Peter Lohmeyer, David Rott, Große, Scharf/Nolting. Hausmänner halten zusammen
Hausmann sein heißt in „Väter allein zu Haus“ nicht: der Mann im Hause sein. Denn das Sagen haben überwiegend die Frauen in dem launigen Mehrteiler „Väter allein zu Haus“ (ARD / Bavaria Fiction) – obwohl die Männer im Mittelpunkt dieser Freitagsabendfilme stehen. Die sehen das ähnlich und nehmen es mit einem Schmunzeln: „Wir warten auf die Frau, die wir lieben, und die sagt uns dann, was wir tun sollen.“ Ja, es geht um die berühmten Geschlechterklischees. Dabei haben Arne Nolting (Buch) und Jan Martin Scharf (Buch & Regie) vor allem den Alltag und dessen Bewältigung im Blick; entsprechend leicht und locker ist das Ganze erzählt, ohne allzu großen Tiefgang zwar, aber auch ohne falsches Botschafts-Bohei und ohne künstliche Dramatisierung. Flüssig und flott ist auch die Inszenierung, mit Ellipsen zur rechten Zeit und gutem komödiantischem Timing. Der Cast ist – in den Startepisoden – exquisit, nur die Heller-als-hell-Ausleuchtung stört ein bisschen.
19.07.2026
20:15
ARD
Reihe
Prahl, Liefers, Urspruch, Meyer, Canonica, Bielefeldt, Bertele. Realpolitische Fiktion
Das weibliche Mordopfer, selbst keine Heilige, bleibt lange Zeit ein Rätsel. Ebenso die Mord-Methode. Erst als „Unter Gärtnern“ (WDR / Bavaria Fiction), „Tatort“ Nr. 45 aus Münster, das typisch deutsche Laubenpieper-Milieu verlässt und sich an den Tisch der Weltgeschichte setzt – sprich: das wiedervereinigende deutsch-russische Treffen der Außenminister Genscher und Schewardnadse 1990 in Münster in den Fokus gerät – kommen Boerne, Thiel & Co den komplexen Zusammenhängen auf die Spur. Was an dieser Krimikomödie mit Politthriller-Zugabe vor allem besticht, sind die narrative & filmische Dichte, die fein ausbalancierten Genre-Tonlagen, das Setzen auf Understatement statt auf knallige Pointen, das gut austarierte feste Ensemble, eine markante Leiche, über den Tod hinaus, dazu noch mit Sybille Canonica top besetzt, und eine intelligente Inszenierung (Regie: Brigitte Maria Bertele), der man die Lust am Sujet und die Leidenschaft am Filmemachen in jeder Szene ansieht.
19.07.2026
23:15
BR
Reihe
Herbert Knaup, Jockel Tschiersch, Johannes Allmayer. Mal lächerlich, mal schlau
„Ocean‘s Eleven“ im schönen Allgäu: „Schutzpatron. Ein Kluftingerkrimi“ ist eine raffinierte Diebesgeschichte um eine kostbare Reliquie, die zweimal gestohlen wird. Ein Heimatkrimi mit viel Witz und gut dosierter Spannung, der von den schrägen Figuren, dem (nicht immer leicht zu verstehenden) Dialekt und kleinen, feinen Nebengeschichten lebt. Wer den sehr speziellen Kommissar mag wird von der fünften Verfilmung der Buchreihe bestens unterhalten.
Foto: ZDF, ORF / Felix Vratny
Foto: ZDF / Fabio Eppensteiner
Foto: ZDF / Andrea Küppers
Foto: ZDF / Thomas Leidig
Foto: SRF / Pascal Mora
Foto: ZDF / Georges Pauly
Foto: SR / Manuela Meyer
Foto: Degeto / NDR / HR / Domenigg / Wesselmann
Foto: SWR / ARD / Volker Roloff
Foto: Mona Film, Barry Films / Netflix Vergangene Ausstrahlungen im Juli
16.07.2026
01:00
MDR
Fernsehfilm
Merlin Rose, Michelsen, von Bülow, Schaller, Braren. Coming out eines 17-Jährigen
Ein 17-Jähriger kann seine homosexuellen Neigungen nicht mehr verleugnen, kann sie aber auch nicht offenbaren. Nach einem Selbstmordversuch bemühen sich die Eltern darum, ihrem Sohn beizustehen, zugleich kämpfen sie mit eigenen Problemen. Ein Familiendrama im Mittelschichts-Milieu, überzeugend von Stefan Schaller inszeniert und stark besetzt: „Aus der Haut“ ist ein neues Werk von Autor Jan Braren, der erneut glaubwürdig über Identitätsfindung und die wechselseitigen Beziehungen in einer Familie erzählt. Doch an die Qualität von „Homevideo“ reicht der Film angesichts einiger schwacher Nebenfiguren nicht heran.
16.07.2026
20:15
ARD
Reihe
Kristin Suckow, Conrad, Köster, Pfeiffer. Noch ein Krimi! Aber sympathisch anders…
„Tod am Rennsteig – Auge um Auge“ (Polyphon) muss sich mit 90 Minuten begnügen; die potenzielle ARD-Krimi-Reihe hat also nur eine Chance. Die aber wird genutzt von Machern, Team und dem Schauplatz Erfurt. Das liegt weniger am abgenutzten Serienmörder-Motiv, dafür umso mehr am Modus der Erzählung: Der Täter wird offen geführt. Dieses Mehrwissen beteiligt den Betrachter aktiv an der Geschichte und macht den Krimi mehr und mehr zu einem Thriller, der es mit dem Nervenkitzel nicht übertreibt. Auch die Guten wissen zu überzeugen. Die unterschiedlichen Ermittlungsmethoden wachsen sich erfreulicherweise nicht zum nervigen, krimiüblichen Kollegenzwist aus. Dass das charmante Äußere einer neu eingeführten Kommissarin zum Auftakt einer Krimi-Reihe (nicht sexistisch!) thematisiert wird, ist ein Novum. Kristin Suckow ist zwar das Gesicht von „Auge um Auge“, aber Bernhard Conrad überzeugt nicht weniger mit seiner introvertierten, anti-heldischen Art des Spiels. Und nachdem der dialogische Gruppenzwang (jeder kriegt seine Frage zum Fall) abgestellt wurde, überzeugt „Tod am Rennsteig“ auch als Film: Es gibt klare Ansagen, keine überflüssigen Dialoge, und es dominiert eine unaufgeregte, an realen Landschaften und Locations orientierte Inszenierung, die die Figuren ins Zentrum rückt.
16.07.2026
20:15
rbb
Reihe
Anna Maria Mühe: Vergewaltigung, Anzeige, Staatsanwaltstermin, Kastration
16.07.2026
20:15
3sat
Reihe
Katharina Wackernagel, Martin Eigler und der zweite Nina-Petersen-Polizeithriller
Überfall eines Geldtransports mit Geiselnahme. „Stralsund – Außer Kontrolle“ beginnt rasant. Im psychologischen, ruhig erzählten Zwischenteil gerät die Polizei in den Fokus, bevor es am Ende noch einmal zur Sache geht. Klug konzipiert, klar im temporären Ablauf, doch nicht ohne Überraschungen im Detail. Die Schauspieler sind funktional besetzt und ordnen sich perfekt dem „System“ unter. Besser als der erste „Stralsund“-Thriller mit Wackernagel!
16.07.2026
22:15
WDR
Reihe
Schönemann, Lohse, Reents, Schmidt/Holle. Trilogie eines angekündigten Todes
Acht Mal waren Tierarzt Hauke Jacobs, seine Assistentin Jule Christiansen & Dorfpolizistin Lona Vogt ein unschlagbares Team und begeisterten von Jahr zu Jahr ein größeres Publikum. Mit trockenem Witz, kluger Genre-Ironie und mit skurrilen bis lakonisch bösen Nebenfiguren emanzipierten sich die Geschichten von „Nord bei Nordwest“ (Degeto / Aspekt Telefilm) zunehmend vom gefälligen Provinzkrimi und dem anfangs auf fremdländische Schauwerte setzenden Donnerstagskrimi. Jetzt gibt es einen Einschnitt. Henny Reents steigt aus der Reihe aus, für sie sind es die letzten drei Filme. Die Autoren Holger Karsten Schmidt und Niels Holle haben alle drei Episoden in eine sehr emotionale Grundstimmung getaucht. Dieser Abgang auf Raten bestimmt in narrativer wie ästhetischer Hinsicht die neuen Episoden der NDR/Degeto-Koproduktion. So ist aus einer Notlage, dem Ausstieg einer Hauptdarstellerin, der bisherige Höhepunkt der Reihe geworden. Eine Trilogie des Todes, die sich Zeit nimmt für Lona Vogts Abschied und daraus für die Geschichte den größtmöglichen Nutzen zieht.
16.07.2026
23:55
rbb
Reihe
Palfrader, Gryllus, Holger Karsten Schmidt. Der Kauz & die Schöne auf Mörderjagd
Krimi-Reihen nach erfolgreichen Buchvorlagen gibt es etliche, schräge Ermittler mit bürgerlichem Beruf auch: Doch dieser Metzger, der sein Geld als Restaurator verdient, hebt sich wohltuend ab vom seriellen Krimi-Einerlei des deutschen Fernsehens. Nach den Büchern des Österreichers Thomas Raab verfilmte die ARD zwei Fälle. Heraus gekommen sind düstere, spannende Filme mit ironisch-bissigem Ösi-Unterton. In der Titelrolle brilliert Robert Palfreder. Mit Herzogs „Der Metzger und der Tote im Haifischbecken“ geht es los.
16.07.2026
23:55
3sat
Reihe
Armin Rohde, Idil Üner, Shenja Lacher, Roland Koch, Lars Becker. Corona im Kopf?
Hamburg im Ausnahmezustand. Ein Orkan mit Windstärke 12 kündigt sich an. Und Erichsen & Co haben alle Hände voll zu tun. Eine schöne, leicht chaotische Plot-Konstruktion hat sich Lars Becker mal wieder für seine „Nachtschicht“ (ZDF / Network Movie) ausgedacht. Nur, der Autor Becker hat bei „Die Ruhe vor dem Sturm“ offenbar alle Corona-Eventualitäten mitgedacht, damit der Regisseur Becker keine bösen Überraschungen während der Dreharbeiten erlebt. Und so gibt es wenige Schauplätze, ein überschaubares Ensemble und innerhalb der Szenen kein „Leben“ neben der Haupthandlung. Dadurch fehlt etwas von dem, was diese wegweisende Krimi-Reihe für gewöhnlich auszeichnet. Dennoch ist dieser Alles-in-einer-Nacht-Krimi immer noch sehr viel cooler – sprich: unkonventioneller, vielfältiger, überraschender – als die unzähligen Krimireihen-Formate, die auf Whodunit setzen. Und zwei Charaktere haben immerhin klassisches „Nachtschicht“-Format, einer davon dürfte ein paar Coen-Brüder-Filme gesehen haben. Denn gemordet wird ebenso schön lakonisch.
15.07.2026
14:00
Arte
Fernsehfilm
Meret Becker, Landau, Lukas, Bading, Deppert, Nana Neul. Großmutter wird wieder Mensch
Mittfünfzigerin Anne (Meret Becker) lebt einsam auf einem brandenburgischen Bauernhof, als eines Tages ihre achtjährige Enkelin (Luise Landau) vor der Tür steht, weil ihre Mutter, Annes Tochter, im Gefängnis sitzt. Rasch ist das Leben der eigenbrötlerischen Frau völlig auf den Kopf gestellt. Zunächst aber ist da die Ankündigung „Familie is nich!“ (ZDF, Arte / Lieblingsfilm), mit der Anne ihre Enkelin gleich mal einzunorden versucht. Der Film ist denn auch weniger ein Familiendrama als das Porträt einer Frau, die sich verändert, von der Vergangenheit löst und sich für andere öffnet, wunderbar verkörpert von Meret Becker. Fazit: eine „kleine“ und unsentimentale Geschichte über drei Generationen eigenwilliger, unkonventioneller, temperamentvoller Frauen. Mit leichten dramaturgischen Holperern.
15.07.2026
14:05
One
Fernsehfilm
Tukur, Lardi, Antoni, Korff, Kekilli, Wolfgang Panzer. Trauer muss nicht todtraurig sein
Ein Unternehmer beginnt nach dem Tod seiner Tochter ein neues Leben in einem kleinen Ort an der Ostseeküste. „Meeresleuchten“ (WDR / KJ Entertainment, Fireworks Entertainment, Film Manufacturers) ist ein feinfühliger, kluger und unaufgeregter Film über die Trauer und den Umgang mit einem schweren Schicksalsschlag. Statt auf Betroffenheits-Pathos setzt Drehbuch-Autor und Regisseur Wolfgang Panzer auf schnörkelloses Erzählen und leisen Humor. Der von Ulrich Tukur angenehm zurückhaltend gespielte Thomas Wintersperger findet in dem Mikrokosmos des Küstendorfs Halt und schafft gleichzeitig mit der Neueröffnung eines Cafés selbst einen Ankerplatz für die komisch-sympathischen Bewohner. In dieser warmherzigen Inszenierung werden „kleine“ Figuren ganz groß – auch dank einer herausragenden Besetzung (Ursina Lardi, Carmen-Maja Antoni, Hans Peter Korff, Sibel Kekilli, Kostja Ullmann). Ein auf beiläufige Weise hoch emotionaler Film.
15.07.2026
20:15
3sat
Reihe
Anna Fischer, Matthiessen, Letkowski, Buresch, Möhrke. Mafia-Methoden auf der Alb?
Vor eineinhalb Jahren spekulierten wir in der Kritik zu „Die Bestatterin – Der Tod zahlt alle Schulden“ über eine mögliche Reihe, für die dieses schwäbische Landkrimi-Szenario mit Augenzwinkern ausgesprochen geeignet schien. Präsentierte die ARD diesen Film noch als ein Samstagabend-Unikat im Frühsommer (mit solider Quote: 3,87 Mio. Zuschauer = 17,2% MA!), platziert der Sender „Die unbekannte Tote“ (SWR / die film gmbh) nun auf dem Donnerstagskrimi-Sendeplatz zur quotenträchtigsten Jahreszeit. Mord mit süddeutscher Aussicht, aber ohne jede Natur- oder Wetterschönfärberei. Das sehr hohe Niveau zum „Auftakt“ kann der zweite Einsatz von Anna Fischer als kriminalisierende Bestatterin, die es in ihre alte Heimat verschlagen hat, trotz ähnlicher Tonlage und guter Inszenierung nicht ganz halten. Weitere Episoden sind trotzdem wünschenswert, da die Heimatkrimi-Farbe bei der Degeto aktuell nur norddeutsch vertreten ist – und der renommierte Autor Alex Buresch das Potenzial von Bestatter-Milieu, Titelfigur & Fischer noch nicht ausgeschöpft hat.
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