Foto: ZDF / Friederike Heß Plötzlich steht eine Totgeglaubte vor der Tür. 15 Jahre nach dem verheerenden Tsunami in Südostasien trifft nun mit tragischer Verzögerung der Rückstrom der Katastrophenwelle eine Gruppe von Freunden und Familienmitgliedern noch einmal und droht, die Existenzen aller Beteiligter von damals zu zerstören. Die ZDF-Drama-Serie „Die zweite Welle“ (Gaumont, Ninety-Minute-Film) erzählt von Beziehungen, die auf einer kriminellen Lüge aufbauen. Nun könnte die wohltemperierte Blase der gemeinsamen Schuld platzen, ausgerechnet durch eine wütende Frau mit noch mehr krimineller Energie. Der größte Reiz dieser packenden Ensemble-Drama-Serie (Buch: Sarah Schnier) liegt in den ambivalenten Charakteren: Stets muss der Zuschauer seine Sympathien & Antipathien neu überdenken. Hilfreich dabei: Das Personal ist überschaubar, das Beziehungsnetz entsprechend dicht geknüpft & dynamisch. Und so entwickelt sich aus dem Konflikt zwischen böser Aussteigerin und westlicher Wohlstandsgesellschaft ein soghafter Serien-Flow. Einziger Nachteil: Die Dramatik und der hohe Spannungsfaktor lassen den Regisseur:innen André Erkau und Friederike Heß wenig Raum für filmisch-atmosphärisches Erzählen, wie man es aus US-Drama-Serien kennt.


