Foto: WDR / Martin Valentin Menke Eine hoch komplexe und entsprechend schwer zu bewältigende emotionale Gemengelage steht im Zentrum des ARD-Fernsehfilms „Unser Kind“ (Heimatfilm). Vier Menschen wollen „nur das Beste“ für ein kleines Kind, deren leibliche Mutter gestorben ist. Das ist möglich und taugt zur Tragödie, weil das Abstammungsrecht mit dem liberalen Familienrecht nicht Schritt gehalten hat. Durch seine undramatische, realistische Erzählweise lässt sich der Film über Adoptions- und Umgangsrecht, um die Rechte von Samenspendern, Leihmüttern und das vielzitierte „Kinderwohl“ auch lesen als ein Film über die Formen der Trauer, über die schmerzhafte Lücke, die der Tod für die Hinterbliebenen reißt, als eine aufgeklärte Familientragödie (ohne Buhmänner) oder als ein Film über eine gleichgeschlechtliche Liebe, die im Übrigen denselben Gefährdungen wie eine heterosexuelle Beziehung ausgesetzt ist. Eine erzählökonomisch ausgeklügelte, angenehm Distanz wahrende Rückblendentechnik ist das filmästhetische Herzstück dieser WDR-Produktion, die bis in die kleinsten Rollen vorzüglich besetzt ist. In der Hauptrolle brilliert Susanne Wolff ohne Wohlfühlambition.
