Foto: ZDF / Julia Terjung Lars Kraume konzentriert sich in der Serie zum Bauhaus-Jubiläum auf die Weimarer Gründungsjahre (1919-25). „Die Neue Zeit“ (ZDF / zero one) ist kulturhistorisches Bildungs-Fernsehen samt einer stolzen Parade berühmter Zeitgenossen, von Lyonel Feininger über Else Lasker-Schüler bis Oskar Schlemmer, aber zugleich auch ein sinnliches Gesamt-Kunstwerk, das mit verschiedenen visuellen Elementen, akribischer Ausstattung und musikalischem Schwung die zukunftsweisende Bedeutung des Bauhauses erlebbar macht. Im Zentrum stehen Gründungsdirektor Walter Gropius und die Studentin Dörte Helm, deren angebliche Liebesaffäre dem Film Emotionalität und einen roten Faden gibt. Dass die Darstellung nur auf einem Gerücht beruht, das von der konservativen Bürgerschaft gegen Gropius ins Feld geführt wurde, macht die Sache allerdings fragwürdig. Wie im Fernsehfilm „Lotte am Bauhaus“ geht es in der auch auf eine internationale Verwertung ausgerichteten Serie um die Stellung der Frau in der jungen Weimarer Republik und um das Ringen einer neuen Generation mit den alten Kräften des nationalistisch gesinnten Bürgertums, um visionären Aufbruch und Weltoffenheit wider rückwärtsgewandtes Denken – womit Autor-Regisseur Kraume einen starken aktuellen Zeitbezug herstellt. Überzeugend: August Diehl & Anna Maria Mühe.
