Kann ich jederzeit mein Leben noch mal auf Anfang stellen? Ist ein Neubeginn mit über 50 eine neue Chance oder eine romantisch-naive Lüge? Die Hauptfigur in der ZDF-Komödie „Immer der Nase nach“ (U5 Filmproduktion) stellt sich solche Fragen, denn sie steckt in der Krise, und die Angst abgehängt zu werden, lässt sie mitunter panisch reagieren. Die von Claudia Michelsen gespielte Frau wird die Kurve kriegen, aber nicht, weil es die Komödien-Dramaturgie so will, sondern weil sich diese Einzelkämpferin nicht nur weiterhin auf sich selbst verlässt, sondern bei Anderen Inspiration findet – auch bei Jüngeren, die genauso ihr Päckchen zu tragen haben. Kersten Polte & Co gelingt das besondere Kunststück, die kleinen vermeintlich banalen Dinge des Alltags mit den großen Fragen des Lebens zu verbinden, ohne dass daraus banales Ratgeberfernsehen wird. In der Präsentation ist das locker & in der Sache für einen Unterhaltungsfilm sehr bestimmt, aber nie pädagogisch, sondern filmästhetisch wertvoll, mit Phantasie und Liebe zum Detail erzählt: Die Entschleunigung des Alltags, die die Berlinerin für sich entdeckt, bietet sogar ein Stück weit auch dieser lebenskluge Film, ein besonderes Kunststück in einem Medium, das selbst die Hektik des Alltags reproduziert.

