Die Mafia sucht die Isar-Metropole heim. Trotz Ornella Muti als Gast-Star und einen Ausflug nach Bella Italia erreicht das 90-minütige "SOKO 5113"-Special "Vendetta" nur selten Prime-Time-Niveau. Die Machart entspricht dem gängigen Vorabendkonzept: Gespräche mit Ausrufezeichen, bedeutungsvolle Blicke, Ermittlungen aus dem Stand. "Derrick"-like!
Gelegentlich bekommen die diversen SOKO-Teams des ZDF die Chance zu einem 90-minütigen Special. Dieses Mal ist die Münchner „SOKO 5113“, seit letztem Jahr mit Gerd Silberbauer als neuem Chef, an der Reihe. Es beginnt alles wie immer mit einer Leiche. „Eine Hinrichtung“, meint Kollege Renner und als sich dann noch eine italienische Staatsanwältin in der Isar-Metropole einfindet, ist die Richtung vorgegeben: die Mafia hat das Wort. Ins Visier der Kommissare gerät ein unbescholtener Uni-Dozent – mit kleinem Gehalt und großem Haus. Ist dieser Antonio Mori ein Strohmann für die kriminellen Geschäfte des Restaurantbesitzers Rocco Santarella, dem man eine Verbindung zur Mafia nachsagt?
Die „SOKO“-Mutterserie schafft ihre Bewährungsprobe zur Prime-Time nur bedingt. Es wird geredet, statt gehandelt. Ermittlungsarbeit findet zunächst in Dialogen und in geschlossenen Räumen statt, wo die Ergebnisse im wahrsten Sinne des Wortes auf den Tisch kommen. Erst mit der italienischen Mafia-Jägerin, die ein doppeltes Spiel spielen könnte, und dem sympathischen Mörder aus Freundschaft, dessen Leben in Gefahr gerät und der als Kronzeuge angeheuert werden soll, erreicht „Vendetta“ annähernd das untere Niveau eines 90-Minüters. Dass der Zuschauer den Mörder kennt, aber nicht die Absichten jener von Ornella Muti gespielten Lavinia Bertone, tut der Spannung gut, die Affäre zwischen Kommissar Bauer und der Signora ist nett anzusehen, aber nicht unbedingt zwingend.
Man spürt es: dieser Krimi muss auf 90 Minuten gepusht werden. Seine Machart aber entspricht dem gängigen Vorabendkonzept: Gespräche mit Ausrufezeichen, bedeutungsvolle Blicke, Ermittlungen aus dem Stand. Verlängert man das auf 90 Minuten fällt diese (mindere) Qualität umso deutlicher ins Auge. Da erkennt man die dünne Handlungsstruktur und die dramaturgischen Klischees, mit denen sie notdürftig zusammengehalten wird. Das Manko dieses Krimis sind die Figuren. Blutsbrüderschaft und Verlust der Liebsten durch die Mafia werden in die Story integriert, aber nicht wirklich thematisiert. Da nutzt auch keine Reise gen Süden – wenngleich der Showdown am Hafen einer der aufregenderen Momente von „Vendetta“ ist. Einmal mehr gilt: Es kommt nicht immer auf die Länge an!