collina Filmproduktion präsentiert einen Film von Max Färberböck & Ulrich Limmer
Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD
Eine sozial engagierte Ärztin ohne Facharztprüfung und ein Schönheitschirurg in spe müssen sich mit schrägen Kiez-Patienten herumschlagen – und mit der konträren Lebenseinstellung des Kollegen. „Auf Herz und Nieren“ wirkt ein bisschen wie „Edel & Starck“, ins Arztmilieu verpflanzt. Auch hier mit Stappenbeck & von Pufendorf ein Top-Duo, dem man gerne durch das etwas ausgedachte Serien-Szenario folgt. Die Figuren sind vereinfacht, typisiert – und ihr Handeln ist dennoch nachvollziehbar. Bereits die Startepisode gibt ein Versprechen.
Foto: Sat 1 / Conny KleinVerschiedene Vorstellungen vom Leben! Meder, Stappenbeck, von Pufendorf, Dörfer
„Die Hälfte der Leute können wir gleich nach Hause schicken. Das sind Kassenpatienten. Die haben nichts, die bringen nichts – und tschüss!“ So macht sich David Heller bei seinem „Aushilfsjob“ als praktischer Arzt keine Freunde. Auch Nina Hansen ist wenig erbaut über ihren neuen Kollegen. Ihr Onkel hatte die Praxis geführt, die sie in zwei Jahren nach der Facharztprüfung übernehmen soll. Doch der hat plötzlich große gesundheitliche Probleme. Da taucht dieser jungdynamische Dr. Heller auf – und rettet dem Alten das Leben. Auch bei anderen Patienten hat er ein glückliches, geradezu magisches Händchen. Er behält einen kühlen Kopf und weiß immer, was zu tun ist. Dabei wollte Heller doch gar nicht den Heiler spielen und schon gar nicht Kassenpatienten im Kiez betreuen, sondern nach kostspieliger Ausbildung endlich angemessen Geld verdienen – als Schönheitschirurg. Doch als sein neuer Arbeitgeber verhaftet wird, nimmt er den Job notgedrungen an – vorübergehend. Für Nina, die ihren Freund durch einen Unfall verloren hat, eine Prüfung mehr: zwar erkennt auch sie, dass dieser Schnösel ein guter Arzt ist, aber mit seiner oberflächlichen Lebenseinstellung kommt sie, die in Entwicklungsländern Dienst geleistet hat, einfach nicht klar.
Max von Pufendorf über das Ärztebild:
„Der Arztberuf ist durch die Arztserien der 80er Jahre heroisiert worden. Später aber sind die 'Götter in Weiß' in Verruf geraten, so dass Ärzte heute für manch einen beinahe schon ein Feindbild darstellen. Ich habe aber großen Respekt vor vielen jungen Ärzten, die sich in Kliniken im Schichtdienst bei viel zu schlechter Bezahlung und jeder Menge Überstunden für ihre Patienten aufopfern. Und ich bin sehr dafür, dass wir dem Arztberuf wieder mehr Respekt entgegenbringen.“
Foto: Sat 1 / Conny KleinDer Schönheitschirurg & die "Sozialmedizinerin". Stappenbeck & von Pufendorf
Soundtrack: u.a. Clash („Should I stay or should I go“), AC/DC, Beautiful South („Perfect 10“), Green Day („Boulevard of Broken Dreams“), Scissor Sisters („I don’t feel like dancing“), Mika („Grace Kelly“), Marilyn Monroe („Kiss me, Tiger“), Oasis („Wonderwall“), Robbie Williams („Let me entertain you“)
Stefanie Stappenbeck über den Schönheitswahn:
„Ich spüre diesen Druck als Schauspielerin auch. Ich bin von Natur aus recht klein und leicht, habe aber ein rundes Gesicht mit runden Augen. Durch die Kamera sieht man ohnehin etwas molliger aus, und bei mir wirkt es dann gleich so, als würde ich acht Kilo mehr wiegen.“
Serien müssen sich warm laufen. Das serielle Prinzip ist vom Kritiker, der oft nur ein, zwei Folgen zur Verfügung hat, nur zu erahnen. Die Sat-1-Serie „Auf Herz und Nieren“ gibt gleich mit der Startepisode ein Versprechen. Die Reaktion nach den ersten 40 Minuten: Man würde gern die zweite Folge nachschieben. Woran liegt’s? Wahrscheinlich ist es der Charme der Protagonisten und dieses nicht ganz so papierne Gegensatzpaar, bei dem man rascher vergisst als bei dem ungleichen Duo der anderen 2012er Sat-1-Serie der leichten Gangart, „ Es kommt noch dicker“, dass so eine Serie eine Kopfgeburt ist, der das Brainstorming vieler Verantwortlicher vorausgeht. Was bleibt, sind vor allem zwei Schauspieler, denen man diese Plot-Setzung, diesen – seien wir ehrlich – Serien-Quatsch abnimmt, ja geradezu abnehmen möchte. Das ausgedachte Szenario wird mit Spurenelementen von Realität (Haltung, Talent, Aussehen, Schlagfertigkeit, Gefühl) angereichert. Die Figuren sind vereinfacht, typisiert – aber sie sind trotz ihrer (ästhetischen) Reduziertheit nachvollziehbar. Daraus ergibt sich eine stimmige Einheit aus Fiktion, Rolle und Schauspieler-Image. Hat es einmal klick gemacht, nehmen wir diesen Figuren alles ab. Am Rande wird es in dieser Serie noch um anderes gehen: um die Zweiklassenmedizin und die Angst vor ihr. Zumindest unterschwellig. Und es wird natürlich und vor allem um das Spiel der Geschlechter gehen, das immer auch ein Spiel von Werten und Haltungen ist. „Edel & Starck“ machte dieses Prinzip für das Anwaltsmilieu produktiv. „Der letzte Bulle“ übertrug es auf den Krimi. „Auf Herz und Nieren“ belebt damit nun das Arztgenre, ohne dabei schräg und absurd im Comedyfach zu wildern wie „Doctor’s Diary“. Bleibt abzuwarten, ob „Auf Herz und Nieren“ diese Versprechen einlösen wird.
Foto: Sat 1 / Conny KleinSchnöselig, aber als Arzt ein Naturtalent: David Heller (von Pufendorf). Bartholomäi
Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr
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