Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD
Vier neue Folgen der Kultserie „Franzi“ versüßen das TV-Sommerloch. Die Auftakte-Episode „Zimtschlappen“ ist gewohnt launig – aber nicht unbedingt superb. Die wohlbekannten Beziehungsspielchen der handlungstragenden Kleinstadt-thirtysomethings werden mal wieder lustvoll herbeizitiert, aber Franzis westfälischer Nachbar nervt nicht nur die Gäste...
Foto: BR / Meike BirckFranzi (Jule Ronstedt) fühlte sich schon mal besser. Liegt es daran, dass die Mama mit ihrem Lover unerwartet aus Island heimgekehrt ist und bei ihr wohnen will?
„Franzi“ ist wieder da! „4. Staffel“ – das ist allerdings ein bisschen zu viel versprochen. Denn auf dem Programm stehen gerade mal vier neue Folgen des bayerischen Serienschmankerls, das regelmäßig seit 2009 das (Früh-)Sommerloch im Dritten des BR dem Zuschauer erträglich macht. 25 Minuten „Franzi“ am Freitagabend – das ist für viele Zuschauer im Bayernland ein Muss wie die Weißwurst zum zweiten Frühstück. Für Peter Bradatschs Erdinger Geschichten, die der junge Regisseur Matthias Kiefersauer frisch und temporeich in Szene setzt(e), gab’s Kritikerlob und den Deutschen Fernsehpreis. Die Tradition trifft auf den Zeitgeist, Lederhose auf Laptop – und Erwachsensein und Reife nehmen auch in der süddeutschen Provinz oftmals seltsame Formen an. Die Hauptfiguren hängen ihrer Jugend nach – Aufbruchsstimmung allerorten. So ist der Lover von Franzis Mama nicht älter als ihre Tochter. Das Kleinbürgertum kennt längst nicht mehr nur die Arbeit; die urbanen Werte sind in Erding angekommen. Anders zwar, doch a bisserl Selbstverwirklichung muss schon sein!
Foto: BR / Meike BirckFranzi (Jule Ronstedt) und Herr Puchalski (Eckhard Preuß) suchen ausgerechnet am Eröffnungstag des Mode-Salons in eben diesem ein Meerschweinchen. Und was soll wohl die Schultüte, die ihr der geliebte Werner alias "Flocki" geschenkt hat, bedeuten? Szene aus der relativ schwachen Auftaktfolge "Zimtschlappen". Vom BR gab's für den Kritiker nur diese eine Folge. Daraus ergeben sich die (nur!) 3,5 Sterne!
Mit der Folge „Zimtschlappen“ startet diese neue Mini-Staffel gewohnt launig – aber nicht unbedingt superb. Ein Traum wird wahr: Franzi eröffnet einen eigenen kleinen Mode-Laden. Doch das Einweihungsfest steht unter einem schlechten Stern. Ein nervender Nachbar sucht ein Meerschweinchen in Franzis Fashion-Shop und mischt nicht nur die Gäste auf. Auch „Flockis“ Intrigenspiel kommt durch jenen Herrn Puchalski ans Tageslicht. Offenbar befürchtet dieser, dass ihm seine Franzi zu selbstständig wird. Diese Beziehungsspielchen, Manipulationen inklusive, auch das, was Freundschaft heißt in einer bayerischen 35.000-Einwohner-Gemeinde bringt auch diese Folge wunderbar leicht und beiläufig zum Ausdruck. Doch der Westfale Puchalski, gespielt von Eckhard Preuss, nervt nicht nur die Gäste. Was soll dieser Dialekt?! Solche Vordergründigkeiten ist man von der Serie nicht gewohnt. Es wird Zeit, dass die Schneeberger als Franzis Mutter mal wieder vorbeischaut. Und sie wird vorbeischauen. Der Tochter freilich passt das gar nicht in ihr neues Business-Konzept: denn die etwas egozentrische Mama kommt in der vierten und letzten neuen Folge, „Blackout“, abgebrannt aus Island zurück und möchte mit ihrem Hakan bei Franzi einziehen.
Foto: BR / Meike BirckHobbytrompeter Werner (Sebastian Bezzel) weiß, wie wichig Selbstverwirklichung ist, was ihn nicht daran hindert, Franzis Start in die Selbstständigkeit zu behindern...
Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr
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