Mit purer Lust an Anarchie und lakonischem Wortwitz sowie einem liebevoll-präzisen Blick fürs Milieu schickt Franz Xaver Bogner, der Meister der Mundart-Serie, seine Sheriffs vom Marienplatz mitten hinein in das pralle Münchner Leben. Staffel 1 bekam den Grimme-Preis. Vorzügliche Besetzung. Pflichttermin für Freunde intelligent-pfiffiger Unterhaltung!
Foto: ARD / BauriedlFlash-Mob in der Münchner City? Andreas Giebel & die Neubauer in ihrem Element
Mehr als gefällige Unterhaltung hat das neue ARD-Vorabend-Label „Heiter bis tödlich“ bisher nicht hervorgebracht. Den Schmunzel-Krimis mit regionalem Touch mangelt es an Witz und Esprit. Doch jetzt zeigt Autor-Regisseur Franz Xaver Bogner, wie man komödiantisch-menschliche Geschichten erstklassig erzählen kann. Der Meister für Mundart-Serien („Irgendwie und sowieso“) schickt seine Schandis (bayerisch liebevoll für Polizisten) von „München 7“ wieder auf Streife. Zwischen 2004 und 2006 waren die Streifenbeamten Xaver Bartl und Felix Kandler in ihrer Stadt 13 Episoden lang unterwegs – damals im Bayerischen Fernsehen. Schnell erspielte sich die Serie Kultstatus & einen Grimme-Preis gab's obendrauf. Jetzt folgt Staffel 3 im Ersten. Ein Pflichttermin für Freunde intelligent-pfiffiger Unterhaltung.
Foto: ARD / BauriedlDer Xaver (Giebel) ist mehr und mehr Hahn im Korb. Karlheim & Gruber, die Neue!
Mit purer Lust an Anarchie und lakonischem Wortwitz sowie einem liebevoll-präzisen Blick fürs Milieu schickt Bogner seine Cops mitten hinein in das pralle Münchner Leben zwischen Marienplatz und Viktualienmarkt. Nicht die kalkulierte Heimat-Tümelei á la „Dahoam is dahoam“ geht hier in Serie, der Autor und Regisseur verzaubert die Zuschauer mit feinen, kleinen Meisterwerken aus dem bayerischen Mikrokosmos. Bedenken, durch den Sprung vom Dritten ins Erste würde dieses Serien-Kleinod die Kanten verlieren und an Qualität verlieren, sind bereits nach Sichtung der ersten beiden Folgen verflogen. Bogners stilsichere Gratwanderung zwischen komödiantischem Chaos und Klamauk, seine feine Figurenzeichnung und sein Mut, bei der Verwendung des bayerischen Dialekts keinerlei Kompromisse einzugehen, machen „München 7“ zu einem großen Sehvergnügen.
Mit dem Kabarettisten Andreas Giebel als Xaver Bartl und dem Ex-“Marienhof“-Mimen Florian Karlheim ("Sau Nummer vier") als Felix Kandler kann er dabei auf ein eingespieltes, ob seiner Gegensätzlichkeit sich bestens ergänzendes Duo vertrauen. Die eigentliche Hauptrolle aber spielt erneut die bayerische Landeshauptstadt mit ihren Originalschauplätzen. Bogners vorerst acht Episoden drehen sich nicht um Mord und Totschlag, sondern um München und Menschen. Er hat den Blick sowohl für das Alltägliche als auch für skurrile Trends. So widmet sich die Auftaktfolge dem Thema Flash-Mob – denn ein schräger Vogel namens „Event-Charly“ sorgt mit diesen kleinen Volksaufläufen für witzige Momente. Und bei Bogner geht es immer auch um starke Frauen. Gab es bisher deren drei, so kommt in der ersten neuen Folge eine hinzu: „Die Wilde aus dem Süden“. Neben Revierleiterein Thekla (gespielt von der Kabarettistin und Nockherberg-Fastenpredigerin Luise Kinseher), der ehrgeizigen Polizistin Sandra (Julia Koschitz) und Marktfrau Elfi (Christine Neubauer) sorgt ab sofort Monika Gruber als Moni Riemerschmidt für Aufregung im Leben des gutmütigen Schandis Xaver Bartl. Als dessen alte Freundin kehrt sie aus Argentinien heim und verdreht dem Streifenpolizisten gehörig den Kopf. Fortan ist Zickenkrieg zwischen Elfi und Moni angesagt.
Foto: ARD / BauriedlKein netter Plausch. Man achte auf die Körpersprache. Julia Koschitz & Karlheim
Monika Gruber ist so etwas wie der neue bayerische Comedy-Stern, füllt auf der Bühne locker Säle für mehrere tausend Zuschauer, ist immer öfter in Filmen zu sehen (zuletzt in der bayerischen Komödie „Eine ganz heiße Nummer“) und spottet ab Anfang März in einer neuen ZDF-Show über Promis und solche, die sich dafür halten. Christine Neubauer, in den letzten Jahren gefühlt in jeder zweiten Degeto-Schmonzette zu sehen, zeigt sich in „München 7“ von ihrer anderen Seite: als Mimin, die mit zurückgenommen-nuanciertem Spiel und in bestem bayerischen Dialekt da anknüpft, wo sie vor Jahren als Grimme-Preis-Trägerin für die „Löwengrube“ und „Krambambuli“ aufgehört hat. Als Bogner sich dazu entschloss, seine Erfolgsserie – der Hartnäckigkeit der Fans wegen – fortzusetzen, signalisierte Neubauer, dass sie gerne wieder mitwirken würde. Sie tut der Serie gut, und die Serie tut ihr gut.
Man darf gespannt sein, ob „München 7“ für bessere Quoten in der „ARD-Todeszone“ Vorabend sorgen kann. Bei den ersten beiden Staffeln liebten die Zuschauer die Geschichten um die Sheriffs vom Marienplatz mit ihren speziellen Ermittlungsmethoden und Münchner Eigenbrödeleien sowie die herrlich-witzigen Scharmützel auf der Dienststelle München 7.
Foto: ARD / BauriedlBlick für den Alltag und für skurrile Trends: "München 7" mit Giebel und Karlheim
Volker Bergmeister (52) ist seit 25 Jahren TV-Kritiker und Redakteur der Fernseh-Zeitschrift "Gong" in München. Er arbeitet als Moderator und gehört seit Jahren regelmäßig den Jurys und Kommissionen des Grimme-Preises an.
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