Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD
Mick Brisgau will für "seine" Tanja mitdenken, doch die denkt gar nicht daran, sich bevormunden zu lassen. Auch im Privatleben der lieben Kollegen tut sich was und auf dem Revier ist Stühlerücken angesagt. Und stellt sich "Der letzte Bulle" auch zunehmend besser auf das Jahr 2012 ein, wird sein emotionales Verhalten vielschichtiger und scheint er mit den flapsigen Sprüchen vorsichtiger zu sein (oder ist den Autoren weniger eingefallen?), so ist er auch in Staffel 3 ein tougher Typ, der mit dem Bauch denkt und mit den Fäusten spricht. Und Henning Baum verschmilzt mit der Figur zur perfekten deutschen Serien-Schöpfung.
Foto: Sat 1 / Martin RottenkolberWas auch passiert, sein gewinnendes Lächeln verliert der Bulle nicht. Henning Baum
“Ich hab mich in dich verliebt. Und wenn du das Gleiche fühlst – lass’ es uns riskieren.“ Die letzten Worte der zweiten Staffel von „Der letzte Bulle“ sind auch die ersten der dritten Staffel. Frankie goes to Hollywood stimmt „Power of Love“ an – dann fallen Schüsse. Die Psychologin, Mick Brisgaus neue Herzdame Tanja Haffner, wird getroffen. Natürlich nicht tödlich. Die unzähligen Blumen, die der letzte Bulle in der Eingangsszene der ersten neuen Folge besorgt, wird er nicht auf ihr Grab, sondern auf ihr Krankenbett legen – und wenig später wird er sie aus der Reha-Klinik holen. Jetzt muss er für sein „Baby“ denken und er weiß genau, was das Richtige ist. Doch dieses „Baby“ will selbst entscheiden, sich nicht bevormunden lassen. Die private Beziehung scheint nicht weniger kompliziert zu werden, wie vormals die berufliche. Und dann ist da auf einmal dieser „gute alte Freund“ Niklas, der als Arzt in Afrika Schlimmes gesehen hat und sich nun abendfüllend bei „Helferin“ Tanja ausweinen möchte. Da steckt mehr dahinter, wittert Mick zu Recht. Aber auch er hat seine Augen immer öfters auf die Neue aus der PR-Abteilung gerichtet – Christin Wegner.
Foto: Sat 1 / Martin RottenkolberAufatmen, die Blumen sind nicht für Tanjas Sarg... Henning Baum, Proschat Madani
Soundtrack: u.a. Iggy Pop („Real wild child“), AC/DC („TNT“), Tina Turner („Simply the best“), Joe Cocker & Jennifer Warnes (“Up where we belong”), Joe Cocker (“You can leave your hat on”), Culture Club (“Karma Chameleon”), Duran Duran (“Wild Boys”), George Michael (“Faith”), U2 (“I still haven’t found what I’m looking for”), Kool and the Gang (“Celebration”), David Lee Roth (“Just a gigolo”), Blondie (“The tide is high”), Wang Chung (“Dancehall Days”), ZZTop (“La Grange”), Sam Cooke (“Wonderful world”), Queen (“I want to break free”)
Die 13 neuen Folgen von „Der letzte Bulle“ warten neben den launigen, mehr oder weniger beiläufig ermittelten Krimifällen mit etlichen Neuerungen im Gefüge des Essener Kommissariats auf. Ferchert wird zum Head of Communications befördert – und es fragt sich, wer seine Nachfolge antreten wird. Die Entscheidung wird die „Chemie“ auf dem Revier beträchtlich verändern. Auch privat tut sich einiges: Kringge wird Vater – und bekommt von seiner Freundin die Pistole auf die Brust gesetzt. Und was verschlägt Ferchert immer öfters in Uschis Kneipe? Dass bei alldem der coole Held sein verschmitztes Lächeln und seinen (Rabauken-)Charme verliert, ist nicht zu befürchten. Bei dem attraktiven Serien-Zuwachs benötigt er seine lockere Gangart mehr denn je. Mit Suzan Anbeh und Karoline Schuch dürften auch die männlichen Zuschauer noch mehr Lust auf den „Bullen“ kriegen. Für die Mädels ist René Steinke neu im Boot. Sein Niklas bekommt erst mal ein Paar auf die Nase.
Foto: Sat 1 / Martin Rottenkolber"Mein guter alter Freund" (Reinke)... Mick wird bald seine Rechte kreisen lassen!
Produzent Philipp Steffens über das Anfangskonzept:
„Wir wollten eine Serie entwickeln, die deutsch ist, modern erzählt, ohne ein englischsprachiges Vorbild zu haben. Daraufhin kam die Idee für Mick Brisgau, der noch klar strukturierte Werte hat und bei dem die Leute wissen, was sie zu erwarten haben. Letztendlich schlummert tief in ihm der Satz ‚Damals war alles besser’, mit dem sich auch viele Zuschauer identifizieren können. Mit diesem Grundkonflikt bzw. der Frage ‚War damals wirklich alles besser?’ hat alles angefangen.“
Die ersten beiden Episoden sind kurzweilig wie gewohnt. Die 45 Minuten verfliegen wie im Fluge. Die Figuren halten die Handlung, die Songs die Szenen zusammen. Zum Auftakt wird ein Kletterpark-Besitzer ermordet, der in der U-Bahn einen Mann gegen Schläger verteidigt; im zweiten Fall wird eine Consulting-Tussi, die mit Vorliebe Belegschaften wegrationalisiert, vergiftet. „Relevante Themen zu behandeln“, ist für Produzentin Gerda Müller nach wie vor ein Anliegen. Solche Themen ganz selbstverständlich in eine Serie wie „Der letzte Bulle“ einzubauen, ohne dabei das große moralische Fass aufzumachen, wie es beispielsweise der Köln-„Tatort“ zu häufig tut, gehört durchaus zu den Verdiensten dieser Sat-1-Serie. Ihr dickstes Pfund aber ist nach wie vor Henning Baum. Sein Mick Brisgau ist ein stimmiger Serien-Typ. Stellt er sich auch zunehmend besser auf das Jahr 2012 ein, wird sein emotionales Verhalten vielschichtiger und scheint er mit den flapsigen Sprüchen vorsichtiger zu sein (oder sind den Autoren keine guten mehr eingefallen?), so ist er doch nach wie vor ein tougher Typ, der mit dem Bauch denkt und mit den Fäusten spricht. (Text-Stand: 4.1.2012)
Foto: Sat 1 / Martin RottenkolberSucht Mick vielleicht eine "gute neue Freundin". Suzan Anbeh verstärkt den Cast!
Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr
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