DDR 1980, ein Vopo und eine Dissidententochter lieben sich. Die Familien und Vater Staat versuchen, wo es nur geht, die Verbindung zu boykottieren. "Weißensee" ist Familienserie, zeitgeschichtlichtliches Drama und vor allem ein ganz großes Schauspielerereignis. Das Casting ist bis in die kleinste Nebenrolle prefekt. Der Sechsteiler von Friedemann Fromm wagt große Gefühle und besticht durch kleine, intensive Szenen und einen unaufdringlichen Ausstattungsrealismus. Der Vorwurf der "Vermenschlichung" der Täter ist so alt wie das Abbildmedium Film – und greift bei dieser viel zu gut gemachten ARD-Serie nicht. mehr
Über zehn Jahre ist es her, dass "Klemperer - Ein Leben in Deutschland" in der ARD lief. Es war nach längerer Zeit wieder ein Versuch, vom Nationalsozialismus im Serienformat zu erzählen. Die zwölfteilige Drama-Serie basiert auf den Tagebüchern des jüdischen Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Victor Klemperer. In der Kritik der Qualitätspresse kam die Serie von Kai Wessel, Andreas Kleinert und Autor Peter Steinbach ("Heimat") nicht immer gut weg. Lob indes fanden die Hauptdarsteller Matthias Habich und Dagmar Manzel. 3sat wiederholt die Serie vom 12. bis zum 17.9., täglich um 22.25 Uhr. mehr
Zwischen Ehekrise und zweitem Frühling, zwischen Spiritualität und Schönheitschirurgie versuchen vier Lehrerinnen zwischen 44 und 52 Jahren ihrem Leben einen Sinn zu geben. Die Handlung von "Klimawechsel" ist hormongesteuert, die Haltung lebensklug, die Tonlage frisch und respektlos, der Humor angenehm unprüde und gelegentlich köstlich derb, und die Wirkung befreiend. Selten konnte man so viel Spaß haben mit deutscher Komödie! mehr
Vor zwei Jahren liefen die ersten sechs Folgen von „Mord mit Aussicht“ als Versuchsballon montags in der ARD. Es gab gute Kritiken, passable Einschaltquoten und eine Nominierung für den Grimme- wie für den Deutschen Fernsehpreis. Jetzt gibt es die alten Folgen und ab 6.7. einen Nachschlag. Ob Sprachwitz oder szenische Karikaturen – Situationskomik ist der Antrieb, der Krimi ist Nebeneffekt, die schrulligen Figuren sind das Herzstück der Serie. mehr
„Champagner- gegen Bierdosengesellschaft“ nennt Annette Frier die Grundidee ihrer neuen Sat-1-Serie. Anwältin Danni Lowinski geht es materiell kaum besser als ihren Mandanten. Doch diese Rechtsverdreherin mit den höchst unorthodoxen Methoden und polnischen Vorfahren, hat viel von der sprichwörtlichen rheinischen Frohnatur. Sie ist die kleine Schwester von Erin Brockovich. Locker, launig, liebenswert. Viel versprechender Start. mehr
„Freddy Mercury ist tot? Der war schwul?“, wundert sich Mick Brisgau und kann es nicht fassen. Der Polizist lag 20 Jahre im Koma. Die Welt ist seltsam und ungerecht sowieso. Wer weiß das besser als er: 20 verlorene Jahre! Frei nach der britischen Top-Serie „Life On Mars“ stapft er ziemlich selbstzufrieden durch die ersten Folgen, aber seine Trauer wird er nicht los. Besser gut geklaut als schlecht neu erfunden. Baums Bulle hat das Zeug zum Kult. mehr
„KDD – Kriminaldauerdienst“ ist die deutsche Serie, die im vergangenen Jahr die Gemüter am meisten erhitzte. Verbrechen im Minutentakt, aus der Bahn geworfene Polizisten, dazu eine suggestive Filmsprache, wie sie hierzulande so noch nicht zu sehen war. Für die Zuschauer ergab sich: die einen wurden süchtig, die anderen schalteten ab oder gar nicht erst ein. mehr
Das ZDF glaubt, dass es genügend Krimis gibt, bei denen es sich bügeln lässt und startet mit der glänzend besetzten Serie „KDD – Kriminaldauerdienst“ ein hoch spannendes neues Format. Ein Ensemble von sieben Haupt- und mindestens ebenso vielen durchgehenden Nebenfiguren hat man im deutschen TV-Krimi bislang noch nicht gesehen. mehr
"KDD – Kriminaldauerdienst" stellt alles in der Krimiserie hierzulande Gültige auf den Kopf. Die Form bestimmt den Inhalt. Deshalb ist es nur konsequent, auch die Kritik der dritten Staffel auf den Kopf zu stellen. Dramaturgie zuerst, danach die Storys. Wer es lieber deskriptiv statt analytisch mag, der lese die weniger abgehobenen Artikel zu "KDD: Staffel 1" und "KDD: Staffel 2". Die dritte ist die letzte Staffel - und die beste, weil souveränste! mehr
Das organisierte Verbrechen im Fadenkreuz des LKA Berlin. Opfer und Täter, korrekte und korrupte Gesetzeshüter treffen auf die Härte sich gegenseitig bekriegender russischer Mafia-Banden, slawisches Neureichentum stößt auf die naiven Träume ukrainischer Mädchen. Rolf Basedows Geschichten besitzen eine „Seele“ und das Drehbuch eine Qualität, die sich sowohl in brillant erzählten Details als auch in großen Bögen widerspiegelt. Der klassische Polizeifilm wird veredelt durch eine ausgeklügelte multiperspektivische Dramaturgie. Dominik Grafs in jeder Hinsicht überragende Mini-Serie versöhnt Genre-Tradition mit Serien-Moderne. mehr
Die Analyse der ersten Lebenshälfte fällt ernüchternd aus. Gut situierte Familien vor der Zerreißprobe gehen mit "Die Albertis" in Serie. Die beiden 90-Minüter zum Auftakt überzeugen mit Gefühl und sozialer Relevanz, mit größtenteils lockeren Dialogen, frischen Gesichtern & Figuren, deren Geschichten genug Interesse für die Serienfolgen wecken. mehr
„Diese ’Franzi’ hat vielleicht nicht das Zeug zur Kultserie, aber gern haben muss man sie und ihre Figuren auf jeden Fall“, so lautete mein „objektives“ Kritiker-Fazit nach drei Folgen der ersten Staffel. Vier alte und zwei neue Folgen später muss ich mich revidieren. In dieser Serie passt alles – fast wia im richtigen Leben. "Franzi" macht einfach einen Riesenspaß! mehr
Die Mafia sucht die Isar-Metropole heim. Trotz Ornella Muti als Gast-Star und einen Ausflug nach Bella Italia erreicht das 90-minütige "SOKO 5113"-Special "Vendetta" nur selten Prime-Time-Niveau. Die Machart entspricht dem gängigen Vorabendkonzept: Gespräche mit Ausrufezeichen, bedeutungsvolle Blicke, Ermittlungen aus dem Stand. "Derrick"-like! mehr
Eine schöne Bescherung. Da ist Franzi gerade auf dem Sprung in einen neuen Lebensabschnitt, will mit ihrem Liebsten von Hamburg nach Peking ziehen, da kommt ihr – und vor allem ihrem Verlobten – diese dumme Chinesin dazwischen... Auch so können Serien sein, komisch verspielt, undramatisch, ohne das obligatorische Problem pro Serienfolge. mehr
2006 startete die Serie, mittlerweile befindet sie sich in der 6. Staffel (Folge 37-40). Die Psychologie der Täter und Opfer spielt nach wie vor die entscheidende Rolle. Bruno Schumann ist und bleibt einer, der sich einfühlt. Einer, der verstehen will. „Der Kriminalist“ ist eine feste Größe am Freitagabend. Einstündige Krimis mit Hand und Fuß, dichte Mördersuche – klare Bücher, stimmig-stimmungsvolle Inszenierung, gute Schauspieler. mehr
25 Minuten intime Kammerspiele ohne inszenatorischen Firlefanz, ohne Action, ohne Außenaufnahmen. 25 Minuten Rede/Gegenrede, Monologe, Spielchen, Therapie. „In Treatment – Der Therapeut“ ist eine mutige Serie. Kein Produzent, kein Sender würde ein solches Projekt hierzulande wagen. Das liegt auch an der Abneigung der Deutschen gegenüber jenen Seelenärzten. Außer Bloch konnte sich kein TV-Psychologe etablieren. mehr
Zum Auftakt der 10. Staffel von "SOKO Leipzig" gibt es den obligatorischen 90-Minüter. „Terminal A“ ist ein linearer, am Gang der Polizeiarbeit orientierter Ermittlerkrimi mit gepflegter Kriegsanklage. Dialoglastig, gute Gast-Schauspieler, altväterliche Moral. mehr
Diese Serie reißt einen nicht vom Hocker. Hunold & Co dürften schwer gewöhnungsbedürftig sein für Zuschauer unter 50. Annehmbar spielen ohnehin nur die "Gäste". Doch der kriminalistische Ansatz von "Der Staatsanwalt" überzeugt und die gut ausgedachte Auftaktstory über einen Zeugenschutz hält sein Versprechen auf entspannte Spannung. mehr
„Countdown“ lässt sich passabel an. Lebensbedrohliche Momente, Himmelfahrtskommandos, Sekunden vor dem großen Knall – so beginnt jede Folge. Danach springt die Zeit um Stunden zurück. Das die Handlung strukturierende (Zeit-)Prinzip ist inhaltlich wenig zwingend, ist kaum mehr als ein formaler Erzähl-Gag. Allerdings mit nicht unbeträchtlicher Wirkung! mehr
Mit Mitte 50 besinnt sich Gregor Ehrenberg seiner beruflichen Anfängen. Der Anwalt will sich wieder um Menschen kümmern, die es schwer haben, sich im Großstadt- und Gesetzes-Dschungel zurecht zu finden. Der Schauspieler ist prädestiniert für Rollen, in denen Menschen Neuanfänge versuchen. mehr