„Süden“ scheint das zu werden, was früher „Sperling“ war. Unaufgeregte Psychogramme, Krisen- und Milieugeschichten, keine 08/15-Dramaturgie, dafür Atmosphäre und einer, der zuhören kann, der still mit leidet, ohne penetrant den Gutmenschen geben zu müssen.
Foto: ZDF / Erika HauriIhre Art, Liebe zu zeigen. Süden (Ulrich Noethen) und seine Kollegin (Jeanette Hain)
Der Auftakt vor zwei Wochen war ein idealer Einstieg für den „Menschenversteher“ von der Vermisstenstelle der Kripo München. Im zweiten Film (Trailer) der „Kommissar Süden“-Reihe entzauberte nun Dominik Graf den Mythos von der „Weltstadt mit Herz“. Sein Film entfaltete ein breites Panorama, lebte vom Rhythmus einer Stadt, der er am Schneidetisch einen neuen Rhythmus schenkte. Er erzählte von einem Lebensverweigerer, einer Frau, die den Tsunami 2005 nutzte, um ihre Identität zu wechseln, und einem, der öffentlich Luftgitarre spielt. München ist bei Graf und Autor Friedrich Ani eine Stadt kurz vor dem Delirium. Kollege Heuers Alkoholproblem zieht sich wie eine Metapher durch den Film. „Süden“ scheint das zu werden, was früher „Sperling“ war. Unaufgeregte Psychogramme, Krisen- und Milieugeschichten, keine 08/15-Dramaturgie, dafür umso mehr (filmische) Atmosphäre und einer, der zuhören kann, der still mit leidet, ohne penetrant den guten Menschen geben zu müssen. Ulrich Noethen, Martin Feifel und Jeanette Hain bilden ein traumhaftes Trio.
Foto: ZDF / Erika HauriEin Kommissar (Martin Feifel), der mal zum Glas und mal zur Luftgitarre greift. Eine umfassende Analyse zum Ani-Kommissar, der vom ZDF entlassen wurde, HIER
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