„Unter uns“, das klingt wie eine Seifenoper. Doch dieser „Tatort“ aus Frankfurt ist alles andere als das. Wie bereits im ersten Bild des Films, das nichts Gutes erahnen lässt, bleibt die menschenunwürdige „Tat“ einer Familie aus der Nachbarschaft der Kommissare lange Zeit im Dunkeln. Der Amoklauf eines Arbeitslosen schiebt sich zunächst in den Vordergrund. Ein Mann vor den Trümmern seiner Existenz. Eine Tragödie. Die Horror-Familie von nebenan indes nimmt sich ein Opfer aus ihrer Mitte: die Mutter sperrt monatelang die eigene Tochter ein, hält sie wie ein Tier. Eine solche geballte Ladung an Verzweiflung und menschlicher Grausamkeit ist schwer zu ertragen.
Margarethe von Trotta geht an die Grenzen – auch des Genres, „Unter uns“ bleibt dennoch Krimi, einer, den man auch ästhetisch nicht so schnell vergessen wird. Großartig die Poesie der Blicke und eine Kamera, die immer wieder die Gesichter der Figuren sucht, um in deren verletzte und kaputte Seelen zu schauen. Die Kinofrau öffnet die spröde Kommissarin und entlockt Andrea Sawatzki viele magische Momente. So ein Film könnte leicht zur Anklage werden, von Trotta belässt es bei einer beklemmenden Klage, die in einem wunderschön elegischen Gospelsong gipfelt.