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„Der Kommissar und das Meer“ ist nun wieder am Samstag gestrandet. Auch dieser deutsch-schwedische Insel-Krimi des Österreichers Thomas Roth, der elfte der beliebten ZDF-Reihe, lebt von seiner (leisen) Stimmung: das Meer, die Landschaft, das Licht und Walter Sittler – das passt gut zusammen. So klar der Regisseur Roth erzählt, so sehr verzettelt sich aber der Autor Roth in seiner Geschichte – die mal wieder mächtig im Mythologischen wildert.
Foto: ZDF / GrelichSpurensicherung auf Gotland. Walter Sittler, Sólveig Arnarsdóttir & Inger Nilsson
Meeresbiologie zu studieren, ist gefährlich auf Gotland. Ein Student baumelt erhängt an einem Baum, später rafft es noch eine Kommilitonin dahin. Und was hat mit all dem die blonde Professorin zu tun, die im Wald lebt, wenn auch nicht immer allein? Die elfte Folge der Walter-Sittler-Reihe spielt mit Natur-Motiven und Märchen-Metaphern. Die Spannung hält sich in Grenzen, dafür entschädigt wieder die angenehm entspannte Gotland-Atmosphäre... „Der Kommissar und das Meer“ ist eine Art Wanderpokal beim ZDF. Wurden die letzten beiden Folgen im Jahr 2011 noch am Donnerstag ausgestrahlt, ist Kommissar Robert Anders nun wieder zum Samstags-Ermittler geworden. Hilfreich ist eine derartige Unentschlossenheit vom Sender weniger, aber stilistisch bleibt der österreichische Autor und Regisseur Thomas Roth dem Konzept des deutsch-schwedischen Insel-Krimis erneut treu. Das Meer, die Landschaft und das besondere natürliche Licht geben den Filmen eine ganz eigene, leise Stimmung. Und Sittler passt sich mit seinem sparsamen Spiel dem bedächtigen Rhythmus an.
Foto: ZDF / GrelichAnders (Sittler) braucht Familie & Nähe als Ausgleich zur Polizeiarbeit. Hallgren
Doch dem Film mangelt es an interessanten Figuren und einer von Anfang an packend erzählten Geschichte. Der Student, der sich offenkundig im Wald selbst erhängt hat, war der beste seines Jahrgangs, fiel aber durch die entscheidende Prüfung. Damit verpasste er die Chance, einen der wenigen Plätze für die Reise mit dem universitätseigenen Forschungsschiff zu erhalten. Ein trauriges Schicksal, aber noch kein Fall. Nun werden erste Fährten gelegt, Motive ausgebreitet. Kommilitonen stecken verschwörerisch die Köpfe zusammen, der Vater des toten Studenten stößt Drohungen aus. Professorin Anna Norum, die die Prüfungen abnimmt und die Forschungsreise organisiert, wird überfallen, gibt bei der Polizei aber vor, die Verletzungen bei einem Verkehrsunfall erlitten zu haben. Kommissar Anders ist besorgt, weil sie in einem einsam gelegenen Häuschen im Wald wohnt und ihr Mann häufig auf Dienstreise ist. Und als eine Studentin ermordet wird, sind alle irgendwie verdächtig.
Foto: ZDF / GrelichDer Kommissar (Walter Sittler), das Meer und die Frau am Fenster (Lia Boysen)
Thomas Roth erzählt auf verschlungenen Wegen eine Geschichte um Liebe, Eifersucht und Manipulation und verzettelt sich dabei. Der Wald ist hier mal wieder das Symbol für das Bedrohliche und Verborgene, ohne dass er als Motiv besonders bildstark in Szene gesetzt würde. Natürlich muss auch das Privatleben des Kommissars fortgeschrieben werden. Hier gibt es allerdings einige schöne Szenen zwischen dem von seiner Frau verlassenen Vater und seinen beiden heranwachsenden Kindern. Da ist Walter Sittler spürbar in seinem Element. Auch die Beziehung zwischen Anders und Freundin Emma wird auf angenehm beiläufige Art vertieft. Natürlich durch Szenen am Strand und im Meer. Bisweilen glaubt man die frische Meeresluft zu spüren, doch von den leisen Zwischentönen gibt es einfach zu wenig, vom steifen, konventionellen Ermitteln, wie man es aus zu vielen Krimis kennt, zu viel.
Thomas Gehringer, freiberuflicher Journalist aus Köln, schreibt für epd medien, den "Tagesspiegel" und andere regionale Tageszeitungen, Mitglied in Jurys und Nominierungskommissionen des Grimme-Preises.