Tatort – Heimatfront
    • Reihe „Tatort – Heimatfront“

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      Foto: Zieglerfilm

      WEISSENSEE - Staffel 2

      Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD

      Foto: SWR / ORF / Domenigg

      Auf einen Blick: die Top-Fernsehfilm-Premieren im Mai 2013

      BR, 11.06.2013, 20:15 Uhr - Wiederholung

      Brückner, Trepte, von Jascheroff – Afghanistan-Heimkehrer lecken ihre Wunden

      Rainer Tittelbach
      Der „Tatort: Heimatfront“ ist ein Männer-Krimi. Das Thema gibt die Grundtonlage vor: Die Diskrepanz zwischen den Rationalisierungen der jungen Männer und den unterdrückten Emotionen, der Wut und Verzweiflung, ist der dramatische Kern der Geschichte. Die Schauspieler, allen voran Constantin von Jascheroff und Ludwig Trepte, erwecken das tragische Dilemma zwar zum Leben, dem Film, der sich auf Augenhöhe mit seinen Protagonisten bewegt, fehlt aber ein erzählerisches Korrektiv zu seinen Dolchstoßlegenden. Die schlichten Kommissarsgemüter erfüllen diese Funktion nur unzureichend.

      Am Tatort
      Foto: SR / Degeto / Manuela Meyer

      Das ist echt, keine Performance! Gregor Weber, Maximilian Brückner, Lale Yavas

      „Du hast dein Leben riskiert, kommst nach Hause und erfährst, dass alles, was du bisher gemacht hast, falsch war.“ Die vier Jungmänner, die bei ihrem Bundeswehreinsatz in Afghanistan in traumatische Situationen gekommen sind, lecken ihre Wunden. Einer zittert, ein anderer hat ein Bein verloren, Alkohol und Verdrängung regeln das Überleben. Einer von diesen traurigen Helden ist offenbar ein Mörder. Eine Polit-Performerin hat die Videos der Traumtherapie der Soldaten ins Internet gestellt: Zeugnisse ihrer schweren seelischen Nöte mit Heulanfällen, Wutausbrüchen und Panikattacken. Eine aufklärerische Aktion. Die Soldaten sehen darin eine Bloßstellung, eine Verunglimpfung und sie fühlen sich erniedrigt. Jetzt ist die junge Frau tot. Erschossen aus großer Entfernung. Als Täter kommt nur ein Profi in Frage.

      von Jascheroff
      Foto: SR / Meyer

      Lacht nur noch selten.

      Constantin v. Jascheroff
       

      von Jascheroff
      Foto: SR / Meyer

      Bein im Krieg verloren.

      Ludwig Trepte

      Der „Tatort: Heimatfront“ ist ein Männer-Krimi – hilflose Macho-Einlagen und Revierkämpfe inklusive. Das geht vom Thema aus und gibt die Grundtonlage des Films vor: Die Diskrepanz zwischen den rationalen Erklärungen der jungen Männer („Wir sind Soldaten, wir sind stolz und wir haben eine Ehre zu verteidigen“) und den unterdrückten Emotionen, der Wut und Verzweiflung, ist der dramatische Kern der Geschichte. Die Schauspieler, allen voran Constantin von Jascheroff und Ludwig Trepte, erwecken das tragische Dilemma zum Leben. Es ist eine Auseinandersetzung mit dem Krieg und auch mit dem Bild, das die Männer von sich selbst haben. Der von außen Härteste der vier will am wenigsten reflektieren, sondern am liebsten gleich wieder runter nach Afghanistan: er ist Soldat, was anderes hat er nicht gelernt.

      Martin Kiefer
      Foto: SR / Degeto / Manuela Meyer

      Ihm geht es nach Afghanistan extrem dreckig: ertrinkt im Schmerz. Martin Kiefer

      Der Film bewegt sich auf Augenhöhe mit seinen Protagonisten. Das sorgt für physische Nähe und ist doch ein Problem, wenn es um Werte, Haltungen, Ideologien geht. Die Autoren übernehmen – weitgehend unreflektiert – das Bewusstsein ihrer nicht allzu weitsichtigen Protagonisten (das schließt die Kommissare ein, zwei allzu schlichte Gemüter) für den Verlauf der Geschichte. Nicht jeder Film braucht die „weibliche“ Sicht. Diesem „Tatort“ hätte sie gut getan. So dürfen die Frauen bei ihren Kurzauftritten nur schön (Lale Yavas), eiskalt verkopft (die von Julia Jäger gespielte Psychologin) oder lächerlich (Alice Hoffmann) sein. Am Ende behält die Psychologin in ihren knappen Einschätzungen der vier Ex-Soldaten Recht. Dem Täter/Opfer hilft das ebenso wenig wie dem Film. Der lässt sich voll und ganz auf den Macho-Ton ein. In punkto Regie mag das passen. Die kleinteilige Auflösung und die dynamische Inszenierung entsprechen dem Genre. Doch auch dramaturgisch bleibt der Film an der Oberfläche. Am Ende haben es alle schwer, die Afghanistan-Heimkehrer, die Kripo, die SEK-Jungs, und alle lassen die Köpfe hängen. So bleibt „Heimatfront“ ein zu vordergründiger Versuch, den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan ins Krimi-Ambiente zu rücken.

      Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr


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      „Tatort – Heimatfront“
      SR, Degeto / Reihe / Krimi
      EA: 23.1.2011, 20.15 Uhr (ARD)
      Mit Maximilian Brückner, Gregor Weber, Friedrich Mücke, Ludwig Trepte, Constantin von Jascheroff, Martin Kiefer, Robert Gwisdek, Lale Yavas und Julia Jäger
      Drehbuch: Christiane Hütter, Christian Heider; Bearbeitung: Uwe Wilhelm
      Regie: Jochen A. Freydank
      Produktionsfirma: ProSaar Medien Produktion
      Quote: 8,58 Mio. Zuschauer (22,4% MA)


      Bewertung: 3,5 von 6



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