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Der Blick auf den Bodensee gab die Betriebstemperatur des neuen „Tatort“ vor: sie lag weit unter dem Gefrierpunkt! Stahlblau glänzte der Nachthimmel, ein eisiger Wind wehte nicht nur durch die unwirtliche Winterlandschaft, sondern auch durch die Flure jenes Elite-Internats, in dem ein Mitschüler zu Tode kam. „Herz aus Eis“ war ein Film der Charaktere, der Gesichter, der Schauspieler. Klar auch der Stil, glasklar die Bilder. Ein außergewöhnlicher „Tatort“. mehr
Der vierte „Polizeiruf“ aus Rostock rührt im Bodensatz der Gesellschaft – dort, wo man von Hartz IV nur träumen kann, bei Müllsammlern und bei Obdachlosen, die in leer stehenden Plattenbauten hausen. Trotz Armenhaus Ost mit den abstrusen Überlebensstrategien, die die Menschen sich zurechtzimmern, ist von Castelbergs Film kein Trauerkloß-Krimi. Das Ganze ist nicht nur realistisch spannend, sondern bisweilen auch schön schräg und absurd, heutig sozialkritisch – und vor allem die Charaktere sind immer für eine Überraschung gut. mehr
Eine Auktionärin im Liebeskonflikt... So lieblich die Hügel und Berge, so strahlend die Heldin, so belanglos die Story. Die Autorin verzichtet auf jegliche Vertiefung der vermeintlichen Selbstfindungsprozesse und der Regisseur hat nicht den Schneid, den Postkartenansichten und den Inszenierungskonventionen des Genres etwas Eigenes mitzugeben. Es geht um die Sinnlichkeit von Antiquitäten, filmisch vermittelt sich davon allerdings ein gar nichts. mehr
In „Tod im Supermarkt“ nötigt ein hauseigener Sicherheitsbeamte eine Diebin zum Sex. Wenig später ist er tot. Der dritte Film aus der Reihe "Nachtschicht" erzählt visuell sehr viel zurückhaltender als seiner Vorgänger von einem perfiden System sexueller Selbstjustiz. mehr
„Unter Druck“ geraten alle in diesem Köln-„Tatort“ um den Tod eines Controlers. Zwischen Faszination und Ekel ermitteln Ballauf und Schenk im Milieu der Effizienzfanatiker. Zwischen Förderbändern und Hightech-Architektur ist alles aufs Funktionieren ausgerichtet. Ähnlich effektiv sind auch Dramaturgie und Inszenierung. Hoch telegene Locations, eine perfekte (Typen-)Besetzung und viel "Nachtarbeit" überstrahlen den soliden Whodunit. mehr
Lebensmittelvergiftung durch einen Energy-Drink. „Borowski und die Frage von reinem Geschmack“ ist ein ziemlich hanebüchen zusammen geplotteter Whodunit. Der groben Handlung versucht Florian Froschmayers Regie mit gelegentlicher Überinszenierung beizukommen. Alles ist laut, plakativ, unspielerisch, aber wenigstens gibt das erste Zusammentreffen von Borowski und Brandt (Sibel Kekilli) ein Versprechen auf mehr. mehr
„Wo die Liebe hinfällt“ bemüht die Macht des Schicksals und die Ohnmacht der Einbildung. Das ist inhaltlich zutiefst kitschig, doch dieser „Sinn“ bindet die Romanze ästhetisch und gibt ihr ein wenig dramaturgischen Halt. Freitäglichen Dahindöse-Fernsehen mit ansehnlichem Liebespaar, deutsch-österreichischer Heiterkeit und den üblichen Postkartenansichten. mehr
Drei Tote - doch konventionelle Krimi-Dramaturgie darf der Zuschauer auch beim dritten ”Tatort” aus Münster nicht erwarten. Der Krimifall tritt in den Hintergrund. Die Qualitäten liegen eindeutig im gewitzten Miteinander. Das Team um Prahl & Liefers macht Laune. mehr
Sympathisch ist diese fesch bezopfte Frau in Jeans, die jüngste Chef-Ermittlerin in einer deutschen Reihe, deren Chefinnen-Rolle und mehr noch ihre Kompetenz vom Zuschauer keine Sekunde lang in Zweifel gezogen werden dürfte. Das liegt auch an Maria Simon, eine exzellente Drama-Schauspielerin, mit der "stofflich" alles möglich sein wird. Bernd Böhlichs Auftaktfilm ist kein Krimi mit Ausrufezeichen (wie die HR-"Tatort"-Premieren). "Die verlorene Tochter" ist solide, konzentriert, superb besetzt. Böhlich weiß, was Potsdam braucht. mehr
Ein Jubiläum wie aus dem Bilderbuch: Die Figuren als Erfüllungsgehilfen der Handlung werden hin und her geschoben in einem stereotypen Geflecht aus Zufallen, Konflikten und „seltsamen“ Verhaltensweisen. Die Inszenierung orientiert sich nicht an der filmischen Seelen-Ikonographie, sondern setzt auf den schnellen Augenreiz der Postkartenästhetik. In „Der gestohlene Sommer“ glänzen Landschaft, Sonne und Meer mitunter allerdings schon recht verführerisch. Zierl & Co sind okay & das versöhnliche Ende ist ordentlich grundiert. mehr
Ein Säure-Killer geht um in Kiel. In der Kanalisation tauchen Überreste menschlicher Körper auf. Die Opfer zu identifizieren ist schwerer, als die Suche nach dem Täter. Der stellt sich selbst. Ein Priester ausgerechnet, der in seiner Gemeinde größtes Ansehen genießt. mehr
„Föhnlage“ erzählt aus einem Reizklima heraus – entsprechend angespannt ist die Stimmung. Der "Alpenkrimi" von Rainer Kaufmann lebt von der Atmosphäre, vom Eigensinn der Charaktere, von der Absurdität der kriminellen Energie. Ein bisschen herrscht Italo-Western-Stimmung im bayerischen Alpenvorland. Und ein Ösi gibt den de Niro. Ein Bayern-Schmankerl, aber kein Film aus einem Guss wie seine beiden Heimatkrimi-Vorgänger. mehr
Dieses vierte "Solo für Schwarz" von Martin Eigler und Sven Poser, der von einer kaputt gemachten Kinderseele in höchst brutalen, suggestiven Bildern erzählt, ist ein guter Krimi – aber er ist nicht zu gut, um nicht grundsätzliche Fragen stellen zu dürfen: Warum baut das ZDF seinen „Fernsehfilm am Montag“ nach und nach zu einem weiteren Krimitermin aus? Und warum unterliegen eigentlich nur die Privatsender der Freiwilligen Selbstkontrolle?! mehr
"Wilsberg"-Familientreffen hinter Klostermauern. Zwei tote Ordensbrüder, ein paar Witzeleien über deren Triebverzicht und ein Schauplatz, dessen spielerische Möglichkeiten genutzt werden. Dennoch ist „Im Namen der Rosi“ kein Glanzstück der launigen Krimi-Reihe. mehr
„Mord in der ersten Liga“ ist ein Lindholm-Krimi aus der zweiten Liga. Gerade noch den Sohnemann zum ersten Mal ins Stadion ausgeführt – da liegt der Traumtorschütze von Hannover 96 tot im Dreck. Hooligans, Homosexualität in der Bundesliga, Transfer-Gemauschel – gut Gemeintes in banaler Verpackung. Der Krimi bringt die üblichen Verdächtigen ins Spiel, setzt auf Lindholms Alleingänge und inkonsequent ausgespielte Adrenalinkicks. Es fehlt an Tiefe, an Empathie – auch bei Lindholm/Furtwängler. Die Emotionen wirken behauptet, besitzen etwas Kalkuliertes. "Tatort"-Konfektionsware! mehr
Bei Lena Odenthal werden Erinnerungen an die wilden Jugendjahre wach. Ihr Blick verklärt sich. Dass ihre erste große Liebe etwas mit dem Überfall auf einen Geldtransporter zu tun haben könnte - auf die Idee kommt sie zunächst nicht. Kopper gibt den Elvis, sichert den Tatort ab im Glitzer-Las-Vegas-Outfit, während Lena die polizeipsychologische Betreuung übernimmt und das Gesicht von Ulrike Folkerts ungewohnt weiche Züge annimmt. Fazit: Viel Gefühl, eine sehr gute Besetzung, aber ein Fall ohne allzu große Inspiration. mehr
"Auskreuzung" begibt sich ins Innenleben eines Pflanzenforschungsinstituts. Laborproben sind verschwunden. Ein Unfalltod, dann vielleicht doch ein Mord. Deutsche Genforscher unter Druck, Gentechnikgegner aktionsbereit. Ohne die Krimi-Dachmarke hätte dieser halbherzige Themenkrimi keine vier Millionen Zuschauer. Gegen das sterile Ambiente und die umso rustikaler agierenden Kommissare hat selbst einer wie Torsten C. Fischer keine Chance. Einziger Lichtblick: das Spiel von Luise Berndt – wie auf Droge, auf Droge Arbeit! mehr
Zeigten die letzten Emilie-Richards-Verfilmungen Ansätze, sich aus der Kitsch-Falle des ZDF-Sonntagfilms zu befreien, verfällt „Entscheidung des Herzens“ wieder ganz in die Unarten des TV-Melodrams, die das Genre in Verruf gebracht haben. Country-Style ohne Dramaturgie und Seele. Landschaft und Natur als bloße Schauwerte und ein Paar, das mit zwei Gesichtsausdrücken auskommt und das nur die Großeltern gern haben dürften. mehr
Kommissar Kluftinger ermittelt in und um Kempten. Im Allgäu da mordet es sich lustig – und da tötet man gerne mal nach alten Sagen. Diese urige, charakterstarke Kriminalkomödie ist ein seltenes Musterbeispiel für ein anderes Genreerzählen. Wann legte sich zuletzt bei einem Krimi ein solch wohliges Dauerschmunzeln auf die Wangen des Betrachters?! mehr
Ein Rauhaardackel trägt stolz einen Finger Gassi. Der wurde nicht abgerissen, sondern abgebissen – von einer Sau. Ermittlungsarbeit ist schwere Arbeit, von Stall zu Stall, von Bissspur zu Bissspur. Selten machte es mehr Spaß, unzufriedenen Menschen bei der sinnlosen Arbeit zuzuschauen als in Max Färberböcks Provinzkrimi „Sau Nummer vier“ und noch nie war Ermittlungsleerlauf so sexy. Nicht sexy sexy, sondern niederbayerisch sexy. mehr
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