Der Berliner „Tatort“ startet durch. Nach der originellen Hitchcock-Reminiszenz begeben sich Ritter und Stark ins Kunst-Milieu. Der Mythos vom leidenschaftlichen Künstler wird nicht lange bemüht. Max von Thun liegt bald wie ein Kunstobjekt am Tatort: ein toter Fisch in Aspik. Ein großartig besetzter Film, kriminalistisch und vor allem ästhetisch spannend, voller kleiner, tiefer Wahrheiten und mit zwei nachdenklichen Kommissaren ohne Buddy-Pose. mehr
Ein Mord in Leipzig und ein Überfall auf einen Transporter in Köln. Ballauf, Schenk, Ehrlicher und Kain ermitteln die Zusammenhänge der beiden Fälle im zweiten "Tatort"-Doppel. Dramaturgisch ist viel Sand im Getriebe. Statt Krimi-Routine und dem ewigen (Ost-West-)Gewitzel hätte man sich lieber eine realitätsnahere Geschichte gewünscht. mehr
Krimi und politische Kampagne - das ist stärker als sonst ein Stück aus dem Provinz-Kasperle-Theater. Und “Wilsberg” ist Genre-Jux. “Die Mischung aus Krimi und Komödie ist deswegen so erfolgreich, weil dem Zuschauer hier eine unterhaltsame Entlastung von der Kompliziertheit seines Alltags geboten wird”, glaubt Redakteur Martin R. Neumann. mehr
Was didaktisch klingt, vermitteln Autorin Silke Zertz, Regisseur Christoph Stark und Hauptdarsteller Max Bartholomäi in einer schwierigen Doppelrolle sinnlich, subtil und sensibel. „Schattenkind“ variiert das tiefenpsychologische Zwillingsmotiv innerhalb einer Familienkrise und wird zum Plädoyer für das Probleme sprengende Sprechen über Gefühle. mehr
Nach mehrjähriger Suche neuer Wege und nach einigen mittelmäßigen Filmen ist "Rosa Roth" wieder auf Kurs. Autor Thorsten Wettke hat Krimifall, Realität & Genrehaftigkeit klug in eine vielstimmige Handlung gewoben. „Das Angebot des Tages“ steckt voller kleiner Geschichten. Darin ähnelt er ein wenig Lars Beckers Reihe „Nachtschicht“. Die Realität ist immer schon da. Dann kommt die Polizei ins Spiel – und die Realität geht weiter. Guter Look, ein noch besserer Thieme und Iris Berben ist weniger im Bild und doch präsent wie nie zuvor. mehr
Es sollte ein Fall für Kollege Wachutka werden. Der kauzige Kommissar, der Pfaffs Sperling berlinernd zur Seite stand, sollte einen Mädchenhändlerring auffliegen lassen. Doch der Tod des Schauspielers Achim Grubel erforderte ein neues Drehbuch. Autor-Regisseur Thomas Jahn machte Wachutka zum Opfer der Mädchenhändlermafia – und Sperling ermittelt selbst. Und so steht ein besonderer „Sperling“ ins Haus: düster, überraschend, effektvoll. mehr
Richy Müller, Felix Klare & Co treten kein allzu schweres Erbe an. Umso überraschender sind die Frische und die Power, mit der das neue Stuttgart-Team gleich von Beginn an zu Werke geht. Und das liegt nicht nur an zwei starken Schauspielern, sondern auch am Konzept, das biografische Fragen nur anreißt und die beiden Neuen gleich in ihren ersten Fall katapultiert. mehr
Münster ist eine Stadt voller Tradition. Auch die Mörder halten sich hier offenbar an die Geschichte. Der zu Beginn von “Mörderspiele” gefundene verschnürte Frauentorso ähnelt jedenfalls genau der Verpackungsart beim bislang berühmt-berüchtigsten Mord der Nachkriegsgeschichte der Stadt. Es geht gewohnt skurril zu in diesem Boerne-Fichte-“Tatort” aus dem Jahre 2004 um Copykiller, mafiose Trittbrettfahrer und ewige Fahrradklauer. mehr
Anmaßend selbstbewusst bedrängt eine Frau Bloch. Sie will zu ihm in die Psychotherapie. Doch Bloch ist Teil ihres Problems. Sie ist auf ihn fixiert, deshalb kann er sie nicht behandeln. Und doch werden er und seine Lebensgefährtin Clara diese Frau nicht los. Recherche und Handeln VOR Reden und Be-Handeln. Überragend gespieltes Dreiecks-Psychodrama. mehr
Eine Frau ist vom Balkon gestoßen worden. Ihr Verlobter ist fassungslos. Eine Hand voll Verdächtiger gibt sich die Klinke in die Hand – und doch wirkt dieser „Tatort“ nicht wie ein Allerwelts-Whodunit, bei dem die möglichen Täter wie auf einer Kette aufgereiht werden. Die Verbundenheit aller Verdächtigen macht aus dem gut gespielten Krimi um Beziehungs-Probleme, Seitensprünge und Rosenkriege ein Drama der zerplatzten Lebensträume. mehr
In “Crazy Race” geht es um ein illegales Autorennen durch Deutschland. Der Film ist die klassische Nummern-Revue. Das Ensemble als Running Gag. Da eideideit Dirk Bach alles und jeden in Grund und Boden. Da parodiert Ingolf Lück in Feldwebel-Manier den Wahnwitz von “Dr. Seltsam”. Da lässt Dolly Buster einige Spoiler-Fans nicht gut vom Start wegkommen... Zumindest als Ratespiel ist dieses Who is Who der deutschen Spaßkultur gelungen. mehr
„1000 Augen“ ist ein kühler Hochspannungskrimi mit Thriller-Einlagen – frei nach dem Motto „Somebody’s Watching You“. Zwischen realen Autobahnraubzügen und kriminellen Manövern auf der Datenautobahn bewegt sich die neue "Unter-Verdacht"-Episode. mehr
Ein bisschen Columbo und viel Ruhrpott-Mentalität. „Diese Geschichten, die mit ihren direkten Charakteren und ihrem ehrlichen Bezug zur bundesdeutschen Wirklichkeit mitten im Ruhrgebiet beheimatet sind“, die gefallen dem Regisseur Peter F. Bringmann an der Reihe und besonders an „Blutsbande“. Kommissar Lutter als Single unter lauter Familienmenschen. mehr
Ein pflegebedürftiger Familienvater wurde vergiftet. Um dem Krimi-Ritual Genüge zu tun, wird das Personal der Reihe nach durchleuchtet. Das ist alles dramaturgisch durchschaubar – und doch öffnen sich immer wieder Türen in eine ganz andere Geschichte um Alzheimer, Pflege und familiären Generationenvertrag. Anrührend besonders für die Baby-Boomer. mehr
Ein "Kinderschänder", der allen um sich herum das Herz gebrochen hat, wird ins Koma geschossen. Dieser Bodensee-"Tatort" von Jürgen Bretzinger wird von Minute zu Minute spannender, dichter, packender. Man wird hineingezogen in die Psychologie zahlreicher Opfer-Geschichten und gerät in ein emotionales Wechselspiel aus Rache und Verzeihen. mehr
Dellwos & Sängers letzter HR-"Tatort". Ein erwartungsgemäß ungewöhnlicher Fall: Ex-Chef Fromm steht unter Mordverdacht. Dennoch verabschieden sich die "Tatort"-Tiefgründler zwischenzeitlich geradezu launig (und selbstreferentiell) von ihren Zuschauern. mehr
Von wegen 11 Freunde müsst Ihr sein. Selbst im Amateurfußball dreht sich alles nur ums lieb Geld. In „Rote Erde“ haben die meisten schon bessere Zeiten gesehen. Die Kulturhauptstadt Essen mit den Überresten einer überholten Männergesellschaft liegt melancholisch in tiefer Agonie. Kein Wunder, das Joachim Kròl in Richtung HR-"Tatort" das Weite sucht. mehr
Das ZDF entdeckt die (sozial)kritischen Krimiromane von Batya Gur. Heiner Lauterbach überzeugt innerhalb einer deutsch-israelischen Besetzung als Kommissar Ochajon. Der erste Fall zeigt einige historische schwarze Flecken auf der weißen Weste Israels. mehr
Sänger und Dellwo stoßen an die gesellschaftliche Schmerzgrenze. In „Der frühe Abschied“ geht es um den Schutz der Kinder und um überforderte Eltern und um die Aufgeregtheit, die hierzulande bezüglich dieses Themas herrscht. „Das ganze Land sieht doch überall nur noch Kindsmörderinnen“, ärgert sich Sänger. Mehr Drama als Krimi. Hoch emotional! mehr
Während einer Flugschau rast eine Maschine beim Startversuch in die Zuschauer. Vier Tote, der Pilot überlebt... „Tatorte“, aus dessen Krimifall sich ein Drama herausschält, gibt es öfters. Dass 45 Minuten lang ein Mordmotiv aus der tiefen Tragik eines Schicksalsschlags heraus entwickelt wird – das indes sieht man selten. Glanzrolle für Matthias Brandt. mehr