Zieglerfilm präsentiert die Ausnahme-Serie vorab auf DVD
collina Filmproduktion präsentiert einen Film von Max Färberböck & Ulrich Limmer
Volker Bruch ist auf dem besten Wege ein ganz Großer zu werden. Im Kinofilm „Baader Meinhof Komplex“ ist er als Stefan Aust zu sehen, mit Sophie Marceau stand er in „Les femmes de l’ombre“ vor der Kamera und sogar Hollywood holte ihn für „Der Vorleser“ mit Kate Winslet. Auch sein neues TV-Stück schließt an seine Filmografie der ernsthaften Ereignisse an. „Einer bleibt sitzen“ erzählt von Freundschaft, Liebe und Lüge.
Foto: BR / Erika HauriDas Bild bekommt der Held nicht aus dem Kopf: seine Freundin, sein bester Freund!
Volker Bruch (28) ist auf dem besten Wege einer der ganz Großen zu werden. Im Kinofilm „Baader Meinhof Komplex“ ist er als Stefan Aust zu sehen, mit Sophie Marceau stand er gerade in „Les femmes de l’ombre“ vor der Kamera und sogar Hollywood holte ihn für „Der Vorleser“ mit Kate Winslet. Nicht schlecht für einen, der sich vor nicht allzu langer Zeit noch mit Mini-Rollen in Serien wie „SK Kölsch“ oder „Soko Leipzig“ begnügen musste.
Schauspielerei, das ist für Volker Bruch ein Prozess des Hinterfragens, des Zerlegens, des Ausprobierens. „Ich wollte immer verstehen, warum etwas so ist, wie es ist.“ Schon als Teenager wusste er, dass er Schauspieler werden würde. In der Kabarett-Gruppe der Schule lernte er, die Dinge spielerisch zu nehmen. Viel geblieben ist davon nicht. Heute erfüllt er das Idealbild eines Darstellers für ernsthafte, dramatische Rollen. Selten schenkte er dem Zuschauer in seinen letzten Filmen ein Lächeln. Seine Figuren sind auch nicht unbedingt dazu angetan. In „Der rote Baron“ musste er Krieg spielen. In „Nichts ist vergessen“ war er als Vergewaltiger und Mörder zu sehen, der sich nach zehn Jahren Haft, zwischen Selbsthass und Todessehnsucht schwankend, auf der Suche nach sich selbst befand. Auch Alain Gsponer setzte den Absolventen des Max-Reinhardt-Seminars in ernsthaften Rollen ein: in „Rose“ ist er einer von drei vaterlosen Söhnen, die sich von Mutter Corinna Harfouch herum schubsen lassen, und in „Das wahre Leben“ widerfährt ihm beim Bund sein Coming-Out.
Foto: BR / Erika HauriKopflos steigt der von Volker Bruch gespielte "verletzte" Held auf sein Motorrad.
Auch sein neues TV-Stück schließt nahtlos an Volker Bruchs Filmografie der ernsthaften Ereignisse an. „Einer bleibt sitzen“ erzählt von Freundschaft, Liebe und Lüge. Im Mittelpunkt steht Michel. Gerade hat seine Freundin mit ihm Schluss gemacht. Damit nicht genug: Nachfolger ist sein bester Freund Stefan. Michel sieht die beiden eng umschlungen sich küssen, dann sieht er nur noch rot, schwingt sich auf sein Motorrad – und verunglückt. Er überlebt, ist jedoch querschnittsgelähmt und leidet unter einer Teilamnesie: an die Trennung erinnert er sich, nicht aber an den Grund dafür. Michel verfällt in Depressionen, gibt sich auf. Erst als ihn Stefan zu einer Spezialtherapie in den bayerischen Bergen überredet, bei der er ihn begleitet und sich für die Reha selbst in einen Rollstuhl setzt, findet Michel ins Leben zurück.
„Es ist ein Film über Freundschaft in einem Lebensabschnitt, in dem nichts wichtiger ist als Freundschaft“, sagt Regisseur Tim Trageser. „Es ist die Zeit Anfang/Mitte Zwanzig, wenn fast alles nur vom Hier und Jetzt bestimmt wird.“ Die Behinderung wird ernst genommen, „Einer bleibt sitzen“ ist aber kein 100%ig politisch korrekter Themenfilm. Bei aller Nachdenklichkeit hat er auch Witz und macht Laune. Ein intelligentes Buch, ein spielfreudiges Ensemble, aus dem neben Bruch Florian Jahr, Charly Hübner und Grimme-Preisträgerin Rosalie Thomass herausragen und ein Regisseur, der nach recht passablen Filmen endlich ein „absolutes Herzblutprojekt“ realisieren konnte, sind gute Voraussetzungen.
Foto: BR / Erika HauriDer leidenschaftliche Motocrossfahrer verletzt sich schwer und landet im Rollstuhl.
Die schwierigste Rolle hat zweifellos Volker Bruch. Beim nicht chronologischen Drehen stets auf der Höhe der psychologischen Verfassung seiner Figur zu sein – das ist bei jenem Michel, der sich von Szene zu Szene verändert, kein leichtes Unterfangen. Neben dem schauspielerischen Handwerk war der Rollstuhl die größte Herausforderung. „Um die Bewegungsabläufe zu automatisieren, habe ich in der Vorbereitungsphase viel Zeit im Rollstuhl verbracht“, so Bruch. Sehr ernsthaft hat er sich seiner Rolle genähert. Bruch scheint ein sehr grundsätzlicher Mensch zu sein. „Freundschaft ist für mich die Möglichkeit, mich nicht zu verstellen“, sagt er im Hinblick auf „Einer bleibt sitzen“ und spitzt die Aussage noch zu: „Freundschaft ist Liebe und bedeutet mir alles.“ (Text-Stand: 8.10.2008)
Rainer Tittelbach arbeitet seit über 25 Jahren als TV-Kritiker & Medienjournalist. Er ist Grimme-Juror & FSF-Prüfer. Seit 2009 betreibt er tittelbach.tv. Mehr
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