“Sie können ruhig sagen, Schmonzette”, sagt Jaenicke. Seinen Robert-Redford-Klon hat er dennoch gern gespielt. “Ich kann Typen, die sich mehr mit Tieren beschäftigen als mit Menschen, gut verstehen.” Der Schauspieler ist ein Getriebener, ein Abenteurer, ein Quartal-Aussteiger. Um sich dieses Leben zu leisten, muss er ab & zu schlechte Rollen spielen.
“Sie können ruhig sagen, Schmonzette”, unterbricht Hannes Jaenicke, da ist das Interview gerade mal eine Minute alt. Der Schauspieler ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Dass er mäßige Filme nicht schön redet. Aber dass er einen seiner neuen Filme, den zumindest wunderbar fotografieren Fernsehfilm “Die Pferdeinsel” mit einem dicken Aber belegt, das überrascht schon. Er spricht von seiner Figur als von einem “Pferdeflüsterer für Arme“, lobt aber im nächsten Atemzug dann doch wenigstens das Drehbuch, das offenbar ziemlich entschärft wurde. Und er liebt seinen deutschen Robert-Redford-Klon. “Ich hab die Rolle einfach gern gespielt, denn ich kann Typen, die sich mehr mit Tieren beschäftigen als mit Menschen, sehr gut verstehen”, betont der 46-jährige Schauspieler.
Foto: Degeto / NDRHannes Jaenicke ist mal wieder als Frauenversteher (und Pferdeflüsterer) unterwegs
Der in den USA aufgewachsene Jaenicke, der abwechselnd in Köln und Kalifornien lebt, ist ein Abenteurer. In den 90er Jahren hatte er noch einen dritten Wohnsitz in Australien, wo er seine damalige Frau kennen lernte. Er wohnte in einem ausrangierten Eisenbahnwaggon. Zum Quartal-Aussteiger war er bereits ein Jahrzehnt zuvor geworden. In der Nähe von Los Angeles fand er in einer Hippie-Siedlung am Meer sein Shangri-La. “Wenn ich nicht Schauspieler wäre, würde ich völlig anders leben”, sagt er. “Dann hätte ich mit Großstädten noch viel weniger am Hut, als ich es ohnehin schon habe.”
Auch unterwegs zu sein liebt der Schauspieler, den die Frauen wegen seiner samtigen Stimme und den treuen Bernhardineraugen mögen. “Mir fehlt das Sesshaftigkeitsgen”, sagt er. “Ich finde Reisen den aufregendsten Geisteszustand. Man ist wach, entwickelt neue Perspektiven auf die Dinge und bekommt Distanz zu seinem Alltagstrott, in den man so schnell verfällt.“ Seit 25 Jahren bereist der Schauspieler die Welt. Seit einigen Jahren auch beruflich. Für “voxtours” machte er den Reiseführer durch die Wildnis. “Jetzt packt das gleiche Team ein Format an, bei dem es um aussterbende Tierarten geht: wir zeigen, warum sie aussterben und was man dagegen tun kann”, so Jaenicke. “Warum wird beispielsweise Orang-Utans oder Walen der Garaus gemacht?”
Hannes Jaenicke sagt gerne, was ihm nicht passt, aber er schimpft nicht wahllos herum, um Aufmerksamkeit zu erheischen. Im geht es um die Sache. “Man muss die Produzenten und Redakteure gelegentlich ein bisschen kitzeln und die Branche in den Hintern treten - und das mache ich denn auch mit großer Begeisterung.” Jaenicke liegt es fern, die Konzepte der Sender gegeneinander auszuspielen. “Ich finde es blöd, immer auf den Öffentlich-Rechtlichen herumzuhacken - von wegen Seniorenfernsehen”, redet er sich zwischenzeitlich doch ein wenig in Rage. “Warum haben Senioren nicht ein Recht auf ein anständiges Fernsehen?!”, fragt er sich. “Ich hab mich ja auch nicht lustig gemacht über das Kinderprogramm von Pro Sieben, wo vor ein paar Jahren kein Staatsanwalt älter als 20 sein durfte.”
Foto: Degeto / NDRHatten offenbar Spaß beim Fototermin: Hannes Jaenicke und Muriel Baumeister
Sein momentanes “Baby” ist die neue RTL-Serie “Post Mortem”. Für diese Rechtsmediziner-Serie hat Jaenicke, der schon in den 90er Jahren gelegentlich Drehbücher geschrieben hat, auch konzeptionell Hand angelegt. “Da habe ich ein Jahr meines Lebens reingeballert.” Jetzt hofft er, dass die Serie, die Sehgewohnheiten in Deutschland auf den Prüfstand stellen wird. Ästhetisch orientiert man sich an “24” oder “CSI”. Zwischen 1300 und 1500 Schnitte, mehr als ein Kinofilm hat, verspricht Jaenicke, in 45 Minuten. Bereits im Herbst läuft die Serie an... Nach so viel Schwärmerei kommt Jaenicke gegen Ende des Gesprächs dann aber doch wieder auf den Boden der TV-Realität zurück: “Natürlich drehe ich viel Kappes!” (Text-Stand: 24.8.2006)