• Porträt Katharina Wackernagel in "Stralsund – Mörderische Verfolgung"

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      Filmgeschichte und Kinokult-Klassiker 02/2012 auf einen Blick

      ZDF, 11.07.2011, 20:15 Uhr - Wiederholung
      Bewertung: 4,0 von 6

      Auch Wackernagel geht unter die Kommissare: Ein Gesicht für die emotionalen Fälle

      Ausgerechnet Katharina Wackernagel ist nun auch als Kommissarin zu sehen: Sie, die seit der ARD-Vorabendserie „Tanja“ vor allem in Rollen mit sozialem Anspruch überzeugte. Höhepunkt eines zehnjährigen Karrierewegs war „Contergan – Eine einzige Tablette“, der Zweiteiler um den größten Medikamentenskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte.

      Geiselnahme in Stralsund. Das Fatale: Ausgerechnet die Chefin der örtlichen Polizeiinspektion befindet sich in der Gewalt des Geiselnehmers, der in den Räumen einer Versicherung auch deren Angestellten festhält. Bei der Leitung des Einsatzes sind nun die Beamten aus der zweiten Reihe gefragt. Nina Petersen scheint den klarsten Kopf und genügend Finger-spitzengefühl zu besitzen für diese Aktion, bei der der bald identifizierte Gelegenheitsverbrecher nicht nur zwei Millionen, sondern auch die Freilassung seines Bruder aus dem Gefängnis erpressen will. Petersen wird gespielt von Katharina Wackernagel.

      Wackernagel & Schrott
      Foto: ZDF

      Katharina Wackernagels Premiere als Polizistin. Mit dabei: Harald Schrott

      Nun geht also auch Wackernagel unter die Kommissare. Ausgerechnet sie, die seit ihrem Traumstart mit der Vorabendserie „Tanja“ vor allem in Rollen mit sozialem Anspruch überzeugte. Als Tochter des TV-Psychologen Bloch bot sie Dieter Pfaff Paroli, als „Die Boxerin“ fightete sie sich ohne „Rocky“-Glamour aus ihrer sozialen Misere und in „Das Wunder von Bern“ nahm sie das Fräuleinwunder der Wiederaufbaujahre vorweg. Höhepunkt eines zehnjährigen Karrierewegs war „Contergan – Eine einzige Tablette“, der Zweiteiler um den größten Medikamentenskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Ob „Die letzte Schlacht“, „Die Luftbrücke“ oder „Baader Meinhof Komplex“ – immer wieder ist es die Zeitgeschichte, der die 30-Jährige ihre markanten Züge leiht. Ein Zeitgeist-Girlie war sie nie.

      Schon als Teenager besaß Katharina Wackernagel ein Ausdruckspotenzial, das die Möglichkeiten ihrer Altersgenossen weit übertraf. „Tanja“-Regisseur und Entdecker Berengar Pfahl schwärmte von ihr als „eine junge Frau mit vielen Gesichtern, als eine Schauspielerin, die sich auf Situationen einlässt und es vermag, ganz von innen heraus zu spielen“. Auch als Frauentypus sah er in ihr die Wende verkörpert: weg vom Hungerhaken, hin zur gesunden Körperlichkeit. Von ihrer jugendlichen Natürlichkeit hat sich die gebürtige Freiburgerin, deren Onkel der Schauspieler und Ex-Terrorist Christof Wackernagel ist, bis heute einiges bewahrt.

      Ob aber der Krimi für sie das richtige Genre ist!? „Es waren die Geschichte und diese spezielle Kommissarin, die mich an ‚Stralsund’ gereizt haben, und weniger der Vorsatz, dass ich auch mal unter die Kommissare gehen möchte“, federt sie die Bedenken ab und nährt die Hoffnung, dass man sie nun nicht auch noch ständig als Kommissarin zu Gesicht bekommen wird. Besonders gefallen hat Wackernagel am Drehbuch von Sven Poser und Martin Eigler der direkte, schnelle Zugriff zur Story und die Charakterisierung ihrer Figur über die Aktion, das Verhalten. „Ich mag Filme, die keine großen Zeitsprünge haben, die konzentriert eine überschaubare Handlung erzählen.“ Sie fand es gut, dass nicht auch noch das Privatleben von Nina Petersen in die Geschichte eingebaut wurde. Andere Autoren hätten noch gezeigt, „wie Nina abends zu sich nach Hause fährt und ihre Katze in der leeren Wohnung füttert“.

      Katharina Wackernagel, deren Gesicht sich dem Zuschauer in den meisten Filmen wie ein offenes (manchmal zu offenes) Buch präsentiert, wird gern für große menschliche Dramen besetzt, Figuren, die ihre Gefühle offen ausleben. Bei „Stralsund – Mörderische Verfolgung“ konnte sie nun etwas anderes ausprobieren. „Ich musste einen Charakter spielen, der zwar ein Drama erlebt, seine Gefühle aber unter dem Deckel halten muss und der selten agiert, eher reagiert.“ Noch vor zwei Jahren, vermutet sie, hätte man ihr wohl Bernadette Heerwagens Rolle angeboten, jene Leid geprüfte junge Frau im Film, die aus Liebe zur Verbrecherin wird.

      Wackernagel
      Foto: WDR

      Katharina Wackernagel

      in "Contergan" (2007)

      Wackernagel
      Foto: ZDF

      ...und in "Mein Mörder

      kommt zurück" (2007)

      Nina Petersen wuchtet nicht wie die kämpfende Mutter in „Contergan“ ein schweres Schicksal, sie muss in 24 Stunden einen spannungsintensiven Fall zum glücklichen Ende bringen. Deshalb befielen Wackernagel anfangs einige Zweifel: „Reicht das, was ich zeige, sieht man auch genug von der Figur, damit der Zuschauer mitgehen kann?“ Es reicht! Und mehr als das. Dennoch, die „echte“ Katharina Wackernagel, die gibt es erst wieder im Herbst, wenn sie in „Résiste – Aufstand der Praktikanten“ von ihrem Bruder Jonas Grosch, zu sehen ist. „Eine echte Herzensangelegenheit.“ (Text-Stand: 13.3.2009)

      Rainer Tittelbach


      Katharina Wackernagel in "Stralsund – Mörderische Verfolgung"
      ZDF / Porträt / Krimi
      EA: 30.3.2009, 20.15 Uhr
      Mit Katharina Wackernagel, Janek Rieke, Bernadette Heerwagen, Kirsten Block, Harald Schrott und Alexander Scheer
      Drehbuch: Sven S. Poser, Martin Eigler
      Regie: Martin Eigler
      Produktionsfirma: Network Movie
      Quote: 5,59 Mio. Zuschauer (17,3% MA)



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