Sie hat schon so manches Rührstück vor dem Absturz bewahrt – mit ihren blauen Augen und ihrer natürlichen Frische. Der Hauch Grace Kelly, den ihr Gesicht verrät, kommt stärker auf Fotos zu tragen, im Film wirkt sie eher wie die nette Frau von nebenan. Nach "Die Gustloff" oder "Mogadischu" ist der ehemalige Soap-Star wieder im ganz leichten Fach gelandet. Dabei spielt sie klein gegen das große Banale an. Perfekt beherrscht sie jene leichte, beiläufige Spielart, mit der sie die Klischees der Handlung mit der Aura des Alltäglichen auflädt.
Sie hat schon so manches Rührstück vor dem Absturz bewahrt – mit ihren blauen Augen und ihrer natürlichen Frische. Valerie Niehaus ist die geborene Sympathieträgerin. Sie ist blond, aber sie ist keine, über die man Witze macht. Sie ist der ideale Typ für die Unterhaltungsfilme, mit denen die ARD ihre Zuschauer unaufgeregt ins Wochenende entlässt. Obwohl sie häufig ihr Äußeres verändert – sie ist und bleibt eine Spezies jener bildhübschen Frauen, deren Schönheit nicht unbedingt einschüchtert. Der Hauch Grace Kelly, den ihr Gesicht verrät, kommt stärker auf Fotos zu tragen, im Film wirkt sie eher wie die nette Frau von nebenan.
Es darf gewiehert werden: "Tierisch verliebt"
Es gibt Filme, bei denen man sich an einzelne Bilder erinnert und dessen Story man vollkommen vergessen hat. So ähnlich geht es einem bei Filmen mit Valerie Niehaus. Jetzt ist mal wieder einer zum schnellen Vergessen freigegeben. Über die Reiterhof-Schmonzette „Tierisch verliebt“ schreibt eine Programmzeitschrift: „Darüber wiehern selbst Pferde- und Moselfans.“ Niehaus spielt eine Pferdeflüsterfrau, die um ihre Existenz bangen muss. Ein Seuchenherd scheint auf ihrem Hof zu liegen. Im romantischen Teil der Geschichte muss sie die Braut, die sich nicht traut, geben. Keine Frage, sie macht das blendend. Klein spielt sie gegen das große Banale an. Perfekt beherrscht sie jene beiläufige Spielart, mit der sie die Klischees der Handlung mit der Aura des Alltäglichen auflädt.
Foto: DegetoDeutsch-russische
Freundschaft:
Valerie Niehaus...
Foto: Degeto... und Martin Feifel
als stolzer Moskauer
Valerie Niehaus weiß das. „Es gibt manchmal die unmöglichsten Sätze in Drehbüchern. Dennoch kann man seine Figur normal sprechen und sich normal ‚verhalten’ lassen – mit dem erwünschten Effekt, dass man einen Menschen sieht, der einem auch auf der Straße begegnen könnte“, sagt sie. Im gleichen Atemzug verteidigt sie ihre Filme. „Für diese eher leichten Filme gilt umgekehrt aber auch, dass deren noch so klischeebetonten Geschichten uns auch oft genug im Leben begegnen.“ Dass man diese Geschichten als Schauspieler „nicht über die zehnte Reihe hinausspielen sollte“ – das hat sie früh gelernt. Mit 19, nach dem Abitur, wurde sie 1995 für die Hauptrolle der Daily-Soap „Verbotene Liebe“ engagiert. „Schon damals habe ich diese Art zu spielen praktiziert“, erinnert sich die 34-Jährige. Sie stieg bekanntlich nach zwei Jahren aus, um sich an der New Yorker Lee-Strasberg-Theaterschule das Rüstzeug für größere Aufgaben abzuholen. Und so spielte sie danach in Sönke Wortmanns Ensemblefilm „St. Pauli Nacht“ oder in Hark Bohms Biopic „Vera Brühne“. Mittlerweile ist sie wieder im leichten Unterhaltungsfach angekommen mit Filmen, die Titel tragen wie „Rose unter Dornen“ oder „Wind über den Schären“. Nur gelegentlich gibt es ein Sahnehäubchen – dramatische Nebenrollen in Event-Movies wie „Mogadischu“ oder „Die Gustloff“.
Statt Drama: "Eine Liebe in St. Petersburg"
In einem Drama eine Hauptrolle würde sie schon gerne spielen. „Ich würde mir wünschen, dass die Besetzer etwas mutiger wären“, sagt sie nur, ohne den Eindruck zu erwecken, deswegen frustriert zu sein. „Man könnte schon die eine oder andere Überraschung kreieren, wenn man mal von der Typ-Besetzung abweichen würde“, glaubt Niehaus. Selbst zur Mörderin will man sie nicht machen. „Die Menschen sind hierzulande offensichtlich der Meinung, jemand, der so blaue Augen und so blonde Haare hat, der schlägt auch nicht zu.“
Der andere Film, in dem Valerie Niehaus zu sehen ist, „Eine Liebe in St. Petersburg“, stellt eine Steigerung dar innerhalb des Wohlfühlgenres. Aufgewertet wird diese deutsch-russische Romanze allein schon durch die Kollegen, Charakterköpfe wie Martin Feifel, Nicole Heesters und Rolf Hoppe. Aber auch das Drehbuch von Brigitte Blobel besitzt ein paar recht amüsante Dialoge. „Warum müssen Frauen immer das letzte Wort haben?“, wundert sich der Russe. „Damit Männer wissen, wann Schluss ist“, kommt es kess zurück. Solche alltäglichen Kampeleien sind die Sternsekunden von Valerie Niehaus. Ganz selbstverständlich spielt sie eine solche verbale Pointe. Dann blitzen ihre Augen kurz auf & weibliches Selbstbewusstsein findet einen kecken Gesichtsausdruck. Niehaus: „Mir ist schon bewusst, dass ich mit dieser Natürlichkeit, die meine Art und Weise zu spielen ist, am meisten überzeugen kann.“
Foto: DegetoEs dauert eine Weile, bis Valerie Niehaus "tierisch" in Gregor Törzs verliebt ist.
Mal war auch der Busen zu klein
Valerie Niehaus weiß sich im Interview darzustellen, ohne allzu zwanghaft an einem Bild von sich zu basteln. Sie weiß, sich auszudrücken, und sie weiß, auf Kritik an ihren Rollen angemessen zu reagieren. Sie wirkt wie eine Frau, die sich nichts vormacht, aber auf masochistische Anwandlungen gut verzichten kann. „Ich habe einen guten Job, bin gesund, da gibt es wenig zu meckern. Ich bin bescheiden, bin dankbar, ich wollte als Schauspielerin arbeiten – und ich tue es“, sagt sie selbstbewusst mit einer Stimme, die so klar ist wie ihr Blick. „Auch wenn nicht das ganze Land meine Arbeit toll findet – das ist mein Alltag, das ist mein Leben und ich mache meine Arbeit sehr gerne und ich versuche, sie gut zu machen.“
Auf die Frage, ob ihr Aussehen ihr schon einmal im Weg stand, kommt die prompte Antwort: „Natürlich haben mir schon Produzenten und Regisseure gesagt – ich sei zu hübsch für gute Rollen.“ Und es habe schon Situationen gegeben, in denen ihr Busen zu klein war. Niehaus nimmt es mit einem Lächeln. Sie ist Profi genug. 15 Jahre ist sie mittlerweile dabei. Da kennt sie das Geschäft. Wenn sie in großen Filmen wie „Mogadischu“ für kleine Rollen engagiert wird, dann weiß sie, was das heißt: „Klar, da bin ich so ein bisschen Schwenkfutter.“