„Diese Rolle und alles, was damit verbunden ist, Schiff, Wasser, Fernweh, das hat mich nie ganz losgelassen“, sagt Robert Atzorn, der heute wieder als „Der Kapitän“ auf große Fahrt geht. Vor über zehn Jahren war der beliebte Schauspieler schon einmal als Frank Harmsen auf den Weltmeeren unterwegs. Doch mittelprächtige Drehbücher und Atzorns „Tatort“ beim Konkurrenzsender erschwerten die Fortsetzung der Abenteuer auf hoher See.
„Diese Rolle und alles, was damit verbunden ist, Schiff, Wasser, Fernweh, das hat mich nie ganz losgelassen“, sagt Robert Atzorn, der heute wieder als „Der Kapitän“ auf große Fahrt geht. Vor über zehn Jahren war der beliebte Schauspieler schon einmal als Frank Harmsen auf den Weltmeeren unterwegs. Doch mittelprächtige Drehbücher und Atzorns „Tatort“ beim Konkurrenzsender erschwerten die Fortsetzung der Abenteuer auf hoher See. Der momentane TV-Trend, verstärkt auf fotogene Schauplätze in fremden Ländern zu setzen, beflügelte das Projekt. Und so nimmt der 63-Jährige den Zuschauer in den ersten beiden Abenteuern mit nach Südafrika, nach Argentinien und in die Eiswüste der Antarktis.
Die Dreharbeiten am Polarkreis seien „ein riesengroßes Abenteuer“ gewesen. „Die Antarktis ist unglaublich beeindruckend, die Eisberge, die Wale, die das Schiff begleiten, die Pinguine, die vielen verschiedenen Vogelarten“, erinnert sich Atzorn gern an die faszinierenden Eindrücke einer seltsam spröden, abweisenden Natur, die in „Packeis“ für einige magische Momente sorgt. Abenteuerlich ging es mitunter auch an Bord zu. Während die Somalia-Geschichte „Piraten“ in Südafrika unter „normalen“ Auslandsbedingungen entstand, wurde der Südpol-Dreh zur echten Bewährungsprobe. Vom argentinischen Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, schiffte die Crew ein und war fortan 14 Tage ununterbrochen an Bord. „Es herrschte einige Tage ein wahnsinniger Seegang. Es war ein elendes Geschaukel, nachts konnte man kaum ein Auge zutun“, so Atzorn. „Es hieß die alte Seemannregel beherzigen: immer eine Hand am Schiff, egal ob beim Duschen oder Zähneputzen.“ Auch mit der Enge auf dem Schiff musste man klar kommen. „Man hing schon sehr dicht aufeinander.“ Auch das Essen war nicht „Traumschiff“-like. „Nach zehn Tagen kamen nur noch Konserven auf den Tisch“, sagt Atzorn.
Mit dem Seegang hatte der Schauspieler keine großen Probleme. Atzorn ist Hamburger und seefest. Das sind nicht die einzigen Gründe, weshalb der Publikumsliebling, der 68 Mal Lehrer Specht war und der auch als Pfarrer und als Bundeskanzler nachhaltig in Erinnerung blieb, die Idealbesetzung für den ZDF-„Kapitän“ ist. „Wenn ich so die Pötte vorbeifahren sehe, hat mich schon immer das Fernweh gepackt“, so Atzorn. „Ich habe Seefahrer immer ein Stück weit beneidet. Um das einfache, auf das Wesentliche reduzierte Leben einerseits, auf die große weite Welt andererseits. Dass sich die Sonderstellung des Kapitäns nur bedingt zur Seefahrer-Romantik eignet, musste der Schauspieler bei der Vorbereitung der Rolle feststellen: „Der Kapitän ist der Reederei verpflichtet und trägt zugleich die Verantwortung für die Mannschaft, mit der er sich nicht gemein machen darf. Er ist der einsamste Mann an Bord.“
Um nach 12 Jahren Pause wieder den Dreh für neue Abenteuer zu finden, wurde dem Frachtschiffkapitän eine mehrjährige Leidensgeschichte ins Drehbuch geschrieben. „Frank Harmsen ist grimmiger geworden, einsamer, frustrierter“, betont sein Darsteller. Am Leben hält ihn die Liebe zum Meer und zu seiner Tochter. Diese Wendung weg vom immer strah-lenden Helden entspricht ganz dem Image, das sich der Schauspieler in den letzten Jahren aufgebaut hat. „Tatort“-Kommissar Casstorff habe ihn völlig von Specht befreit, bilanziert er. Auch der war schon ein gebrochener Held. Und nun also Harmsen, alles andere als ein klassischer TV-Sympath. Doch das könnte sich ändern. Wie so einiges in der ZDF-Reihe. Der Hauptdarsteller jedenfalls wünscht sich dichtere Beziehungen und etwas mehr Humor. „Ich finde es auch wichtig, dass man noch genauer in die fremden Kulturen hineinguckt und darauf hinweist, wie Entwicklungsländer vom Westen behandelt werden.“
Harmsen reiht sich mit seinem egozentrischen Zwang zur Selbstzerstörung nahtlos in Atzorns Anti-Helden-Galerie der letzten Jahre ein. „Wir haben alle auch unsere dunklen Seiten“, sagt der Schauspieler. „So etwas zu spielen fordert einen stärker und ist zugleich faszinierender.“ Stieß „Mein Mann, der Trinker“, in dessen Vorfeld Atzorn sehr offen die eigenen Alkoholprobleme in jungen Jahren zum Thema machte, auf viel Sympathie beim Zuschauer, so ging doch sein Film „Im Gehege“ vielen zu weit. Hier spielte er mal wieder einen Lehrer, allerdings einen, der für seine krankhafte Leidenschaft zu einer jungen Frau förmlich über Leichen geht. Der Film war dennoch ein Quoten-Erfolg, bescherte dem Publikumsliebling aber auch wieder vermehrt Briefe mit Sätzen wie: „Aber Specht war Ihre tollste Rolle…“
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