Jule Ronstedt hat ein komisches Talent. Ihr wacher Blick, ihre großen blauen Augen, ihr Lächeln prädestinieren sie fürs Wohlfühlgenre. Sie ist oft die Frau zum Pferdestehlen, mit der sich ihre Filmmänner durchaus auch einen anderen Zeitvertreib vorstellen können.
Jule Ronstedt hat ein besonderes komisches Talent. Ihr wacher Blick, ihre großen blauen Augen und ihr Lächeln prädestinieren sie fürs Wohlfühlgenre. Sie wirkt in ihren Rollen oft wie eine Frau zum Pferdestehlen, mit der man sich durchaus aber auch einen anderen Zeitvertreib vorstellen könnte. Die 38jährige Münchnerin ist die ideale Projektionsfläche für die umkämpfte Zielgruppe. So etwas hört sie gar nicht gern. Sie denkt nicht so außengerichtet wie die Medien. Das behaupten zwar alle Schauspieler von sich, aber Ronstedt nimmt man es ab. Allein die Frau für die komischen, schrägen Fälle möchte sie nicht sein. Und doch zeigt sie sich in den nächsten Wochen genau von dieser Seite – und sie macht es hinreißend.
In „Nichts als Ärger mit den Männern“ spielt sie eine Frau, Mitte 30, die nicht erwachsen werden möchte. „Sie hat studiert, hat keine richtige Beziehung, keinen richtigen Beruf, sie ist ziemlich orientierungslos“, charakterisiert die Schauspielerin ihre Figur. Doch dabei bleibt es nicht. Ein Schlaganfall des Vaters nimmt die Tochter in die Pflicht. Mit sympathischer Unbedarftheit mischt sie den Partyservice des Herrn Papa wieder auf und verblüfft damit nicht nur die Bank, sondern auch den etwas hüftsteifen Juristen, der ihr auf die Finger schauen soll. Wie es das Genre will, guckt der bald ganz woanders hin. „Jeder sehnt sich nach einem Stück von dem, was der andere hat“, interpretiert Ronstedt die Liaison zwischen dem Ordnungsliebhaber und der Chaotin. „Die Suche nach einem Partner, der das eigene Ich ergänzt - für eine Romantic Comedy steckt darin schon ein gehöriges Fünkchen Wahrheit.“
Serien möchte Jule Ronstedt eigentlich nicht mehr machen. Jedenfalls keine 67 Folgen mehr wie einst bei „Aus heiterem Himmel“, ihrem gelungenen TV-Einstand Mitte der 90er Jahre. „Acht Monate ein und dieselbe Rolle – das finde ich total langweilig“, sagt sie. Bei so etwas wie bei der BR-Serie „Franzi“, in der sie die Titelrolle spielt, ist sie aber gern dabei. „Ich mochte die Bücher von Anfang an sehr und ich schätze die gut geschliffenen, wunderbar pointierten Dialoge“, so Ronstedt. „Es gibt keine ‚Fälle’, keine weltbewegenden Probleme, es geht mehr um Zustände und es geht auch hier um diese Mittdreißiger-Generation, die nicht so richtig weiß, wie es weitergehen wird.“ Die Serie von Jungtalent Matthias Kiefersauer und Peter Bradatsch („Cafè Meineid“), die ab dem 27. Februar im Bayerischen Dritten läuft und in ihrem episodischen Charakter an die frühen Erfolgsserien von Helmut Dietl erinnert, ist eine famose Ensemblearbeit. „Franzi“ wirkt zwar typisch bayerisch, ist aber auch jenseits des Weißwurst-Äquators verständlich. „Diese Provinz gibt es überall in Deutschland“, sagt Ronstedt. Auch das Bayerisch ist zwar uriger als beispielsweise Udo Wachtveitl im „Tatort“, stellt aber auch einen Hamburger nicht vor unlösbare Aufgaben. Der Dialekt gibt Ronstedt, deren Eltern nach München zugereist sind, ein gutes Gefühl: „Das Bayerische hat etwas Bodenständiges, es gibt einem so eine andere Stärke, ich mag’s gern.“ Bei „Franzi“ habe sie immer ein bisschen das Münchnerische Gisela-Schneeberger-Bayerisch versucht, „weil sie ja meine Mama spielt“.
Jule Ronstedt, die Kinozuschauern auch aus „Wer früher stirbt ist länger tot“ oder „Ossi’s Eleven“ angenehm in Erinnerung sein dürfte, kann auch anders. „Ich bin sicher nicht die geborene ‚Psychotante’, aber ich achte schon darauf, dass ich nicht aufs Komische festgelegt werde“, sagt sie, „ich muss nach der dritten Romantic Comedy dringend was anderes machen, weil es mich sonst tierisch langweilt.“ Auf dem Theater war sie das Gretchen, sie spielte im „Tatort“, in „Liebe Amelie“, einem TV-Drama um einen manisch-depressiven Teenager, und im Frühjahr ist sie in einem Film über den Pflegenotstand zu sehen. Auch wenn sie selbst am Münchner Theater der Jugend inszeniert, geht es immer um etwas: zuletzt um Scheidungskinder. Nur immer ihr freches Lächeln aufzusetzen ist ihr zu wenig.